Catharina Rolandgepostet am: 05 janvier 2025

GESUNDER WALDBODEN

Von Humusformen im Wald und der Bedeutung vom Bodenleben, Regenwürmern und Feinwurzeln

Inspirierendes Wissen

Diese Lösung basiert auf dem "Handbuch für nachhaltigen Waldumbau", das in der LÖSUNG DER WALD UND SEINE ÖKOSYSTEMLEISTUNGEN unten als PDF downloadbar ist. 

Ein gesunder und lebendiger Waldboden mit einer dicken Humusschichte ist die Basis für die vielen "Ökosystemleistungen", die uns der Wald schenkt: für gesunde Pflanzen und Tiere, gesundes Wasser, gesunde Luft, die Aufnahme von Wasser bei Regen, regionale Wasserkreisläufe, genügend Grundwasser, die Verarbeitung von CO₂ zu gesunder Biologie, die Kühlleistung des Waldes.

Gesunde, lebendige Böden und deren Erhaltung sind ebenso wichtig wie die Aufwertung schlechterer Böden. Ein Boden kann dann als hochwertig angesehen werden, wenn er von unzähligen Organismen bevölkert wird, die viele lebenswichtige Funktionen erfüllen: Abbau von organischer Substanz, Schließung von kleingeschlossenen Nährstoffkreisläufen oder Verbesserung der Bodenstruktur zur Aufnahme von Wasser und Nährstoffen.

Den Zustand und die Lebendigkeit des Bodens kann man an seiner oberen Schicht, dem Humus, erkennen. Humus ist die Gesamtheit der organischen Stoffe im Boden, die beim Abbau und Umbau pflanzlicher und tierischer Überreste entstehen (Humifizierung). Organischer Kohlenstoff ist der Hauptbestandteil von Humus. Als Dauerhumus bezeichnet man die hochpolymeren und schwer zersetzbaren Huminstoffe. Unter günstigen Bedingungen (z. B. im Regenwurmdarm) gehen Huminstoffe und Tonminerale eine enge Bindung ein.

Die so entstehenden Ton-Humus-Komplexe tragen zur Krümelbildung im Boden bei, begünstigen den Wasserhaushalt, die Durchlüftung und das Bodenleben.Humushaltige dunkel gefärbte Böden absorbieren an der Oberfläche mehr Strahlung und erwärmen sich daher stärker als humusarme Böden. Die Abbauprodukte gehen als wichtige Nährstoffe für Pflanzen und Bodenorganismen erneut in den Stoffkreislauf des Bodens ein
(Kohlenstoffkreislauf, Stickstoffkreislauf). Hohe Humusgehalte verbessern allgemein die Bodeneigenschaften und die Ertragsfähigkeit von Acker- und Waldböden.

Je nach Klima, Streu und geologischem Ausgangsmaterial entstehen unterschiedliche Humusformen. Diese geben uns Hinweise auf das Nährstoffumsetzungsvermögen im Oberboden und somit auch auf die biologische Aktivität im Boden. Mit Hilfe der geeigneten Baumarten kann die Humusform entscheidend beeinflusst werden.
Es wird nach folgenden Humusformen unterschieden

1. ROHHUMUS
entsteht in der Regel auf äußerst sauren Böden (pH-Wert < 4) und auf extrem nährstoffarmen Böden unter Vegetation, die schwer abbaubare und nährstoffarme Streu liefert (vor allem Nadelbäume). Der Abbau der organischen Substanz ist durch die stark saure Bodenreaktion
gehemmt. Unter stark sauren Bedingungen fehlen die für den Abbau der organischen Substanz verantwortlichen Bodenlebewesen weitgehend.
Rohhumus bewirkt verstärkte Nitratauswaschung, schlechte Durchwurzelung und sehr wenig Bodenleben (nahezu keine Regenwürmer). Rohhumus führt zu schlechter Durchlüftung, hoher Stick-
stoffsättigung und Versauerung durch fehlende Zersetzung. Wasserspeicherung ist nur in sehr geringem Umfang möglich. Das C/N Verhältnis liegt bei 20 bis 33.

2. MODER
ist ein saurer Humus mit hoher Pilzaktivität, was bei feuchten Verhältnissen den charakteristischen Modergeruch hervorruft.
Die Aktivität der Regenwürmer und auch anderer Bodenwühler ist wegen Säure, Trockenheit oder schwer abbaubarer Streu noch deutlich eingeschränkt, da Baumarten mit schwer zersetzbarer Streu oder
hohem Gerbstoffanteil die Entwicklung der Bodenlebewesen hemmen. Dazu zählen Nadelbäu-me sowie zusätzlich Eichen- und Buchenarten.
Die Streuzersetzung verläuft langsam, und es bildet sich unter der noch unzersetzten Streuschicht ein mehrjähriger Fermentationshorizont. Beim
Moder handelt es sich um eine Zwischenform zwischen Mull und Rohhumus. Der Moder ist biologisch weniger aktiv als der Mull, aber aktiver als der Rohhumus.
Das C/N-Verhältnis liegt bei 17 bis 25.

3. MULL
ist eine biologisch aktive Humusform. Charakteristisch ist eine meist nur einjährige Streuschicht und eine große Vermischungstiefe (Bioturbation) der organischen Substanz mit Mineralerde. Durch diese Vermischung bekommt die Mineralerde eine dunkle, schwärzliche Farbe. Dieser Teil des Bodens wird als Oberboden bezeichnet. Hier dominieren die Bodenwühler, insbesondere Regenwürmer, aber auch Asseln, Tausendfüßler und andere Gliederfüßler.
Je nach Jahreszeit kann durch die rege biologische Aktivität der Streuhorizont auch ganz fehlen. Durch die Vermischung von Humusstoffen und Mineralerde entstehen Ton-Humus-Verbindungen, die gute Nährstoff- und Wasserspeicher sind.
Entscheidend bei der Zersetzung sind ein nicht zu niedriger pH-Wert und eine leicht abbaubare Streu. Zum Beispiel die Blätter von Bergahorn, Linde, Hainbuche oder Pappel und Baumarten mit Feinwurzeln in vielen verschiedenen Bodentiefen, die durch ihre kurze Lebensdauer wesentlich zum Humusaufbau beitragen. Des Weiteren sind für eine hohe biologische Aktivität ausgeglichene Witterungsverhältnisse notwendig. Solche Oberböden sind allgemein gut mit Nährstoffen versorgt.
Das C/N-Verhältnis liegt bei 9 bis 18.

Wie oben bereits erwähnt, kann die Auswahl der geeigneten Baumarten die Humusform entscheidend beeinflussen. Dies geschieht nicht direkt, sondern indirekt über die Qualität des Laubes der Bäume hinsichtlich Regenwurmfutter sowie durch die Bildung von Feinwurzeln.
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Warum der REGENWURM so wichtig für den Waldboden ist

Aufgrund ihrer herausragenden ökologischen Funktion bei der Bodenbildung und Aufbereitung anfallender organischer Substanz sind Regenwürmer essenziell wichtige Lebewesen für die Fruchtbarkeit und Produktionsfähigkeit der Böden. Sie graben und fressen sich ständig kreuz und quer durch die Bodenschichten ihrer Lebensbereiche.

Die dabei aufgenommene Erde enthält Bakterien, Pilzsporen und zahlreiche Einzeller, die verdaut und als Nahrung genutzt werden. Die Regenwürmer vermengen und verdauen diese Bestandteile und scheiden sie anschließend als Wurmkot wieder aus.

Dieser enthält wertvolle Humusanteile, die Ton-Humus-Komplexe, in angereicherter Form. Durch die Beschaffenheit der Erde, die der Regenwurm erzeugt, werden die für den Boden nützlichen Mikroorganismen gefördert. Ein lebendiger, humus- und regenwurmreicher Boden ist verantwortlich für die dauerhafte und leistungsfähige oberirdische Biomasseproduktion. Er wird als Indikator für die unterirdische Biodiversität gesehen.

Eine hohe Regenwurmpopulation erfüllt in einem Waldbestand viele wichtige und unverzichtbare Funktionen.

Lies dazu gerne auch in der LÖSUNG DER REGENWURM.

Die Bayerische Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege 2018 beschreibt die Wirkungsfelder des Regenwurmes:

🌿 Durch stetiges Graben wird der Boden belüftet, tote Biomasse kompostiert und der Boden mit einem nährstoffreichen Kot (Ton-Humus-Komplex) gedüngt.
🌿 Nährstoffe werden von unten nach oben transportiert und somit für Pflanzen verfügbar.
🌿 Die Ausscheidungen des Regenwurms und Auskleidungen seiner Gänge enthalten bis zu zehnmal mehr der wichtigsten Pflanzennährstoffe als der Durchschnittsboden.
🌿 Regenwurmgänge können von Wurzeln genutzt werden, um einfach in tiefere Bodenschichten zu gelangen. Ohne Würmer wurzeln viele Pflanzen
flacher.
🌿 Oberirdisch anfallende Biomasse (Blätter, Rinde, Äste) wird zersetzt, in den Boden eingearbeitet und zu Humus umgewandelt.
🌿 Nährstoffe wie Stickstoff, Phosphor oder Magnesium werden im Zersetzungsprozess pflanzenverfügbar aufbereitet, eine Nitratauswaschung ins Trinkwasser findet hier weitgehend nicht mehr statt.
🌿 In Regenwurmgängen kann Regenwasser besser versickern. Dies führt zur Bildung von Grundwasser und dient als Hochwasserschutz. Daher erhöhen Regenwürmer die Wasserspeichermenge.

Unter welchen Bäumen fühlen sich Regenwürmer wohl und sorgen dort auch für gesunden Humus

Regenwürmer mögen keine sauren Waldböden, wie sie unter Nadelbäumen oder Buchen und Eichen zu finden sind. Sie lieben dagegen Böden unter Hainbuchen, Kirschen, Ahorn, Apfelbäumen oder anderen Laubhölzern wie zum Beispiel Weiden, Erlen oder Pappeln oder Sorbusarten, wie zum Beispiel Elsbeeren, Vogelbeeren oder Mehlbeeren.

In einem gesunden Waldboden leben unzählige weitere Lebenwesen, die Du in der Lösung BODENLEBEWESEN entdecken kannst.

Es sind bis zu 25 Tonnen, dieser kleinen Bodenbaumeister, die in einem Hektar gesundem Waldboden leben.
Und sie haben unterschiedliche Funktionen, die Du in dieser Lösung entdecken kannst..
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Wie auch die FEINWURZELN im Wald für gesundes Pflanzenwachstum und Humusaufbau sorgen

Unter Feinwurzeln versteht man Wurzeln, die bis zu 2 mm Durchmesser haben. Ihre Aufgabe ist die Aufnahme von Wasser sowie Nährstoffe wie Stickstoff, Phosphor, Magnesium oder Kalzium. Außerdem lagern sie Kohlenstoffverbindungen ein und stabilisieren Böden und Bäume. Feinwurzeln sterben meist nach wenigen Monaten/Jahren ab und neue Wurzeln werden gebildet. Dieser Wurzelumsatz liefert dem Waldboden kontinuierlich neue Biomasse zu. Die Feinwurzeln sind folglich für den Fluss und die Speicherung von Kohlenstoff sowie das unterirdische Recycling von Nährstoffen entscheidend.

Auf Böden mit schlechter Nährstoff- und Wasserversorgung bilden die Bäume mehr Feinwurzeln aus, als auf guten Böden, da sie mehr Bodenvolumen erschließen müssen, um sich mit Wasser und Nährstoffen zu versorgen.
Baumarten mit tiefwurzelnden Systemen und hohen Feinwurzelmassen - zum Beispiel Bergahorn, Hainbuche, Pappel, Linde, Eichen und viele andere Laubbäume - können über die Feinwurzeln auch aus tieferen Bodenschichten Wasser und Nährstoffe pflanzenverfügbar machen. Dadurch haben sie die Möglichkeit, auch bei länger anhaltenden Heiß- und Trockenphasen oberirdisches Wachstum zu generieren und damit die Ökosystemleistungen des Waldes, also Kühlung durch Verdunstung, Biomasseproduktion und damit CO2 Speicherung etc. dauerhaft zu sichern.

Wenn Bäume an ungünstigen Standorten wachsen, die im Sommer rasch austrocknen, ist die Lebensdauer der zarten Wurzelspitzen sehr kurz. Deshalb müssen die Bäume immer wieder neue Wurzeln nachliefern und es häufen sich große Mengen abgestorbener Feinwurzeln an, die dann Regenwürmern, Bakterien, Pilzen und anderen Bodenorganismen als Nahrung dienen. Dabei werden die in den Wurzeln enthaltenen Mineralstoffe freigesetzt und stehen den Bäumen erneut zur Verfügung. So schließt sich in intakten und lebendigen Böden der Kreislauf, der die Wälder auch unter schwierigen Bedingungen, wie dem Klimawandel, fit und gesund für die Zukunft macht.

Lies Dir gerne auch die LÖSUNG DER WALD UND SEINE ÖKOSYSTEMLEISTUNGEN durch, in der Du auch ein Interview mit dem Waldexperten Ludwig Pertl anschauen und das "Handbuch für nachhaltigen Waldumbau downloaden kannst.
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