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Baumgefährten
Baumverbundenheit, Kraftbäume, Biophilia-Effekt und die Wirkung heimischer Baumdüfte
Inspirierendes Wissen
Baumverbundenheit
Heute schon einen Baum gegrüßt? Warum nicht? Ein heiteres, vielleicht auch stilles „Hallo“, ein Nicken aus der Ferne in Richtung deines Lieblingsbaumes lässt deine innere Laune steigen. Menschen grüßen Bäume seit Jahrtausenden. Bei den alten Griechen war es Brauch, heilige Bäume mit dem sogenannten „dorischen Gruß“ zu grüßen. Das heißt, man verehrte den Baum, indem man ihm eine heitere Kusshand zuwarf.
Was geschieht genau, wenn wir Bäume grüßen, uns an sie lehnen oder einen schönen Spaziergang im Wald oder einem Park machen? Wir beginnen, uns zutiefst zu erholen. Hier greift das, was man als Baummedizin bezeichnet. Hier erinnert sich ein uralter Teil von uns an die Kraft der intakten Natur und ahnt Gutes. Unser Immunsystem – das eigentlich auch eine Art Sinnesorgan ist – beginnt, stille und gesunde Baumgespräche zu führen. Ein selbstständiges kommunizierendes und handelndes Immunsystem? „Wir sind mit der überraschenden Tatsache konfrontiert, dass es sich beim Immunsystem um ein Sinnessystem handelt, das fähig ist, wahrzunehmen, zu kommunizieren und zu handeln.“, erläutert Joel Dimsdale, Professor für Psychiatrie an der Universität San Diego.
Das Wissen um die Heilkräfte der Bäume ist in unserem Körpergedächtnis gespeichert. Zudem besitzt unser Unterbewusstsein einen gut funktionierenden Zugang zu dem kulturellen Gedächtnis unserer Vorfahren. Früher gab es zahlreiche Baummythen, Legenden, Lieder und Heilreime rund um Bäume, die unseren Ahnen erklärten, wie sie mit den Bäumen umgehen sollten, so dass alle Nutzen hatten und niemand zu Schaden kam.
Eine neue Zeit der Bäume darf jetzt kommen, in der wir bewusst die Bäume wieder wahrnehmen, wertschätzen, schützen und neu pflanzen. Bäume dürfen wertvolle Begleiter in unserer heutigen Zeit sein. Dort, wo wir erschöpft sind vom Maskentragen, erinnern sie uns daran, vertrauensvoll tief durchzuatmen. Mit dem Sauerstoff können Bäume uns auch ihre Kraft schenken, wechselvolle Zeiten gut zu durchstehen.
Suche nicht deinen Kraftbaum – lass dich von ihm finden!
„Die Frage ist nicht, auf was du schaust, sondern was du siehst.“
Henry David Thoreau (1817-1862) Waldmystiker
Welches war der Lieblingsbaum deiner Kindheit? Über welche Bäume kannst du dich heute besonders freuen, wenn du sie siehst? Freude über die Schönheit der Natur ist eine uralte Achtsamkeitsübung mit einem wunderbaren Nebeneffekt: Sie verbindet dich direkt mit dem Netzwerk der Grünen Welt. Freude stärkt dein Mitgefühl und deine Dankbarkeit – dein Wohlbefinden verbessert sich sofort und dein Immunsystem erholt sich nachhaltig.
Baumkontakt ist gesund und darf dich glücklich machen. Aber wie findest du den richtigen Baum für dich heute? Ganz einfach – der Baum findet dich! Lass dich vertrauensvoll von deiner Intuition leiten. Deine Intuition ist mit deinem Immunsystem verbunden und hilft dir den Baum zu finden, der heute heilsam dein Gefährte sein möchte. Verschiedene Intuitionstechniken können dabei helfen. Du kannst zum Beispiel eine Baumgruppe anschauen und fragen: „Welcher Baum ist für mich heute der richtige?“ Dann gilt – Augen auf – Augen zu – Augen auf! Der Baum, der dir energetisch entgegenspringt, ist heute dein Baum.
Wenn dich aus der Ferne ein bestimmter Baum fasziniert, dann besuche ihn und finde heraus, was das Besondere an diesem Baum ist. Oft wissen wir nicht, warum uns ein Baum aus der Ferne besonders anspricht. Manchmal ist es ein Reh, das hinter dem Baum steht, das uns kurz begrüßen möchte. Oder wir finden von diesem Baum aus einen anderen, vorher nicht sichtbaren Baum, vielleicht voller Walnüsse. Erlaube dir eine gesunde Verspieltheit beim Spaziergang durch Wiesen oder beim Waldbaden. Kinder folgen diesen Impulsen frei. Wer sich erlaubt, neuen intuitiven Impulsen aus der Grünen Welt nachzuspüren, der wird in der Natur mit vielen Überraschungen belohnt.
Vom Biophilia-Effekt – Warum wir die Verbindung zur Natur brauchen
Wir Menschen sind genetisch darauf programmiert: Wir fühlen uns automatisch dort wohl, wo wir den größten Teil der Evolution verbracht haben. Also bei Bäumen in der Natur, im Wald und unter freiem Himmel. Genau dort regenerieren wir uns auch am besten. Der Kontakt zur Natur ist genauso wichtig für uns wie regelmäßige Bewegung und gesunde Ernährung. Wir profitieren als Mensch von der Naturnähe und leiden dort, wo wir uns ihr entfremdet haben.
Hier greift der sogenannte Biophilia-Effekt. Das Wort Biophilia stammt aus dem Griechischen und bedeutet wörtlich übersetzt „Liebe zum Leben und zur lebendigen Welt.“ Der Evolutionsbiologe Edward Wilson, Professor in Harvard, stellte 1984 die Biophilia-Hypothese auf. Diese besagt, dass der Mensch ein tiefes Bedürfnis habe, sich mit anderen Lebewesen zu verbinden. Über Jahrtausende hat der Mensch im steten Kontakt zur Natur gelebt und sich hier entwickelt. Kontakt zu Bäumen, aber auch zu unseren Haustieren ist heilsam für uns Menschen. Je mehr du dich mit der Natur und deinen Mitgeschöpfen beschäftigst und in sie hineinlauschst, umso besser wird auch der Kontakt zu dir selbst. Du erfährst das gute Gefühl, deinem Körper und seiner Intuition vertrauen zu können. Auf diese Weise erwachen deine Sinne und du wirst intuitiv wissen, welches die nächsten Schritte sind, die du tun möchtest.
Dem Flüstern der Bäume lauschen: Das Baumtelefon nutzen
Die Geschichte der Menschheit ist voller sprechender Bäume. Alexander der Große führte lange Gespräche mit einem Birnbaum. Baumorakel kennen wir aus allen antiken Hochkulturen. Es gab besondere „Flüsterbäume“ z. B. Pappeln, Eichen und Kiefern. Oft wohnten hier direkt auch Priester, die den Ratsuchenden die Informationen der Bäume übermittelten. Mal lauschte man dem Rauschen der Pappelblätter, dann wieder warf man ein Orakel mit Buchenstäben, dann wiederum wickelte man sich drei Lindenblätter um die Finger, um die richtige Frau zu finden – daher kommt die Redensweise – jemanden um den Finger wickeln.
Die indigenen Völker leben immer auch baumverbunden. Sie lauschen, was die Bäume ihnen als Informationen mitteilen. Dafür reicht es oft, dass sie sich auf eine Wurzel stellen oder eine Hand an den Baum zu legen. Sie können über das „Baumtelefon“ erfühlen, wo in der näheren Umgebung Tiere zu jagen sind oder an welcher Stelle im Wald gerade Früchte reif werden – eine Fähigkeit, die auch noch irgendwo tief in uns rudimentär schlummert. Wir dürfen heute ganz entspannt mit Bäumen sprechen. Diese Form der Kommunikation mit der Natur schenkt immer seelische Erleichterung. Die Antworten sind vielleicht etwas anders als unsere gewohnten Dialoge: Es gibt vielleicht kaum ganze Sätze an Lebensratschlägen – dafür aber Kraftmomente der Ruhe und intuitive Impulse.
In Japan ist es ganz normal im Wald auf Menschen zu treffen, die mit Bäumen sprechen oder bei ihnen beten. In diesem Land spielt der Shintoismus, eine Naturreligion, eine große Rolle. Hier werden eine Fülle heiliger Bäume verehrt. Es gibt auch ganze Wälder, die als heilig gelten. Diese Bäume werden mit einem sogenannten Tori, einem Torbogen oder einem Schrein, eigens gekennzeichnet. Hier wohnen die kodama, die verehrungswürdigen Baumgeister. Solche Bäume dürfen nie gefällt werden, sonst gilt man als verflucht. Das Wissen, wo die Baumgeister leben, wird in Japan von Generation zu Generation weitergegeben. Im alten Griechenland hießen die alten Baumgeister Dryaden, in Indien Devas und auch unsere Vorfahren kannten Baumgötter und Baumwesen aller Art, so die Saligen, die freundlichen Baumfeen der Lärchen. Mit der Christianisierung wurden an vielen der alten heiligen Baumorte Kreuze oder Marienfiguren aufgestellt. So darf man gerne dort, wo man auf Heiligenfiguren in der Natur trifft, kurz innehalten und Kraft tanken.
Wir dürfen heute auch dann zum Baumtelefon greifen, wenn wir Trost in Trauerzeiten benötigen. Bäume sind sehr gute Tröster. Seit Urzeiten lehren sie uns Menschen, immer wieder Lebensmut zu finden. Als die Tochter des großen Cicero starb, suchte er Trost in seiner Trauer im Wald. Hier unter Bäumen fand er sich selbst und seine Liebe zu seiner Tochter wieder. Vor allem Bäume, die selber schwer verletzt Jahrhunderte gut überlebten – so die Blitzeichen –, haben diese heilenden Kräfte. Dort, wo wir trauern, weil liebe Menschen gingen und wir nicht zur Beerdigung konnten, sind Eiben hilfreich. Den Kelten dienten Eiben als eine Art schnelles Sprachrohr zu verstorbenen Menschen, mit denen man gerne sprechen wollte. Man sagte, die Eibe lasse zu jedem Mund eines Verstorbenen eine Wurzel wachsen. Wer im Eibenschatten lausche, könne die Stimmen der geliebten Verstorbenen empfangen. Heute ist die Eibe der häufigste Friedhofsbaum in Deutschland. Du kannst einfach eine Hand an den Eibenstamm legen, an den Verstorbenen denken, Liebe fühlen und in den Stamm schicken. Das kommt an! Immer!
Von Bäumen lernen: Du stehst für dich selber
„Wer bin ich?“ Bäume dürfen unsere Lehrmeister werden, dort, wo wir aus der Lebensspur geraten sind und uns neu finden müssen. Bäume wissen, wer sie sind. Ein Apfelbaum ist ein Apfelbaum und eine Eiche eine Eiche. Ohne Wenn und Aber. Sie denken nicht: „Oh, wie schön die Magnolie blüht! Warum bin ich nur eine Eiche? Was kann ich tun, um solche Blüten zu bekommen?“ Bäume lehren uns nach Krisen zu erinnern, wer wir sind, was uns ausmacht und was unsere Lebensaufgabe hier in dieser Zeit ist. Wer sich länger in Krisenzeiten an Bäume lehnt, ihnen zuhört und einfach sein eigenes Sein fühlt, wird innere Ruhe finden und neues Selbstbewusstsein wieder erlangen. Bäume sind heilsame Kollegen in vielen Therapien, die Menschen begleiten. Sie ankern gesunde Gefühle. Dort, wo Menschen Waldbaden oder Baumtherapie mit anderen Therapien kombinieren, stellen sich die Erfolge schneller ein und sind nachhaltiger. Ätherische Baumöle können innere und äußere Prozesse heilend begleiten, so der Duft der Zirbe, der Pappel oder der Weißtanne. Zu allen Zeiten gingen Menschen auf der Suche nach dem Lebenssinn, nach Gott oder zur stillen Einkehr zu den Bäumen in die Einsamkeit des Waldes. Buddha hatte seine Erleuchtung unter einem Bodhibaum. Bäume sind sanfte Helfer, um wieder unser Herz zu öffnen. Wer beginnt, den Bäumen mehr zu begegnen, der findet immer ein Stück mehr zu sich selbst. Vielleicht fühlst du dich gerade im gesellschaftlichen Umfeld etwas verloren? Dann finde deinen angestammten Platz im Netzwerk der Natur. Du bist Teil von etwas viel Größerem, als du ahnst. Du bist Teil des großen Netzwerkes der Schöpfung. Bäume nehmen einfach und klar ihren Platz ein und machen das Beste aus der Situation und ihrem Standort. Ein Baum leistet Veränderungen, die mit seinem Wachstum zusammenhängen, keinen Widerstand. Wir dürfen von Bäumen lernen, mit der Sehnsucht unserer Seele zum Licht zu wachsen. Das Leben ist das, was wir daraus machen. Wir dürfen das Allerbeste aus jeder Situation machen und uns erfreuen, wo auch immer wir sind und was auch immer wir tun. Inmitten der Einsamkeit des Waldes können wir erinnern, wer wir wirklich sind, und das Mysterium der All-Verbundenheit fühlen.Baumdüfte im Alltag
Du kannst sie einfach auf ein Taschentuch geben, in eine Duftlampe oder in einen Diffuser. Weißtanne: schenkt Mut, klare Gedanken. Sie ist ein Herzheiler und für feinfühlige Menschen ein bewährter Schutzschild gegenüber unruhigen und übergriffigen Mitmenschen.- Kiefer: schenkt Mut, die eigene alte und neue Trauer zu wandeln. Heilt das Vertrauen in unseren tiefen Atem.
- Lärche: schenkt Selbstvertrauen in die eigene Schöpferkraft, fördert lebendige Kreativität, die sich mit Geduld und Ausdauer paart.
- Zirbelkiefer: schenkt Selbstliebe, Naturverbundenheit und Grundvertrauen, dass alles einen tieferen Sinn hat.
- Pappel: schenkt Mut, sich auf Beziehungen einzulassen und die eigene Berufung zu leben.
Übung: Eine Hand reichen
Besuche häufiger deine Lieblingsbäume oder Bäume, die du gerne anschaust. Es reicht, eine flache Hand an den Baum zu legen. Dann fühle die Rinde. Wie fühlt sie sich heute an? Ist sie warm oder kalt? Bäume, die sehr hartes Holz – wie die Hainbuche – haben, sind oft kühler, einfach weil das Holz sehr dicht ist. Lass deine Fingerkuppen über die Baumrinde streichen oder von Furche zu Furche mit leichtem Druck springen. Lerne deinen Baum gut kennen. Lass dich überraschen, wie das deine Wahrnehmung verändert. Diese Übung schärft deine Sinne. Vielleicht begrüßt dich der Baum das nächste Mal aus der Ferne mit einer freundlichen Resonanz.Der Artikel stammt aus dem Maas Magazin No. 21 VERBUNDENHEIT:
https://maas-mag.de/produkt/no-21-verbundenheit/
Geschrieben von:
Dr. phil. Isabel Arends ist eine der großen Baum-Expertinnen unserer Zeit. Sie ist Autorin und entwickelte neue Anwendungsformen, um Bäume als Mitarbeiter in verschiedene Therapieansätze einzubeziehen. Dabei spielen einheimische Bäume sowie ihre Früchte, Rinde und Wurzeln in Form einer Baum-Holztherapie eine entscheidende Rolle.
http://fitforflow.de/