Frank Neumanngepostet am: 04. Dezember 2024

Leben in einer Kirgisischen Jurte in den Griechischen Bergen

Lernprozess der erforderlichen Modifkationen

Do it yourself

Bereits im Jahr 2007 hatte ich den Wunsch, eine kirgisische Jurte mit nach Hause zu nehmen und sie in meinem Garten in Deutschland aufzubauen. Es hat jedoch weitere 14 Jahre gedauert, bis ich dieses Projekt tatsächlich in Angriff genommen habe. Nun aber nicht mehr in Deutschland, sondern an einem Ort in den griechischen Bergen, wo ich mein „Altersrefugium“ in Form eines Ökodorfes und einer Biofarm errichten wollte.
Ich ging davon aus, dass die Jurte den Bedingungen in den griechischen Bergen standhalten würde, da es in Kirgisistan deutlich kälter ist. Daher habe ich fünf Jurten bestellt und wollte damit gleichzeitig ein kleines Tourismusprojekt starten, um meine Rente zu sichern. Die Bestellung erfolgte bei einem Jurtenbaumeister am Issyk-Kul-See. Ich verzichtete bewusst auf die traditionelle rote Farbe, da sie mir zu grell erschien und mir zu viele chemische Bestandteile enthielt. Stattdessen wählte ich eine helle Lasur.
Der Transport der Jurten vom Issyk-Kul-See nach Petrokerasa war abenteuerlich und kostspielig, doch schließlich sind sie dort angekommen. Da es hier im Winter sehr feucht ist und ich plante, die Jurten ganzjährig stehen zu lassen, ließ ich Betonfundamente gießen, um sie sicher, stabil und langfristig aufstellen zu können.
Die Jurten haben einen Durchmesser von etwa 6 Metern. Die Fundamente wurden mit Maßen von 9 x 7 Metern und einer Stärke von weniger als 10 cm gegossen, da sonst eine Baugenehmigung erforderlich gewesen wäre. Die größeren Fundamente boten zusätzlich Platz für ein Bad und eine Lounge-Ecke. Außerdem wurde für jede Jurte ein 9 x 9 Meter großer Garten eingeplant, der sowohl mir als auch den Gästen als private Ruhe-Oase dienen sollte.
Mit großem Enthusiasmus und wenig Erfahrung haben wir im Sommer 2022 die Jurten in mühevoller Arbeit aufgebaut. Sie sahen fantastisch aus, und es war geplant, im September 2022 bereits in die Jurten einzuziehen – vorerst auch ohne Badezimmer. Mitte August waren wir fertig, doch als ich eine Woche später aus Deutschland zurückkam, wo ich Möbel und Hausrat besorgt hatte, fand ich die Jurten allesamt eingestürzt und schwer beschädigt vor.
Ein Starkregen hatte solche Ausmaße angenommen, dass das Wasser in Bächen durch die Jurten strömte. Die Planen hatten sich derart mit Wasser vollgesogen, dass sie zu schwer für die Holzkonstruktionen wurden, wodurch alles zusammenbrach. Zudem erwies sich die gewählte Lasur als völlig ungeeignet für das feuchte Klima. Das Holz darunter wurde schwarz.
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Es hat ein Jahr gedauert, bis jedes Holzteil jeder Jurte abgeschliffen und anschließend mit einer hochwertigen, umweltfreundlichen Lasur versiegelt wurde. Auch notwendige Reparaturen an den Holzteilen wurden in diesem Zeitraum durchgeführt. Jede Jurte erhielt eine individuelle Farbgestaltung: Pinie, dunkle Walnuss, Kastanie, Mahagoni und Walnuss. Zudem wurde jeder Jurte ein Name gegeben, inspiriert von Romanfiguren Tschingis Aitmatows: Djamila, Danjar, Ilias und Asselj. Meine eigene Jurte wurde nach Kanekej, der Frau des legendären Helden Manas, benannt.
Während des Reparaturjahres wurden Natursteine auf die Fundamente verlegt. Zusätzlich wurde ein 10 cm hoher Steinring auf das Fundament gemauert, auf dem die Jurte nun steht. Der Boden wurde isoliert und mit Holz verkleidet, auf dem dann der kirgisische Filzteppich ausgelegt wurde. Leider haben einige dekorative Elemente durch das Wasser des Starkregens gelitten, doch sie besitzen nun eine gewisse Patina, die ihnen einen besonderen Charme verleiht.
Ende 2023 waren die Jurten wieder aufgebaut, diesmal mit Badezimmer-Konstruktionen. Um sie winterfest zu machen, wurden sie mit einer hochgelobten, allerdings recht teuren Poolabdeckung versehen, die eine dreijährige Gewährleistung versprach. Leider hielt diese den Bedingungen des griechischen Wetters nicht stand und zerriss nach nur drei Monaten wie Papier. Die Gewährleistung wurde verweigert – mit der Begründung, dass die Abdeckungen nicht für den Einsatz außerhalb eines Pools vorgesehen waren. Zwei der Jurten wurden daraufhin erneut leicht geflutet.
Als Ersatz kam schließlich eine Abdeckung aus Agrarfolie zum Einsatz. Diese war zwar preiswert und optisch weniger ansprechend, hielt aber zuverlässig. Die Jurten überstanden den Winter insgesamt gut.
Gegen Ende des Winters wurde jedoch eine Jurte durch einen Sturm komplett angehoben, wodurch das Dach einstürzte. Glücklicherweise waren die Schäden nur geringfügig.
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Anfang 2024 wurden die Gärten der Jurten angelegt. Zunächst als organische Zweckgärten, doch für 2025 ist eine Umgestaltung geplant. Außerdem wurden kleinere Gräben gezogen und mit Schotter gefüllt, um eine Drainage zu schaffen. Im Anschluss wurden schrittweise die Badezimmer eingerichtet, und seit April 2024 sind die Jurten bewohnt.
Im Laufe des Jahres 2024 wurde die Dachkonstruktion zusätzlich befestigt und verstärkt, damit sich die in Kirgisistan üblicherweise zusammengesteckte Dachkonstruktion in den griechischen Stürmen nicht mehr verschieben kann. Von April bis Ende November habe ich selbst in meiner Jurte geschlafen – so gut habe ich noch nie geschlafen.
Seit Juli 2024 haben die Jurten Solarstrom und seit Mai auch heißes Wasser, das durch Solarthermie betrieben wird – dies funktionierte bis Mitte November einwandfrei. Die Steinringe haben sich im November-Starkregen sehr gut bewährt. Die Drainage muss noch vertieft und mit einem Abfluss versehen werden. Ebenso wurde eine Vorrichtung an den Seitenwänden angebracht, damit das Regenwasser ausschließlich nach außen abfließt (bei starkem Regen lief es sonst auch in die Jurte).
Für 2024 ist eine Sommerabdeckung aus einem atmungsaktiven „Goretex“-ähnlichen Material geplant, die optisch ansprechender ist.
Derzeit werden noch die Toiletten, die Küche und der Gemeinschaftsbereich fertiggestellt, ebenso die Sauna. Ab Mai 2025 sollen vier der Jurten als Ruheoasen an Eco-Touristen vermietet werden. Die gewonnenen Erfahrungen aus den drei Jahren des Jurtenbaus sollen für neue Projekte genutzt werden. Prinzipiell sind die Jurten nun auch ganzjährig nutzbar. Eine Nano-Carbon-Heizung könnte noch eingebaut werden, aber das Duschen im Freiluftbad bleibt nur den abgehärtetsten Jurtenbewohnern vorbehalten.
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