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Anita Maasgepostet am: 04 mai 2023

Der Weg zum guten Leben - als Individuum und als Wirtschaft

Krisen als Katalysator für den Neubeginn und der Aufbruch in ein neues Land

Inspirierendes Wissen

WAS BEDEUTET ›AUFBRUCH‹?
In der ältesten Überlieferung der Juden, im Buch Genesis, steht: »Der Herr sprach zu Abraham: Zieh weg aus deinem Land, von deiner Verwandtschaft und aus deinem Vaterhaus in das Land, das ich dir zeigen werde.« (Genesis 12,1) Für diesen Aufbruch wird im nächsten Satz der Segen Gottes versprochen: »Ich werde dich zu einem großen Volk machen, dich segnen und deinen Namen groß machen. Ein Segen sollst du sein.«

Abraham und sein Wirken werden gesegnet, der Preis dafür ist der Aufbruch. Abraham muss das Vertraute, Gewohnte, Geborgenheit aufgeben und bereit sein, sich auf Neues, Unbekanntes einzulassen. Das Thema Aufbruch zeigt sich auch in den großen Völkerwanderungen, die über viele Jahrtausende belegt sind, bei den Siedlern und Goldsuchern in Amerika und vielen anderen. Die Motive waren wohl ähnlich wie die in den Migrationsbewegungen heute: Dürre, Hungersnöte,Suche nach Reichtum, Sicherheit, Prestige.

Was passiert bei einem Aufbruch? Menschen verlassen bekanntes Terrain, weil die Lebensbedingungen unerträglich werden oder weil sie hoffen, woanders ein besseres Leben starten zu können. Das Muster ist immer gleich. Erst, wenn wir die Sicherheit des Gewohnten, Vertrauten loslassen, bekommen wir die Chance auf ein besseres Leben. Aufbruch beginnt somit immer auf einer geistigen Ebene, mit einer Idee und einem Entschluss. Dazu sagt Hermann Hesse in dem Gedicht ›Stufen‹:

»Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise, mag lähmender Gewöhnung 

sich entraffen.«

WERDEN WIR JETZT ZUM AUFBRUCH GEZWUNGEN?

War der Virus SARS II ›nur‹ eine Einladung, über unser Leben nachzudenken, über unsere Werte, Gewohnheiten, Ansprüche? Oder zwingt uns diese und alle weiteren aktuellen Veränderungen zu einem geistigen und sozialen Aufbruch, indem er Menschen in Krisen stürzt, wirtschaftlich, psychisch, geistig? Was sollen wir verlassen? Was ist der Weg?

Nun gibt es viele Menschen, die gerne wieder zurück in die ›Normalität‹ wollen, zurück in die Welt vor der Krise. Dafür werden Unsummen in die Wirtschaft gepumpt. Geld, das die Regierungen gar nicht haben. Was wir loslassen müssen, ist der Glaube, eine wachsende Wirtschaft löse alle Probleme. Das ist einfach falsch, da die Probleme unter der Oberfläche des Wohlstandes wuchern und das System, auch schon vor Corona, immer mehr belasten: Der Anstieg der psychosomatischen Erkrankungen, der wachsende Verbrauch an Psychopharmaka, der Anstieg der Gesundheitsausgaben, die Überschuldung der Staaten, überlastete Lehrer, eine alles überwuchernde Bürokratie u.v.m.

Wann stoppen wir den Wachstumswahn und fangen mit dem Menschsein an?

Der Weg, die Veränderungen, ereignen sich auf der geistigen und sozialen Ebene. Sie führen zu einem wachsenden Bewusstsein vom größeren Ganzen, in das wir eingebunden sind, von dem wir abhängig sind und dem wir dienen. Und er umfasst ein liebevolles Miteinander mit der Sorge für das Wohlergehen aller Lebewesen.

Das wirklich Neue beginnt mit essenziellen Fragen: 

  • Was ist wirklich wichtig für ein gutes Leben?
  • Was tut mir wirklich gut?
  • Was kann, darf, muss ich loslassen, weil es schädlich ist oder mir nichts bringt?

Das Wesentliche kann sich erst zeigen, wenn wir aufhören, uns vom Unwesentlichen ablenken zu lassen.

Was ist wesentlich? Wie kann ich das herausfinden?
Der Blick auf den Tod als das natürliche und todsichere Ende unserer körperlichen Existenz und ein Leben im Bewusstsein dieses Endes lenken den Blick auf das Sinnhafte und Wertvolle.

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DER GEISTIGE AUFBRUCH IN GUTES LEBEN
Für mich war und ist ›der Virus‹ ein globaler Katalysator für den anstehenden, geistigen Aufbruch. Das entstehende, neue Bewusstsein führt in ein ganzheitliches Denken, das den Menschen als Teil der Natur begreift und den Einzelnen als Teil einer gesamten Menschheit. Dieses ganzheitliche Denken sieht das Miteinander und führt keinen Krieg gegen Viren oder Völker, sondern versteht sie als wichtigen Teil des Lebens. Die Frage lautet dann zum Beispiel nicht mehr: Wie kann ein Virus (eine Veränderung) besiegt werden? Sondern: Wie können wir mit dem Virus (der Veränderung) so leben, dass es uns nicht schadet?

Vermutlich spielt auch der Lebensstil eine wesentliche Rolle. In den USA sind ca. 70% der Bevölkerung übergewichtig, die meisten leiden zudem an Stoffwechselerkrankungen. Das Wissen, welche Faktoren sich positiv auf die Lebenserwartung auswirken und unser Immunsystem stärken, ist ururalt und wissenschaftlich tausendfach belegt. Wissen führt aber nicht direkt zu einer Verhaltensänderung, sonst wären beispielsweise alle Ärzte Nichtraucher. Es braucht dafür Einsicht und Disziplin, geistige Elemente, die wir dann entwickeln, wenn wir unsere Komfortzone, das Vertraute, Gewohnte, Bequeme verlassen und ›aufbrechen‹, uns auf den Weg machen.

Der Weg beginnt mit der Reflektion meines Lebensstils. Wir wissen so viel über ein gesundes Leben und genau, was unser Immunsystem stärkt. Wir müssen es nur Schritt für Schritt auch umsetzen. Zentral sind Ernährung, Bewegung, ausreichend Schlaf, Stressreduzierung, gute soziale Einbindungen und unbedingt Medienverzicht. Am Anfang steht der Entschluss, etwas zu verändern, und dann brauchen wir einen Plan und Ideen, wie wir das auch dauerhaft realisieren. Ein wichtiges Prinzip dabei ist: Weniger ist mehr. – Nicht zu viel auf einmal.

Bereits die Entscheidung, ich will ein bewusstes und damit erfülltes Leben führen, ist der Aufbruch und das Ankommen auf der Reise in neue Bewusstseinsräume und Erfahrungen.

Es sind zwei Dinge, die uns auf dem Weg unterstützen können:

  • Eine immer wiederkehrende Gedankenschleife, ein ständiges Bewusstsein von: »Wie will ich leben?« Das können wir wie ein Mantra immer wiederholen.
  • Das Gefühl der Dankbarkeit für die Fülle, in der wir leben. Wir können immer wieder ›Danke‹ sagen für alles, was für mich da ist, auch Sonne und Regen. Danken führt uns in das bewusste Erleben der Fülle, in der wir leben. Danken lässt uns spüren, dass wir auf diesem Weg auf gar nichts Wesentliches verzichten. Danken erzeugt Freude über das, was ist und was wir haben. 

UNSERE KRANKEN SYSTEME
Ein ganzheitliches Denken umfasst auch den Blick auf das kranke Gesundheitssystem, in dem mit Krankheit Geld verdient wird und nicht mit Gesundheit. Von daher haben in diesem System gewinnorientierte Teilnehmer, wie Pharmaindustrie, Medizintechnik, aber auch Krankenhäuser im Privatbesitz, systembestimmt kein Interesse an Gesundheit. Am Ende der medizinischen Leistungskette stehen Ärzte und Pflegepersonal mit einer hohen ethischen Orientierung, die dafür oft schamlos ausgenutzt werden.

Das kranke Gesundheitssystem ist Teil einer kranken Gesellschaft und eines kranken Wirtschaftssystems, in der ›die Wirtschaft‹ wie eine Gottheit verehrt wird, der alles geopfert wird. Getrieben von Gier und einer geistigen und ethischen Fehlentwicklung, ist heute das vorrangige Ziel ›der Wirtschaft‹, Gewinne zu machen, bekannt als ShareholderValue-Denken.

Als Einzelner kann ich das System als Ganzes nicht ändern. Ich habe jedoch gewaltigen Einfluss durch meinen Lebensstil und mein Konsumverhalten. Unsere Wirkung liegt nicht nur im realen Tun oder Lassen, sondern auch auf einer geistigen Ebene, als Beitrag zu einer globalen Bewusstseinsveränderung. Wenn niemand Kreuzfahrten bucht, werden bald keine mehr angeboten. Wenn wir unverpackte Lebensmittel kaufen, werden immer mehr Unternehmen das anbieten.

Das gilt für alle Bereiche. Wir müssen dazu ein Bewusstsein von den Folgen unseres Kaufverhaltens entwickeln und Gewohnheiten verändern. Das ist ein innerer Aufbruch mit Wirkungen im Innen und Außen.

WIE KÖNNEN DIE SYSTEME GESUNDEN?
Ein Aufbruch in eine ›Neue Wirtschaft‹ zeigt sich in neuen Prioritäten, bei denen Bildung, Gesundheit und soziale Gerechtigkeit die vorderen Plätze einnehmen. Eine neue Wirtschaft will einen Beitrag zum Wohl des Ganzen leisten. Die wachsenden Diskussionen über eine Gemeinwohlökonomie und über ein bedingungsloses Grundeinkommen sind Zeichen dieses Aufbruchs.

Was sind unsere Bedürfnisse? Materiell sind es die Güter des täglichen Bedarfs. Darüber hinaus erleben Menschen zunehmend, wie Einsamkeit und Isolation uns seelisch belasten. Wir brauchen das Miteinander und Füreinander, sowie Nähe und Berührung genauso wie Luft, Wasser und Nahrung. Im Grunde sind es, archetypisch gesehen, weibliche Qualitäten, die in ihrer Bedeutung ins Bewusstsein kommen.

Über die Bedeutung der Frauen in der jetzigen Situation sagt Gita Gopinath, Chefvolkswirtin des Internationalen Währungsfonds mit 190 Mitgliedsstaaten, in der Süddeutschen Zeitung: 

»Frauen brächten Themen und Sichtweisen in die wirtschaftliche und politische Debatte ein, auf die viele Männer schlicht und ergreifend nicht kämen.« 

Das bisherige, archetypisch männliche Denken, das unser derzeitiges Wissenschaftsverständnis und auch die Politik prägt, führt uns immer weiter in eine Sackgasse. Wir bekämpften den Virus mit Maßnahmen, die viele neue, sehr große Probleme bei Kindern, Jugendlichen und Familien schafften und nicht absehbare wirtschaftliche und gesellschaftliche Umwälzungen nach sich ziehen. Politik und Wissenschaft sind Bereiche, die auch in persona noch überwiegend männlich dominiert und von der Ratio geprägt sind.

Der Aufbruch in ein neues, erweitertes Bewusstsein beinhaltet den Blick auf das größere Ganze, das der Ratio nicht zugänglich ist, auch nicht der künstlichen Intelligenz. Diese kann nur bekannte Informationen weiterverarbeiten, also das Vorhandene vermehren, aber nichts essenziell Neues erschaffen. Das größere Ganze ist jedoch geistiger Art. Wir können es nur mit unserer Herzintelligenz erfassen, als Intuition und Liebe.

Die für den anstehenden Aufbruch notwendige geistige Entwicklung erwerben wir durch ein geistiges Training, wie sie die spirituellen Schulen seit Jahrtausenden lehren. Sie sind ein guter Weg, um auch Führungseliten zu entwickeln, die von der engen Ich-Orientierung den Schritt ins Wir-Denken machen.

Dieser Artikel von Friedrich Assländer ist Teil des Maas Magazins No. 20 AUFBRUCH - Wie wollen wir leben? 

Friedrich Assländer studierte Betriebswirtschaftslehre, Soziologie und Psychologie und ist Vater von 4 Kindern. Nach 10 Jahren Managementtätigkeit in einem Finanzkonzern ist er seit 1984 selbstständiger Trainer und Unternehmensberater. Er verbindet Spiritualität und Wirtschaft in seinen Führungsseminaren und leitet Ausbildungen in Systemaufstellungen. Er ist Mitbegründer und langjähriger Vorstand der Vereine ›Spirituelle Wege‹ und ›spirit plus‹. Gemeinsam mit Pater Anselm Grün leitete er die erfolgreiche Kursreihe ›Führen und geführt werden‹ und verfasste mehrere Bücher.

Online-Quellen & weiterführende Links

https://maas-mag.de/produkt/no-20-aufbruch/ www.asslaender.de

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