Silke Nordfjällgepostet am: 03 janvier 2025

Bewusste Wahl eines Haustieres

Tierschutzhund statt Welpe

Inspirierendes Wissen · für Kinder & Jugendliche geeignet

In meiner Lösung ”Tierhaltung” habe ich ausführlich darüber geschrieben, wie sehr ich mir die vollkommene Freiheit aller Tiere wünsche, ihre Selbstbestimmung, ihre Wahlmöglichkeit, ob und wie sie mit uns Menschen leben wollen und was wir tun könnten, um den Tieren, die noch bei uns Menschen leben, das bestmögliche Leben zu ermöglichen.

In dieser Lösung hier möchte ich ein Thema aufgreifen, für das ich auch schon lange brenne und mich leidenschaftlich engagiere.

Beispielhaft am Haustier ”Hund” möchte ich Bewusstsein dafür schaffen, wie viel Gutes wir Menschen tun können, indem wir, anstatt immer neue Welpen ”produzieren” zu lassen, all den unzähligen Hunden des Tierschutzes bzw. aus den Tierheimen ein neues, liebevolles Zuhause geben.

Wenn wir uns mit dem Gedanken tragen, uns einen Hund als Haustier anzuschaffen, dann sollte dies eine rundum bewusste und in jeder Hinsicht gut durchdachte Entscheidung sein.

Ich höre immer wieder von Menschen, dass sie einen Welpen statt eines Tierschutzhundes anschaffen wollen, da sie bei einem bereits erwachsenen Tierheimhund nicht wüssten, was sie ”bekämen.”

Ein Welpe ist vermutlich meistens ein noch völlig unverdorbenes Wesen, das keinerlei schlechte Erfahrungen gemacht hat – vorausgesetzt, er kommt aus guten Verhältnissen oder von verantwortungsvollen Züchtern, was bei manchen Hunden aber auch NICHT der Fall ist.

Was aber dann aus dem Welpen wird, welcher Hund, das hängt ganz alleine von uns als Hundehalter ab, von unserer Bewusstheit für die umfassenden Bedürfnisse des Hundes, unseren Qualitäten als menschlicher Alpha.

Selbst der beste Welpe kann nicht zu einem glücklichen, gesunden, ausgeglichenen Hund werden, wenn wir als Halter ihn nicht dazu machen. Einen Welpen anzuschaffen, bedeutet also nicht automatisch, dass wir ihn zu dem oben genannten, glücklichen, gesunden Hund machen können.

Die Anschaffung eines Hundes bedeutet IMMER Arbeit an uns selbst, an unseren Führungseigenschaften, an unserer Bewusstheit, egal, woher der Hund stammt.

Tierschutz- und Tierheimhunde sind Opfer von Menschen, die die Bedürfnisse ihrer Hunde nicht erfüllt haben, sie nicht gut behandelt haben oder aber nicht lebenslange Verantwortung für ihre Hunde übernehmen konnten oder wollten.

Diese Hunde leiden ”doppelt”, in ihrem alten Leben und im Tierheim auch. Sie wurden bei ihren Vorbesitzern oft entgegen ihrer Bedürfnisse gehalten oder haben ihr menschliches Rudel aus irgendeinem Grund verloren und sind nun im Tierheim ”rudellos” und ohne einen Alpha, was für das hochsoziale Rudeltier Hund eine unglaubliche Qual bedeutet. Die Tierheime überall auf der Welt quellen über von heimatlosen Hunden, für die die Tierschützer verzweifelt neue Besitzer suchen.

Ich kann zur Bewusstseinsschaffung jedem, der sich mit dem Gedanken an die Anschaffung eines Hundes befasst, nur empfehlen, mehrere verschiedene Tierheime zu besuchen und dort den Hunden zu begegnen.

Wer all diese unglücklichen Hunde dort getroffen hat, ihre verzweifelten Energien gespürt hat, ihre Sehnsucht nach einem liebevollen Heim, ihre Sehnsucht nach Liebe, der kann eigentlich meines Erachtens nicht mehr guten Gewissens einen Welpen wählen.

Wir selbst als potentieller bewusster Hundebesitzer haben es in der Hand, diese Welt zu einem besseren Ort (für Hunde und uns selbst) zu machen, unbeschreibliches Leid (von herrenlosen Hunden in Heimen) aufhören zu lassen. Wir als angehende Hundebesitzer können den Trend wenden, immer mehr Welpen zu ”produzieren”, von denen dann viele zu herrenlosen erwachsenen Hunden werden.

Das Personal in den Tierheimen tut alles, um Hunde und potentielle Hundehalter zusammenzuführen, die wirklich zusammen passen. Und der Tierschutz vermittelt keine Hunde an Menschen, wo es sich nicht stimmig für den Tierschutz anfühlt. So wird kein verantwortungsvolles Tierheim einen z.B. schwer traumatisierten oder bissigen Hund an einen Hundeanfänger vermitteln, genauso wenig Hunde, die von ihrer Persönlichkeit oder Vorgeschichte her einen erfahrenen, selbstbewussten menschlichen Alpha benötigen.

In den Tierheimen sitzen aber nicht nur bissige und schwer traumatisierte Hunde, sondern ganz viele, die trotz unguter Haltungsbedingungen oder schlimmer Vorgeschichten ungefährlich für den Menschen sind, die sich trotz aller schlimmer Erfahrungen nicht aggressiv gegen den Menschen wenden.

Diese Hunde brauchen oftmals einfach nur ein wenig Zeit, in einem liebevollen, ruhigen und sicheren neuen Zuhause (wieder) Vertrauen zu fassen.

Sie werden uns genauso zu wundervollen, liebevollen Gefährten wie ein kleiner, süßer, unschuldiger Welpe.

Und die Dankbarkeit eines Hundes gegenüber seinem neuen Besitzer, der früher misshandelt und in seinen Bedürfnissen nicht gesehen wurde, ist kaum zu beschreiben, wenn man sie nicht selbst einmal erlebt hat. Die unendliche Dankbarkeit eines ehemals unverstandenen oder misshandelten Hundes (und damit meine ich nicht nur körperliche Misshandlung) berührt uns bis in die Tiefen unserer Seele.

Je nachdem, was die Vorgeschichte eines Tierschutzhundes ist, braucht dieser in seinem neuen Heim zu seiner Heilung besonders viel Bewegung auf langen Spaziergängen, ganz viel Zusammensein mit seinem menschlichen Rudel oder anderen Hunden, viel Ruhe und Zeit, um sich öffnen und vertrauen zu können oder besonders konsequente Erziehung und Regeln.

Einen Welpen zu haben und zu einem ausgeglichenen, gesunden und glücklichen Hund zu machen und zu erziehen, ist auch eine große Herausforderung, gleichwertig und umfassend, auf andere Art. Ein Welpe muss z.B. stubenrein gemacht werden, zerstört in seinem Spieltrieb vieles und kann einem auf vielerlei Weise den letzten Nerv rauben.

JEDER Hund und seine Haltung erfordert viel Arbeit, Zeit, Geduld, Ruhe und Konsequenz. Zu glauben, dass mit einem Welpen alles kinderleicht ist und wie von selbst läuft, ist eine Illusion.

Der Vorteil eines erwachsenen Hundes aus dem Tierheim ist, dass dieser schon vieles kann und weiß, das man einem Welpen erst beibringen muss.
Die Schutzgebühr, die man für man einen Hund vom Tierschutz bezahlt, ist wesentlich geringer als die Preise, die die meisten Züchter verlangen.
Tierschutzhunde sind (zumindest in Deutschland) IMMER tierärztlich untersucht worden, werden nicht krank vermittelt und sind meines Wissens in der Regel kastriert. Will man selbst später seinen Welpen kastrieren lassen, so kostet dies entweder Versicherungsbeiträge oder nicht unbedeutende Summen für den Eingriff.

Viele von uns haben eine ganz bestimmte und konkrete Vorstellung davon, wie unser zukünftiger Hund aussehen soll oder welche Rasse er sein soll. Diese ”äußeren” Merkmale sind für viele von uns sehr wichtig.

Aussehen oder Rasse garantieren aber trotzdem nicht, dass der Hund, den wir uns anschaffen, auch genau allen unseren Vorstellungen entsprechen wird. Diese Merkmale garantieren auch nicht, wie gut ein Hund zu uns passen wird, zu unserem Lebensstil, unserem körperlichen Aktivitätsniveau usw.

Ein Welpe einer bestimmten Rasse oder mit einem gewissen Aussehen kann im Aussehen als erwachsener Hund vielleicht anders werden, als wir uns das vorgestellt haben und von seiner Persönlichkeit und seinem Verhalten her auch.

Weder bei einem erwachsenen Hund vom Tierschutz noch bei einem Welpen ”wissen wir, was wir bekommen”, d.h. wie der Hund bei uns sein wird, sich verhalten und entwickeln wird.

Und ein ausgewachsener Hund, der vom Aussehen her nicht mein Traumhund ist, kann aber trotzdem zu meinem Traumhund werden, weil er sonst auf allen anderen Ebenen perfekt zu mir passt und mein ”Seelentier” ist. Genauso wie ein kräftiger Partner, in den wir uns unsterblich verlieben und der unsere große Liebe wird, obwohl wir eigentlich eher auf schlanke Partner stehen.

Ich möchte mein leidenschaftliches Plädoyer für die Anschaffung von Tierschutzhunden statt Welpen damit abschließen, dass ich euch hier von meinem eigenen Tierheimhund berichte, meinem ersten eigenen Hund. (Danach folgten weitere Hunde, die ich allesamt als erwachsene Hunde von anderen Menschen übernommen habe, die aus verschiedenen Gründen ihre Hunde nicht behalten konnten oder wollten.)

Von Kindesbeinen an wollte ich immer schon einen Hund haben. Meine Mutter hat sich diesem Wunsch aber glücklicherweise immer versperrt. Heute bin ich ihr sehr dankbar dafür, da ich damals als Kind und Jugendliche mit der Verantwortung für ein Wesen mit solch umfassenden Bedürfnissen überfordert gewesen wäre und einem Hund nicht hätte gerecht werden können.

Für mich war immer schon klar, dass es wenn dann ein Hund vom Tierschutz werden würde, und KEIN Welpe. Mit Anfang 30 fühlte ich dann, dass mein Herzenswunsch in Erfüllung gehen sollte und dass ich mit meinem kleinen, abgeschiedenen Häuschen im Wald mit eingezäuntem 500 m2 Grundstück dem Hund von seiner Umgebung her wunderbare Voraussetzungen würde bieten können. Ich war zu dem Zeitpunkt single und nach einem einjährigen Auslandsaufenthalt erstmal arbeitslos. Ich wusste, dass es vermutlich einige Wochen oder Monate dauern würde, bis ich einen Job finden würde.

Am Tag 3 nach meiner Heimkehr begann ich, durch mehrere große Tierheime in größeren Städten in NRW zu ziehen. Es war furchtbar für mich, alle diese verzweifelten und unglücklichen Hunde dort zu sehen und sie nicht alle mitnehmen zu können. Mein Herz hörte nicht auf, zu bluten, und ich fühlte mich einfach nur elend im Angesicht von all diesem Hundeelend.

In Köln-Dellbrück stieß ich auf einen langhaarigen Schäferhund-Rüden, der meinem Idealbild vom Aussehen eines Hundes nahekam, aber nicht mein Traumhund war vom Aussehen her. Bis heute sind Rassen wie Hovawarts, Australien Shepherds oder Border Collies meine Favoriten vom Aussehen her.

Der langhaarige Schäferhund wurde mir aber quasi ”vor der Nase” von jemand anderem ”weggeschnappt”. Frustriert zog ich dann am gleichen Tag nochmal durch das Dellbrücker Tierheim, völlig sicher, dass es dort keinen Hund für mich geben würde, da ich ja schon alle dort angeschaut hatte und uninteressant fand, und enttäuscht darüber, dass mein Favorithund schon vergeben war.

In einem Käfig mit zwei Hunden sprang ein kleiner kurzhaariger Schäferhund am Käfiggitter hoch, das zwischen ihm und mir lag. Der Hund drängte den zweiten Hund weg, der auch ans Käfiggitter zu mir kommen wollte.

Irgendetwas in diesem Verhalten des Hochspringens am Gitter machte, dass ich diesen Hund zu einem Probespaziergang ausführen wollte. Der Hund erwies sich als Schäferhundmischling, als Hündin, die am Tag zuvor aus einem ungarischen Tierheim ins Kölner Tierheim gekommen war. Deshalb hatte ich sie bei meinem ersten Besuch im Kölner Tierheim 3 Tage zuvor auch nicht gesehen. Misshandelt und geschlagen worden war sie offensichtlich in ihrem früheren Leben in Ungarn.

Das Tierheimpersonal hatte mir vom langhaarigen Schäferhundrüden abgeraten, da sie ihn nicht als geeignet für eine Hundeanfängerin wie mich ansahen. Die ungarische Mischlings-Hündin jedoch hielten sie für passender.

Nach fünf Minuten Spaziergang im Wald mit dieser wundervollen, lieben Hündin begann mein Herz in Liebe zu entbrennen. Nach 15 Minuten hockte ich heulend und völlig aufgelöst vor Liebe im Wald neben diesem Hund und wusste, ich hatte meinen absoluten Herzenshund gefunden. Äußerlich überhaupt nicht mein Traumhund, aber meine Seele wusste, wir hatten einander gefunden und waren füreinander vorherbestimmt.

Während ich diese Zeilen hier schreibe, rinnen die Tränen vor lauter Liebe für diesen besten aller Hunde und aus Dankbarkeit, dass ”Nusa” (sprich Nuhscha) 12 Jahre lang bis zu ihrem Tod glücklich bei mir leben durfte.

Ich hatte keinerlei Erfahrung mit Hunden und auch niemandem in meinem näheren Umkreis, der einen eigenen Hund hatte. Aber ich war überzeugt davon, dass ich diesen Hund selbst erziehen und ausbilden könnte, ohne irgendwelche Kurse, und begann direkt mit Feuereifer damit. Ich fühlte mich völlig sicher in meiner Rolle als ”Rudelführer” und war überzeugt davon und willens, ALLES zu tun, damit dieser Hund der glücklichste auf diesem Erdball sein würde.

Innerhalb kurzer Zeit lernte Nusa bei mir, auf allen Spaziergängen im Wald zuverlässig frei zu laufen, ich brachte ihr alle Grundkommandos bei und alles weitere, was sie für ein glückliches, sicheres Leben bei mir brauchte.

Es zeigte sich, dass sie scheinbar wirklich in ihrem frühreren Leben von Männern misshandelt worden war. Zu fremden Männern hielt sie Distanz und ließ sich nicht von ihnen anfassen. Selbst bei ihr bekannten Männern war sie sehr vorsichtig und immer auf der Hut.

Vor Besen und allem mit Stielen hatte sie Angst und duckte sich direkt oder sprang weg, wenn man einen in die Hand nahm. Es war offensichtlich, dass sie damit geschlagen worden war. Aber sie zeigte keinerlei Aggressionen gegen irgendwen, war immer nur lieb zu allen Menschen. Mit den Jahren legte sie ihr Misstrauen gegenüber Männern auch völlig ab.

Solltest du dich mit dem Gedanken anfreunden können, statt eines Welpen einen Tierheimhund anzuschaffen, dann wird dir das Tierheimpersonal engagiert mit Rat und Tat zur Seite stehen. Diese Menschen haben wirklich IMMER das Wohl des Hundes als oberstes Ziel. Tierschützern geht es nicht um Geld oder persönliche Interessen, was bei Züchtern oder Privatleuten, die Welpen abgeben, der Fall sein kann.

Ich hoffe von ganzem Herzen, dass ich dich inspirieren konnte, über die Anschaffung eines erwachsenen Hundes vom Tierschutz statt eines Welpen nachzudenken. Ich wünsche mir von ganzem Herzen, dass wir Menschen aufhören, Hunde von Züchtern zu beziehen und stattdessen herrenlose Hunde aus Tierheimen und vom Tierschutz in unsere Herzen und Häuser aufzunehmen. Und andere erwachsene Hunde, die bei ihren Besitzern nicht bleiben können.

Für jeden von uns gibt es eine ”Nusa” dort draußen unter all den Hunden in den Tierheimen. Möget ihr alle zueinanderfinden, herrenlose, erwachsene Hunde und potentielle Hundebesitzer auf der Suche nach ihrem Seelengefährten.

Namasté,

Silke

Sponsor:innen dieser Lösung

Werde die/der Erste, die/der diese Lösung sponsert und so die Arbeit dahinter wertschätzt.

Kommentare (0)

Noch keine Kommentare – sei die/der Erste!

Das könnte Dich auch interessieren

Living Earth

CO2 und der geniale und Lebens-wichtige Prozess der Photosynthese

Warum CO2 überlebenswichtig für uns ist

Inspirierendes Wissen
Living Earth

Getoastetes Vielfaltsbrot mit sonnenwarmen Paradeisern

Eine gesunde sommerliche Aromen-Explosion für Paradeisergärtner

Do it yourself
Living Earth

Die fantastische Welt der Pilze und Mykorrhizen im Boden

Das Wood Wide Web - unterirdischer Informations- und Nährstoffaustausch

Inspirierendes Wissen
Shanaya Zeviar

Speisepilze selbst züchten

Frische Pilze das ganze Jahr – nachhaltig, einfach und mit wenig Platz

Inspirierendes Wissen