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Anita Maasgepostet am: 06 avril 2023

Ja zur Vergänglichkeit

Der Tod verliert an Schrecken und das Leben gewinnt an Freude

Inspirierende Geschichte

Das Leben so zu akzeptieren, wie es ist, ist sehr leicht, wenn es unseren Wünschen und Vorstellungen entspricht. Das gestaltet sich schwieriger, wenn es uns Erfahrungen serviert, die unseren Ideen vom Leben zuwider laufen. Besonders schwierig ist es, wenn es um den Verlust eines geliebten Menschen geht.

Als 2014 mein erstes Enkelkind geboren wurde, war ich überglücklich. Diese Freude war unbeschreiblich. Gleichzeitig befiel mich ein Gedanke. Meine beste Freundin hatte dieses Glück nicht mehr erfahren können. Zehn Monate, bevor sie Oma geworden wäre, starb sie – im Alter von 47 Jahren. »Bist du so lieb und begleitest mich auf meinem letzten Weg?«

Diese Frage stellte sie mir einige Monate vor ihrem letzten Atemzug. Noch nie hat mich das Vertrauen eines Menschen so tief berührt. Seltsamerweise fühlte ich in diesem Moment keine Angst. Stattdessen durchströmte mich eine Woge aus Demut und Dankbarkeit. Ich ahnte, dass es kein leichter Weg werden würde. Gleichzeitig spürte ich, dass er mir Erfahrungen und Einblicke schenken könnte, die mich nachhaltig bereichern würden.

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Noch heute erstaunt es mich, wie sich mit der Diagnose Krebs das Leben meiner Freundin und ihrer Familie verändert hat. Was anfangs wie ein Feind wirkte, den man mit Chemotherapie und Bestrahlung bekämpfen muss, wurde mit der Zeit zu einem Geschenk. Einem Geschenk, das dem Leben neue Aspekte einhauchte und ermöglichte, mit den nächsten Angehörigen ehrlich über Ängste und Sorgen zu sprechen und das bisherige Leben neu zu betrachten.

Was mit Widerstand gegen die Krankheit begann, wandelte sich in die Bejahung dessen, was ist. Wir sprachen plötzlich über Themen, die im Alltag oft zu kurz kommen:

  • Was ist der Sinn des Lebens? 
  • Woran glauben wir?
  • Was stärkt uns spirituell?
  • Welche Spuren werden wir hinterlassen?
  • Was ist wirklich wesentlich?
… Oft wird Menschen in der Nähe des Todes bewusst, was sie im Leben ändern würden, hätten sie die Chance noch einmal zu leben. Negatives und Nebensächlichkeiten treten in den Hintergrund. Das Geschenk des Lebens, das Glück des Augenblicks und die Schönheit der Natur treten in den Vordergrund.

Es war ein Mittwoch im Juni, als meine Freundin einschlief und nicht mehr erwachte. Die Vögel sangen weiter. Aber sie war nicht mehr da, um ihnen zuzuhören. Sechszehn Monate intensiver Übergangszeit waren vorbei. Tiefer innerer Frieden und das Wissen, dass sie in ihren Kindern weiterlebt, hat ihre Seele bei dem Weg aus diesem Leben begleitet.

Zu bejahen, was ist, kann unser Leben grundlegend verändern. Die Bejahung akzeptiert das Gesetz der Vergänglichkeit und damit den Zyklus des Lebens. Sie wendet sich dem Leben in seiner Ganzheit zu und befreit uns von unwahren Gedanken, Gefühlen und Geschichten.

Wie reagierst du auf das Thema Tod? Kannst du ihn bejahen? Dann gehörst du zu einer Minderheit. Die meisten Menschen kämpfen gegen die Vergänglichkeit an. Indigene Völker akzeptieren den Zyklus von Werden und Vergehen. Statt dem Tod auszuweichen, würdigen sie Geburtsstunden und Neuanfänge genauso wie Abschiede und Tode. In unserer Kultur ist das anders. Kollektiv ignorieren, verdrängen und tabuisieren wir den Tod und verpassen damit die Chance, das Leben in seiner ganzen Vielfalt zu würdigen. Spirituelle Lehrer, die sich intensiv mit den Ursachen menschlichen Leidens und deren Lösung beschäftigt haben, sagen alle ein und dasselbe: »Wenn wir mit der Realität streiten, verlieren wir jedes Mal.« Sie alle betonen:

»Wir leiden nicht an dem, was ist, wir leiden, weil wir glauben, dass es anders sein sollte.«

Früher assoziierte ich den Tod ausschließlich mit Verlust und negativen Gefühlen. Heute weiß ich, dass die Bejahung der eigenen Vergänglichkeit das Leben bereichern kann. Selbst wenn ich nicht weiß, was beim Sterben passiert oder danach sein wird, glaube ich, dass der Tod nichts anderes als der Übergang in eine neue Daseinsebene ist.

Durch den Abschied von meiner Freundin habe ich mehr Mut zur Auseinandersetzung mit dem Thema gewonnen. Und ich habe die Chance genutzt, meine Gedanken und Gefühle mit meinen Angehörigen zu besprechen. Das war anfangs nicht leicht.

Es erfordert Mut,

  • das Schweigen in Bezug auf das Tabuthema Tod zu beenden.
  • sich als gesunder Mensch zu fragen: Wie möchte ich sterben? 
  • sich mit Familienangehörigen über deren Tod auszutauschen. 
  • eine aussagekräftige Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht aufzusetzen.
Die Bejahung der Vergänglichkeit hat einen erstaunlichen Effekt:  Seit wir uns innerhalb der Familie über unser Ableben ausgetauscht haben, ist die Liebe zueinander noch einmal gewachsen. Während wir uns mit unserer Vergänglichkeit auseinandergesetzt haben, ist das Vertrauen ineinander gestiegen.  Und ich habe mehrmals erlebt:  Wer weiß, wie er die letzten Monate, Wochen oder Tage verleben möchte, hat weniger Angst vor dem Ende.  Der Tod verliert an Schrecken. Zugleich gewinnt das Leben an Freude.

Text von Astrid-Beate Oberdorf erschienen im Maas Magazin No. 3 LEBEN & STERBEN Maas Magazin No. 3 LEBEN & STERBEN

Astrid-Beate Oberdorf ist Autorin, Mediale Beraterin und New Business Coach. Sie begleitet Menschen in Veränderungssituationen, die 
bewusst besser leben wollen. In dem Kompaktbuch »Ja!« Wie die Kraft der Bejahung Ihr Leben verändert«, vermittelt sie sieben Bejahungen für echten Frieden, Freude und Fülle im Leben. 

Online-Quellen & weiterführende Links

https://maas-mag.de/produkt/epaper-no-3-leben-und-sterben/

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