Foto: Wurzlgeschichten-Mohnblume

Hannelore Olbrichgepostet am: 22 septembre 2024

Autonomie bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen

Umgang mit Grenzen und Freiheit

Vorzeigeprojekt · für Kinder & Jugendliche geeignet

Liebe Mamis, Papis, Grosseltern, Lehrer und Lehrerinnen, liebes Dorf
"Freiheit heisst in Ketten tanzen" - Zitat von Nitzsche
Da ist etwas Wahres dran, vor allem mit Blick auf unsere Kinder.
Ich leite nun seit drei Jahren mit meiner Kollegin gemeinsam die kleine Privatschule Quantinum Lernwelten in Herrliberg, Schweiz. Wir wollten eine Schule für hochsensitive Kinder und Jugendliche sein, eine Schule, die den Stillen eine Stimme gibt. Auch wir sind mit diesem Wunschdenken an den Start gegangen: Kinder eine Lernumgebung schaffen, in der sie sich ihren Bedürfnissen und Wünschen entsprechend frei entwickeln können.

Nach drei Jahren sind wir ziemlich am Boden der Realität angekommen:
Wir sind immer noch per se eine Schule - die Kinder und Jugendlichen, die zu uns kommen, müssen immer noch zu uns kommen. Die Schulpflicht ist leider nicht aufgehoben. Wir sind dem Lehrplan verpflichtet. Das System zerrt also an allen Ecken und Enden. Wir sind zwei Lehrerinnen/ Heilpädagoginnen, ein Lehrer und eine Klassenassistentin. Eine Köchin kocht mit der Sekundarstufe dreimal pro Woche das Essen. Wir haben einen Schulgarten. Das digitale Lernen findet nur sehr gelegentlich statt. Das meiste wird auf dem Papier, in der Natur oder in der Werkstatt gelernt. Das Haus ist ruhig, abgeschirmt gegen Elektrosmog, ein aus Naturrohstoffen neu errichteter Altbau. Es können maximal 20 Kinder und Jugendliche bei uns lernen. Wir sind eine grosse Familie. Wir versuchen eine grosse Familie zu sein. Manchmal gelingt es uns, eine grosse Familie zu sein. Ihr merkt schon, wir haben unsere liebe Mühe und Not. Unsere Kinder und Jugendlichen kommen mit allerhand Diagnosen zu uns, haben bereits in sehr jungem Alter unglaubliche Erfahrungen gemacht, die nur sehr langsam geheilt werden können. Und wohlgemerkt, Heilung ist nicht unser Job. Aber wir machen ihn trotzdem. Wer soll es denn sonst tun? Die Therapeutinnen/Therapeuten, Psychiater/Psychiaterinnen, die Heiler/Heilerinnen? Die sind weit weg, sehr weit weg und können selsbt nicht die Ursachen auflösen. Die Ursachen für die völlige Destruktivität der Handlungen der Kinder liegen bereits in deren Wiege.

Doch was ist denn nun Autonomie?
"Autonomie ist der Zustand der Selbstbestimmung des freien Willens, deren der Mensch als vernunftbegabtes Wesen fähig ist."
Was steckt hinter den Begriffen: Selbstbestimmung, freier Wille, vernunftbegabtes Wesen
Selbstbestimmung: "Jeder Mensch hat das Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit, soweit er nicht die rechte adnerer verletzt. (Art. 2 Abs. 1 GG)"
freier Wille: hier gibt es ind em Sinne keine Definition, aber zwei Richtungen: a) bedingter freier Wille und b) unbedingter freier Wille
a) bedingt: Es gibt Bedingungen (Neigungen, Wünsche, Motive...) die die freie Wahl/Entscheidung, etwas zu tun oder nicht zu tun, beeinflussen. Dennoch ist die Etnscheidung frei gewählt.
b) unbedingt: Zitat Wikipedia: "Es besteht keine Beschränkung der Freiheit. Gedacht werden könnte eine solche unbedingte Freiheit jedoch nur dann, wenn ein Wille durch nichts bedingt wäre. Das Problem bei dieser Freiheit ist, dass der Wille, wenn er durch nichts bedingt ist, als zufällig und unmotiviert gelten muss. Es unterläge dann also dem reinen Zufall was sich zum Willen herausbildet. Er stünde nicht mehr im Einklang mit der Natur und den Neigungen der handelnden Person, wäre von ihr losgelöst und ihr auch nicht mehr zurechenbar."
vernunftbegates Wesen: Vernunft sind die geistigen Gaben des Menschen, Logik, Beobachten, Erfahrungen, Schlussfolgerungen, regeln, Prinzipien: Zitat Philosophie Magazin (https://www.philomag.de/lexikon/vernunft): "Die Vernunft ist eine Art des Denkens, die es dem menschlichen Geist erlaubt, seine Bezüge zur Realität zu organisieren."

Was hat das nun mit unseren Kinder und Jugendlichen zu tun, die jeden Tag zu mir in die Schule kommen:

  • Es sind alles jungen Menschen, die auf die eine oder andere Weise nicht mit dem Alltag in unserer Gesellschaft/Schullandschaft klar kommen. Sie haben ihre Gaben der Vernunft auf ganz anderen Ebenen: eben nicht in der mathematischen Logik, die von der heutigen Schule ausschliesslich gefordert wird. Ihre Logik kommt aus dem Herzen, wird geleitet von ihren Empfindungen.
  • Diese jungen Menschen suchen die tiefe Beziehung zu anderen Menschen. Sie wollen angenommen werden so wie sie sind.
  • Diese jungen Menschen wollen gehalten werden.
  • Diese jungen Menschen wollen ernst genommen werden.
Doch was tun wir Erwachsenen:
  • Wir schicken sie mit 3 Monaten in die Kinderkrippe, mit einem Jahr in den Kindergarten, mit 4 Jahren beginnt die Vorschule und mit 5 sind sie in der Schule.
  • Wir unterrichten sie in den mathematischen Kompetenzen:Sprache, Mathematik, Naturwissenschaften.
  • Wir setzen sie vor die Gadgets (Smartphone etc.) um usnere Ruhe zu haben, weil wir selbst nur noch Nervenbündel sind.
oder
  • Wir lassen den Kindern ihren unbedingten freien Willen und sie sind nicht mehr gemeinschaftsfähig: die Kristallkinder zerbrechen und die Indigos verlieren jeglichen Halt.

Welche Lösungen gibt es?
Kinder sollten in erster Linie spielend die Welt erfahren. Aber: in ihren Grenzen. Kleine Kinder brauchen einen engen Raum, der sie hält und schützt. Das bedeutet: Grenzen setzen, Bedingungen zu schaffen, in denen das Kind sich frei entwickeln kann. Bedingungen schaffen bedeutet: Rahmen festlegen, in der Nähe sein, Fragen beantworten, ganz und gar beim Kind zu sein, konsequente Einhaltung der Regeln einfordern.
Kinder gehören zu ihren Eltern. Mütter/Väter sollten ein Gehalt bekommen, um bei ihren Kindern sein zu können, die Familien sollten in den Dorf- oder Stadt-Hausgemeinschaften jede Form der Unterstützung erhalten, sich treffen, austauschen können, Grosseltern für ihre Kinder finden, viele Feste feiern ohne dafür etwas leisten zu müssen oder Geld bezahlen zu müssen.
Kinder sollten Gemeinschaft erleben, wie Gemeinschaft funktioniert, wie das Zusammenleben funktioniert, wie liebevolle Partnerschaften funktionieren.
Eine in ihrem Miteinander gesicherte Gemeinschaft kann Kindern den sicheren Nährboden geben, auf dem sie wachsen und gedeihen können.
Eine solche Gemeinschaft hat Regeln und diese werden von allen eingehalten, immer mal wieder geprüft, angepasst und eingehalten. Es gibt Konsequenzen, die bei Nichteinhaltung der Regeln umgesetzt werden. Keine Strafen, aber Konsequenzen, die sich direkt auf das Fehlverhalten beziehen. Konsequenzen, die das Lernen in der Gemeinschaft unterstützen und so Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit fördern. Meist ergeben sich die Konsequenzen von ganz allein und sehr folgerichtig, wenn die Beziehung zwischen den Menschen in der Gemeinschaft von einem liebevollen, ehrehrbietigen Umgang geprägt ist.
Dies bedeutet: Freiheit heisst in Ketten tanzen.
Starke Kinder brauchen starke Eltern. Eltern die konsequent Halt geben und Bedingungen schaffen, in denen ihre Kinder sich entwickeln können.

Online-Quellen & weiterführende Links

https://www.zitate-online.de/literaturzitate/allgemein/16937/frei-ist-wer-in-ketten-tanzen-kann.html https://de.wikipedia.org/wiki/Autonomie https://www.bpb.de/kurz-knapp/lexika/das-junge-politik-lexikon/321117/selbstbestimmung/ https://de.wikipedia.org/wiki/Freier_Wille https://www.philomag.de/lexikon/vernunft

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Kommentare (1)

Ehemaliges Mitglied05/01/2026
Hallo, "Starke Kinder brauchen starke Eltern. Eltern die konsequent Halt geben und Bedingungen schaffen, in denen ihre Kinder sich entwickeln können." Die Voraussetzungen für zufriedene Kinder, die sich willkommen und richtig fühlen und sich zu starken Erwachsene entwickeln, hat Jean Liedloff bei den Yequana-Indianern entdeckt. Sie hat bei ihren Aufenthalten bei den Yequana-Indianern festgestellt, dass die Kinder dort ausgeglichen und fröhlich, stets zufrieden und glücklich, und ohne innere Aggressionen sind. Sie streiten nicht und haben wenig Konflikte. Ihre Erfahrungen hat Jean Liedloff mit der Erziehung westlich geprägter Kinder verglichen und in Ihrem Buch: "Auf der Suche nach dem verlorenen Glück" festgehalten. Wichtig dabei: natürliche Geburt - Stillen - Schlafen im Elternbett - Getragen werden (in den ersten sechs Monaten wurden Babys ständig auf dem Arm getragen) - Aufmerksame Betreuung - Große Erwartungen - Bedingungslose Liebe. Jean Liedloff - The Continuum Concept https://continuumconcept.org/summary Jean Liedloff auf deutsch: https://continuum-concept.de/ Eine Zusammenfassung zweier Vorträge: https://continuum-concept.de/texte/jean-liedloff-vortragsreihe-kontinuum-konzept Liebe Grüße Franz-Josef

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