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Anita Maasgepostet am: 13 de abril de 2023

Von der Lehrerin zur Mentorin

Wie Achtsamkeit die Beziehung zwischen Erwachsenen und Kindern verändert - mit Übungen

Inspirierendes Wissen

Welche Fächer unterrichtest du eigentlich?“, fragt mich eine Teilnehmerin bei einem meiner unzähligen GfK-Seminare. Ich zähle auf: „Religion, Latein, Italienisch – in diesen Fächern habe ich die Fakultas. Doch mein Lieblingsfach ist inzwischen Achtsamkeit.“ „Was? Achtsamkeit? Steht das bei euch im Lehrplan?“ Bevor ich ihr ausführlich antworte, nicke ich innerlich, denn für mich ist eine achtsame Lebens- und Unterrichtshaltung die Umsetzung von Artikel 131 (1) der Bayerischen Verfassung, dessen Wortlaut so ist: Die Schulen sollen nicht nur Wissen und Können vermitteln, sondern auch Geist und Körper, Herz und Charakter bilden.

Und dafür gehe ich los – schon in jungen Jahren war es mir wichtig, mit den Schüler*innen in Verbindung zu sein und mich mit ihren Bedürfnissen auseinanderzusetzen. So erinnere ich mich sehr gut an meine erste Planstelle: Ich hatte eine Klassenleitung in einer 9. Klasse – es waren lebendige und intensive Zeiten. Die Schüler*innen befanden sich mitten in der Pubertät und es war nicht immer leicht, die Schönheit und Präzision der lateinischen Sprache zu vermitteln. Was uns – die Klasse und mich – sehr zusammengeschweißt hat, war ein gemeinsames Fußballspiel. Damals noch Werder Bremen Fan ließ ich mich darauf ein, mit meiner „Club-Klasse“ ins Nürnberger Fußballstadium zu gehen – natürlich nicht ohne vorher eine klare Abmachung: Ich durfte in der „Werder-Kurve“ sitzen und wenn Nürnberg gewinnt, werde ich einen Tag lang in Club-Trikot in der Schule sein. Es war ein wunderbarer Samstagnachmittag, mit viel Freude und Heiterkeit und einfach eine gemeinsame Aktion, die wir alle nie vergessen werden. Und sicherlich können Sie sich vorstellen, wie erleichtert ich war, dass Bremen gewonnen hat! Dafür durfte dann der Klassensprecher in Werder-Klamotten einen Schultag verbringen – ich glaube, es war nicht leicht für ihn!

Tatsächlich sind derartige Ereignisse für mich immer Highlights meines Lehrerinnen-Daseins. Da entstehen so viel Verbindung und so viel Herzenswärme, dass auch der Unterricht davon profitiert. Damit will ich nicht sagen, dass meine Schüler*innen daraufhin Latein geliebt haben, aber das gemeinsame Arbeiten hatte sich verändert. Was ist möglich, wenn Menschen gehört und gesehen werden? Es war und ist mir immer ein Anliegen, dass das, was jetzt ansteht und präsent ist, auch da sein darf und dass sich meine Schüler*innen von mir gesehen und gehört fühlen –umgekehrt übrigens auch! Und damit sind wir wieder bei obigem Satz aus der Verfassung: Ich möchte einen Beitrag dazu leisten, dass wir in der Schule jungen Menschen die Möglichkeit geben, ihre Persönlichkeit zu entwickeln und aufs Leben vorbereitet zu werden.

Dazu erscheint es mir – gerade im Zeitalter der Digitalisierung – weniger wichtig, den Fokus auf Wissensvermittlung und Leistungsmessung zu legen. Vielmehr sollte es Raum dafür geben, dass sich die Talente und Fähigkeiten der Schüler*innen entfalten und sie sich selbst erfahren können. Dazu braucht es Pädagog*innen, die wie Mentor*innen für die jungen Menschen da sind und ihnen Entwicklungsschritte ermöglichen. Die Schulzeit ist eine intensive Phase, in der sich körperlich und mental sehr viel bewegt und formt. Wenn es uns gelingt, diese Zeit zu begleiten und im besten Sinne unterstützend für die Schüler*innen da zu sein, halte ich das für eine wertvolle, erfahrungs- und erkenntnisreiche Lebensphase, auf die sie mit Achtung und einem klaren JA zurückblicken können. Das zumindest ist mein Ziel dabei.

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Wie können wir Achtsamkeit im Alltag mit Kindern üben?

Mein ganz persönlicher Weg hat mich über Gewaltfreie Kommunikation und Tibetisches Heilyoga Lu Jong zur Achtsamkeit getragen. All die Aus- und Weiterbildungen haben mich sehr geprägt, mein Leben in den vergangenen 15 Jahren maßgeblich verändert und somit auch zu meiner schulischen Entwicklung beigetragen. Nach vielen Jahren als Vertrauenslehrerin, Schulentwicklerin und Lehrerin, die über ihre Fächer hinaus das Schulleben mitgestalten wollte, habe ich mit Unterstützung meiner damaligen Schulleitung das Fach „Lernen mit Achtsamkeit“ in den 5. Klassen eingeführt. In dieses Fach sind letztlich alle meine Tools eingeflossen, die ich mir in den vergangenen Jahren angeeignet hatte.

So üben wir auf unterschiedliche Weise täglich unsere eigene Achtsamkeit, indem wir kleine Übungen am Tagesbeginn oder in besonders herausfordernden Situationen durchführen. Atemübungen, bei denen der Ausatem länger ist als der Einatem dienen ganz wunderbar dazu, unser Nervensystem zu beruhigen, wenn das Leben grade hohe Wellen schlägt und wir sehr angespannt und unruhig sind. Mit Kindern übe ich gern die „3 ein, 5 aus“-Übung – wir atmen ein und zählen dabei innerlich langsam bis drei. Beim Ausatmen zählen wir im gleichen Tempo bis fünf. Es genügen bereits 5 Minuten in diesem Atemrhythmus zubleiben, um spürbar ruhiger zu werden.

Sehr beliebt ist bei meinen Schüler*innen auch die Dankbarkeitsroutine – wir erforschen gemeinsam, wofür wir gerade dankbar sind und warum. Dabei entsteht stets eine sehr wohlwollende Atmosphäre, in der wir die Verbundenheit untereinander und die Gemeinschaft der Menschen, die da sind, spüren können. Das ist auch ein wertvolles Abendritual für Eltern mit Kindern – und natürlich auch für Sie selbst. Ein Dankbarkeitstagebuch ist dabei sehr hilfreich.

Und wenn du dich selbst oder / und die dir anvertrauten Kinder eher aktivieren möchtest, dann hilft vielleicht die „Denkmütze“. Massiere dabei beide Ohren, indem du mit Daumen und Zeigefinger die Außenseite der Ohren leicht knetest und nach außen ziehst. Dadurch berührst du Akupunkturpunkte, durch die wieder mehr Konzentration und Aufmerksamkeit möglich wird.

Bei allen Übungen mag ich dir eine Regelmäßigkeit ans Herz legen – denn nur die Übung macht Meister:*innen. Ein Wiederholen und eine heitere Beharrlichkeit sind sehr wertvoll und letztlich unabdingbar, um die Wirkung zu erfahren. Ein langer Atem hilft beim Dranbleiben!

Es war ein Weg. Er war nicht immer leicht und er verlangte immer wieder einen langen Atem. Doch nach 5 Jahren Erfahrung kann ich aus vollem Herzen sagen, dass sich dieser Weg gelohnt hat – für mich selbst, für die Kolleg*innen, die sich dafür interessieren, und für die Schüler*innen. Immer wieder erreichen mich Rückmeldungen, dass die Achtsamkeitsübungen hilfreich und wertvoll für die Personen sind, die sie regelmäßig durchführen – sei es dass die Lehrkräfte die Übungen zu Tagesbeginn mit den Schüler*innen durchführen, oder dass die Schüler*innen sich gegenseitig anleiten. Denn das wird im Laufe der Zeit möglich und ist in meinen Augen eine wertvolle Kompetenz.

Gleichzeitig ist es wichtig, meine innere Haltung stets im Blick zu haben: Wenn ich Kinder und Jugendliche etwas lehren möchte, ist die nachhaltigste und eindrücklichste Form, es vorzuleben und ihnen ein Beispiel zu geben. Daher ist meine eigene Achtsamkeitspraxis unendlich wichtig, wenn ich Achtsamkeit lehren will. Denn nur wenn ich weiß, was es heißt, Widerstände zu überwinden und mich auch dann meiner eigenen Praxis zu widmen, wenn es mir schwerfällt, kann ich auch empathisch und einfühlsam mit Widerständen der Kinder und Jugendlichen umgehen. Denn auch sie sind an jedem Tag anders – genau wie ich.

Beide Seiten der einen Medaille im Blick haben

Mir ist wichtig, dass wir im Sinne der Achtsamkeit bei Begegnungen immer beide Seiten beachten: Da sind einerseits die uns anvertrauten Kinder und Jugendlichen, die durch Achtsamkeit unterstützt und gefördert werden, indem sie erleben, dass sie selbstwirksam sein können und durch das Bewusstsein für den gegenwärtigen Moment Stress abbauen und sich selbst auf wohlwollende Weise begegnen können. Dies wird auch vor dem Hintergrund zunehmender medialer Einflüsse und digitaler Möglichkeiten immer wichtiger. Gerade die psychische und physische Gesundheit sowie die Verbesserung sozialer Kompetenzen können das Resultat sein, wenn im häuslichen Umfeld und in den Bildungseinrichtungen Achtsamkeit gelebt und weitergegeben wird.

Auf der anderen Seite stehen die Erwachsenen – Eltern, Großeltern, Verwandte, Lehrer*innen … - , deren innere Haltung das Fundament bildet, auf der Achtsamkeit überhaupt erst zu jungen Menschen getragen werden kann. Es geht um die Fähigkeit zur Selbstregulationen, v.a. dann, wenn etwas anders läuft als geplant. Wenn es in solchen Situationen gelingt, einen Moment innezuhalten, um selbstbestimmt reagieren zu können, ohne in eine emotionale Impulsivität zu fallen, dann trägt dies maßgeblich zur eigenen Gesundheit bei und hat außerdem einen positiven Effekt auf die Beziehung zu den Menschen, die vor uns stehen.

Achtsamkeit in Erziehung und Pädagogik bedeutet, bei dem zu sein, was ist, und nicht auf das zu schielen, was sein sollte; aber in dem, was ist, auch zu erkennen, was sich zeigen und entfalten will.

Tibetische Weisheit

Wenn ein Kind kritisiert wird,
lernt es zu verurteilen.
Wenn ein Kind angefeindet wird,
lernt es zu kämpfen.
Wenn ein Kind verspottet wird,
lernt es, schüchtern zu sein.
Wenn ein Kind beschämt wird,
lernt es, sich schuldig zu fühlen.
Wenn ein Kind verstanden
und toleriert wird,
lernt es, geduldig zu sein.
Wenn ein Kind ermutigt wird,
lernt es, sich selbst zu vertrauen.
Wenn ein Kind gelobt wird,
lernt es, sich selbst zu schätzen.
Wenn ein Kind gerecht behandelt wird,
lernt es, gerecht zu sein.
Wenn ein Kind geborgen lebt,
lernt es zu vertrauen.
Wenn ein Kind anerkannt wird,
lernt es, sich selbst zu mögen.
Wenn ein Kind in Freundschaft
aufgenommen wird,
lernt es, in der Welt Liebe zu finden.

Artikel von Alexandra Andersen geschrieben für maas-mag.de.

Online-Quellen & weiterführende Links

https://maas-mag.de/ www.alexandra-andersen.de

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Kommentare (1)

Ehemaliges Mitglied4/1/2026
Die tibetische Weisheit erinnert mich sehr stark an Jean Liedloffs Kontinuum-Konzept. Sie hat bei ihren Aufenthalten bei den Yequana-Indianern festgestellt, dass die Kinder dort ausgeglichen und fröhlich, stets zufrieden und glücklich, und ohne innere Aggressionen sind. Sie streiten nicht und haben wenig Konflikte. Ihre Erfahrungen hat sie mit der Erziehung westlich geprägter Kinder verglichen und in Ihrem Buch: "Auf der Suche nach dem verlorenen Glück" festgehalten. Wichtig dabei: natürliche Geburt - Stillen - Schlafen im Elternbett - Getragen werden (in den ersten sechs Monaten wurden Babys ständig auf dem Arm getragen) - Aufmerksame Betreuung - Große Erwartungen - Bedingungslose Liebe. Jean Liedloff - The Continuum Concept https://continuumconcept.org/summary Jean Liedloff auf deutsch: https://continuum-concept.de/ Eine Zusammenfassung zweier Vorträge: https://continuum-concept.de/texte/jean-liedloff-vortragsreihe-kontinuum-konzept Liebe Grüße Franz-Josef

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