Karin Neumeyergepostet am: 15 de marzo de 2024

Der Waldgarten

Das neue beliebte Design-Element in der Permakultur

Do it yourself

In einigen Ländern wie Zentralamerika, Tansania und Teilen von Indien haben Waldgärten eine lange Tradition. In Europa sind sie noch relativ unbekannt. Der erste, der sich auf unserem Kontinent mit Waldgärten auseinandergesetzt hat, ist der Brite Robert Hart, ein Farmer und Gärtner. Heute sind Waldgärten ein beliebtes Design-Element in der Permakultur. Eine einheitliche Definition, was ein Waldgarten ist und was er nicht ist, existiert allerdings nicht.
Was ist ein Waldgarten, welchen Zweck verfolgt er, welche Pflanzen sind hierfür geeignet und wie kannst du einen Waldgarten selbst anlegen?

Was ist ein Waldgarten?

In einem Waldgarten imitiert der Gärtner den Aufbau eines natürlichen Waldgebiets. Die Besonderheit besteht vor allem im speziellen Aufbau des Waldgartens: Dieser ist nicht, wie üblicherweise, in verschiedene Beete gegliedert, sondern setzt vor allem auf verschiedene Wuchshöhen. Wie in einem natürlichen Wald wird der Waldgarten in drei Schichten angelegt, die auf engem Raum übereinander existieren:
  • Baumschicht
  • Strauchschicht
  • Krautschicht
In vielen Fällen verwenden die Gärtner essbare Pflanzen.

Welchen Nutzen / welche Vorteile hat ein Waldgarten?

  • Würde man in unseren Breitengraden die Natur sich selbst überlassen, wäre der Wald die natürlich vorherrschende Vegetation. Indem man einen Waldgarten anlegt, ahmt man die natürliche Vegetation nach und wirkt so mit der Natur, statt gegen sie.
  • Bäume und Pflanzen binden mithilfe von Photosynthese CO2 und bilden wiederum Sauerstoff.
  • Waldgärten haben ähnliche positive Effekte wie ein natürlicher Wald: Sie bilden Wasserspeicherverhindern starke Wind- oder Wassererosion, bieten einen Lebensraum für Tiere und wirken ausgleichend auf das lokale Klima. Daneben trägt die Beschattung der Bäume beispielsweise zu einer geringeren Verdunstung im Bereich des Bodens bei und die Pflanzen versorgen sich über das herabfallende Laub selbst mit Nährstoffen.
  • Nicht zuletzt bieten Waldgärten eine gewisse Vielfalt und geben mehr Arten ein Zuhause bzw bringen eine höhere Artenanzahl pro Fläche zustande als das zum Beispiel in einem konventionellen Garten oder in Monokulturen der Fall ist. Zahlreiche Nützlinge wie Hummeln und Schmetterlinge, aber auch Waldtiere und Wildpflanzen finden hier einen geeigneten Unterschlupf. Auf diese Weise kann man also mithilfe seines Naturgartens einen Beitrag zur Erhaltung der Artenvielfalt leisten.
  • Ein Waldgarten bietet dir außerdem eine breite Auswahl an Obst, Gemüse, Nüssen und Kräutern für deinen eigenen Bedarf, während er - wie jede Permakultur - als besonders pflegeleicht gilt. Das bedeutet, dass der Waldgarten im Optimalfall ein dauerhaftes Ökosystem bildet, das kaum mehr vom Menschen beeinflusst werden muss. Den Boden musst du nicht pflügen. Auch das jährliche Aussähen bleibt dir erspart, weil du in der Regel mehrjährige Pflanzen in deinem Waldgarten verwendest. Weiters muss im Garten weniger oder kaum Dünger verwendet werden, weshalb diese Form der Gartengestaltung als besonders günstig gilt.Falls düngen notwendig ist, sollten die Nährstoffe durch die Verwendung von selbsthergestelltem Kompost oder durch eine Gründüngung dem Boden zugeführt werden.

Wie wird der Waldgarten angelegt?

Damit dein Waldgarten ein Erfolg wird, solltest du vor und beim Anlegen die folgenden Tipps beachten:
  • Besonderes Augenmerk bei der Gestaltung eines Waldgartens sollte auf die Auswahl und Platzierung der Bäume gerichtet werden. Diese bilden das Grundgerüst des Gartens und sind nicht nur optisch besonders präsent, sondern verändern durch ihren Schattenwurf auch die Standortbedingungen für kleinere Pflanzen in ihrer Nähe. Es lohnt sich deshalb, einen genauen Plan für die bereits vorhandenen Bäume im Garten zu machen und anschließend zu überlegen, welche Standorte sich für eine Neupflanzung weiterer Bäume gut eignen. Zwischen den einzelnen Bäumen sollte dabei ein ausreichender Abstand eingehalten werden, um das Wachstum in den darauffolgenden Jahren nicht zu behindern. Bevor du anfängst, deine Bäume zu setzen und die ersten Sträucher auszuwählen, solltest du dir die klimatischen Bedingungen vor Ort genau anschauen: Welche Durchschnittstemperaturen findest du vor, welche Temperaturextreme? Von wo kommt der Wind? Wie verhält sich das Sonnenlicht? So kannst du deinen Garten optimal an das vorherrschende Klima anpassen.
  • Ebenfalls wichtig für die Planung deines Waldgartens ist die Bodenqualität: Wie nährstoffreich ist dein Boden? Ist er eher feucht oder trocken? Lehmig, sandig oder tonhaltig? Der Boden sollte im Optimalfall humos sein und Feuchtigkeit und Nährstoffe gut speichern können. Während ein ehemaliges Waldgrundstücke diese Ansprüche bereits gut erfüllen kann, müssen andere Böden dagegen erst auf ihre neue Aufgabe vorbereitet werden. Eine Gründüngung mit Klee oder Phacelia kann verdichtete Böden auflockern und führt dem Boden gleichzeitig neue Nährstoffe zu. Alternativ kann man den Boden auch mit Kompost oder Rindenhumus anreichern.
  • Eine beliebte Design-Idee ist es, auf der Nordseite eines Baums eher die höher werdenden Sträucher anzubauen. Während du auf der Richtung Sonne gerichteten Südseite eher Gemüse und wärmeliebende Kräuter anbaust.
  • Pflanze unbedingt Bodendecker, wie z.B. die Kapuzinerkresse. Alternativ kannst du den Boden mulchen, d.h. ihn etwa mit Stroh oder Laub zu bedecken. So sorgst du dafür, dass weniger Wasser verdunsten kann und es kann sich schneller eine natürliche Humusschicht nachbilden. Falls der Boden eines nährstoffarmen ist, kannst du nachhelfen, indem du sogenannte Leguminosen pflanzt. Das sind Pflanzen, die Stickstoff aus der Luft filtern und im Boden einlagern können. Zu Leguminosen zählen zum Beispiel Bohnen oder Soja.

Welche Pflanzen eignen sich für den Waldgarten?

Am besten für den Waldgarten sind natürlich heimische Pflanzen und Sträucher geeignet, da diese der Pflanzenwelt in einem natürlich entstandenen Wald am besten entsprechen. Für den Boden sind vor allem schattenliebende Bodendecker passend, da sie auch unter Bäumen und Sträuchern gut gedeihen. Gerne gesellen sich in Waldgärten auch Pflanzen, die im zeitigen Frühjahr ihre Blüte ausbilden. Kletterpflanzen sind in Waldgärten ebenso sehr willkommen, denn sie nutzen die vorhandenen Bäume als Kletterhilfen und verleihen dem Garten ein beinahe märchenhaftes Flair.

Hier die Empfehlungen für die einzelnen Schichten:

Baumschicht: Sie ist das Grundgerüst für deinen Waldgarten. Welche Bäume du anbaust, hängt von deinem Geschmack und Boden und Wetterbedingungen auf deinem Grundstück ab. Besonders beliebt im Waldgarten sind vor allem Obstbäume, denn diese sind nicht nur optisch überaus ansprechend, sondern verheißen auch eine schmackhafte Ernte. Verwende Bäume, die eher weniger Schatten produzieren. Auch Zwerg-Arten eignen sich gut. Beachte, dass ein eher nährstoffarmer Boden kleinere Bäume hervorbringt.

Geeignete Bäume für den Waldgarten:

  • Verschiedene Obstbäume wie Apfel oder Kirsche: essbare Früchte
  • Nussbäume wie Walnuss oder Haselnuss: essbare Früchte
  • Kastanie: die Früchte der Edelkastanien sind essbar
  • Buche: Laub gut für Humusbildung
  • Birke: Laub gut für Kompost geeignet
  • Fichte: Nadeln mit Heilwirkung

Strauchschicht: Diese am Besten so um die Bäume ansiedeln, dass sie genügend Licht erhalten. Niedrige Sträucher können auch direkt unter dem Baum wachsen, solange sie dort genug Licht bekommen.

Geeignete Sträucher und Stauden für den Waldgarten:

  • Verschiedene Beerensträucher wie Heidelbeere, Brombeere oder Himbeere: essbare Beeren
  • Ebenso Johannisbeere und Stachelbeere
  • Wildrosen: essbare Hagebutten
  • Lupine: Gründüngung
  • Fingerhut: Zierde und Bienenweide; Achtung: extrem giftig!

Je nach Lichtbedarf kannst du auch Kletterpflanzen an deinem Baum wachsen lassen.
Geeignete Kletterpflanzen für den Waldgarten: 

  • Efeu: Achtung - giftig
  • Wildrosen: essbar
  • Waldplatterbse: nicht essbar
  • Waldgeißblatt: schwach giftig
  • Hopfen: nutzbar
  • Gewöhnliche Waldrebe: giftig
  • Kiwi: essbar

Krautschicht: In den Anfangsjahren, wenn die Bäume noch klein sind, kannst du auch einjährige Gemüsesorten anbauen. Wenn die Bäume dann größer geworden sind, solltest du zur Schonung des Bodens mehrjährige Pflanzen oder sich selbst aussäende Pflanzen verwenden. Dabei muss immer auf die individuellen Standortansprüche der einzelnen Pflanzen geachtet werden. Allen voran das Verhältnis von Licht und Schatten, aber auch die Bodenbeschaffenheit und die Feuchtigkeit im Boden kann je nach Standort im Waldgarten stark variieren, sodass nicht jede Pflanze für jeden Standort geeignet ist.

Geeignete Pflanzen für die Krautschicht im Waldgarten 

  • Waldheidelbeeren, Brennessel, Sauerampfer, Tellerkraut: essbar
  • Erbeeren, Cranberry, Waldmeister und Löwenzahn: auch essbar
  • Buschwindröschen: Achtung - giftig
  • Schneeglöckchen und Krokusse: gering giftig
  • sowie etliche Nutzpflanzen: für einen Waldgarten eignet sich zum Beispiel Mangold, denn er sät sich selbst aus. Außerdem kannst du einige Salatarten, Zwiebel oder Grünkohl anbauen. Weiters Topinambur, Rhabarber oder Bärlauch.Von den Kräutern sind die meisten mehrjährig.

Die 5 besten Pflanzen für den Waldgarten

1. Edelkastanie
Die Edel- oder Esskastanie eignet sich mit einer durchschnittliche Wuchshöhe von 20 bis 25 Metern perfekt als Baum für den Waldgarten. Mit ihrer ausladenden Krone, den hübschen Blüten im Frühjahr und ihrer goldgelben Laubfärbung im Herbst ist die Edelkastanie dabei besonders dekorativ. Esskastanien benötigen einen sonnigen Platz, in kälteren Regionen sollten sie zusätzlich etwas geschützt stehen, da besonders junge Bäume empfindlich auf Frost reagieren können. Im Waldgarten bringen aber vor allem ihre Früchte große Freude: Die dunkelbraunen Nüsse der Esskastanie schmecken nicht nur Eichhörnchen gut, sondern können auch von uns Menschen gesammelt und gegessen werden.
2. Brombeeren
Brombeeren dürfen in keinem Waldgarten fehlen. Die stachelige Pflanze ist nicht nur perfekt zur Bevölkerung der Strauchschicht geeignet, sondern liefert mit ihren saftigen Früchten auch noch eine vitaminreiche Nascherei für Zwischendurch. Da die Brombeere in freier Natur auch hauptsächlich in Waldgebieten vorkommt und sie den leicht sauren Waldboden bevorzugt, kann sie problemlos an einem sonnigen bis halbschattigen Ort im Waldgarten angepflanzt werden. Da sich Brombeeren im Waldgarten besonders wohlfühlen, können sie sich schnell unkontrolliert ausbreiten. Wer dies verhindern möchte, sollte beim Einpflanzen der Brombeere direkt an eine Wurzelsperre denken.
3. Wald-Vergissmeinnicht
Auch in einem Schattengarten können hübsche Blüten vorgefunden werden. Der beste Beweis dafür ist das Wald-Vergissmeinnich: Die kelchförmigen Einzelblüten sind mit ihrem schönen Blauton ein echter Augenschmaus und sorgen von April bis in den Juni für einen Hingucker im Waldgarten. Auch Nützlinge sind von den kleinen Pflanzen ganz angetan, denn sie sind ein beliebter Nektarlieferant. An halbschattigen Plätzen fühlt sich die Pflanze für den Waldgarten pudelwohl und benötigt kaum Pflege. Die gesamte Pflanze ist essbar.
4. Apfel
Der Apfel gehört zu den bekanntesten und wichtigsten Obstsorten – deshalb darf er natürlich auch in einem Waldgarten nicht fehlen. Der humose, nährstoffreiche Boden des Waldgartens ist perfekt als Standort für den Apfelbaum geeignet. Da der Apfelbaum jedoch „nur“ 10 Meter hoch wird, sollte man beim Anlegen des Waldgartens darauf achten, dass er in einigen Jahren nicht zu sehr von größeren Bäumen beschattet wird. Neben seiner wunderschönen Blüte und seinen leckeren Früchten besteht ein weiterer Vorteil des Apfelbaumes darin, dass er eine tiefgehende Pfahlwurzel besitzt. Dadurch können auch direkt unter dem Apfelbaum kleine, schattenverträgliche Pflanzen als Strauchschicht angepflanzt werden.
5. Haselnuss 
Die Haselnuss gehört zu den ältesten in Europa genutzten Obstarten – und sollte ihren Weg auch in den Waldgarten finden. Der bis zu 7 Meter hohe Strauch wächst natürlicherweise vor allem an Waldrändern und in Hecken, kann aber auch im Waldgarten problemlos angebaut werden. Hier verträgt er zwar auch einen schattigen Platz, die meisten Blüten und Früchte bildet er aber an einer sonnigen Stelle aus. Besonders beliebt ist die Haselnuss vor allem wegen ihrer kleinen, nussigen Früchte, die man im Herbst sammeln kann und die sowohl frisch als auch in Gebäck wunderbar schmecken.

Online-Quellen & weiterführende Links

https://utopia.de/ratgeber/waldgarten-selbst-anlegen-anleitung-und-tipps_167853/ https://www.plantura.garden/gartengestaltung/waldgarten-anlegen

Literaturempfehlungen

„Das große Handbuch Waldgarten“ von Patrick Whitefield

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Kommentare (1)

Ehemaliges Mitglied10/2/2025
siehe auch Österreichisches Waldgarten-Institut: http://www.waldgarteninstitut.at/

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