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Anita Maasgepostet am: 16 de marzo de 2023

Achtsames Naturerleben / Waldbaden

Eine Anleitung: Mit allen Sinnen wahrnehmen

Do it yourself

Nimm Abstand von dem, was dich bis dahin beschäftigt hat, und komme ganz im Augenblick an. Das gelingt dir am besten, indem du dich bewusst auf deine Sinne konzentrierst. Unser Gehirn ist so konstruiert, dass nur eines geht: denken oder wahrnehmen. Deswegen funktioniert es so gut, dass du dein Denken ausschalten kannst, indem du deine oft vernachlässigten Wahrnehmungskanäle wieder aktivierst. Das ist übrigens auch eine wunderbare Bereicherung deines Lebens, das ohne das bewusste Nutzen deiner Sinne verarmt. 
Wenn du deine Achtsamkeit schulst, kommt dir das in jeder Lebenssituation zugute, denn du kriegst viel mehr von dem Drumherum mit, erspürst den richtigen Augenblick und hältst dich zurück, wenn es angebracht ist. Dass wir unsere Sinne so weit zurückgezogen haben, liegt oft daran, dass sie in der Stadt oder einem normalen Berufsalltag überbeansprucht und gestresst wären mit ihrer normalen Empfänglichkeit. In der Natur fällt es sehr leicht, die Aufmerksamkeit auf deine Sinne zu lenken, denn sie werden hier vielfältig und extrem wohltuend angesprochen.
Damit es auch wirklich gelingt, das Denken auszuschalten, ist es wichtig, bei all deinen Beobachtungen nicht zu analysieren, zu benennen oder zu bewerten. Der Verstand hat Pause. Es ist vollkommen egal, welche Baumart das ist und was du sonst noch alles aus dem Biologieunterricht weißt (oder eben auch nicht weißt: Wie hieß das nochmal?).

Lauschen

Mit unseren Ohren können wir räumlich wahrnehmen. Am besten gelingt es, wenn du deine Augen schließt. Horche aufmerksam auf jedes Geräusch: Wie hört es sich an, wenn der Wind die Blätter bewegt? Verfolge mit gespitzten Ohren, wie sich die Bö von einer Baumkorne zur nächsten bewegt. Kannst du den Unterscheid heraushören, wenn derselbe Wind die Blätter einer Birke oder einer Buche bewegt oder gar in einer Fichte rauscht?  Welche Geräusche nimmst du noch wahr? Eine Fliege, die über ein trockenes Blatt krabbelt, das Summen der Insekten, ein Vogel, der im Laub nach Nahrung sucht? Vielleicht singen gerade die Vögel, dann versuche herauszufinden, auf welchem Zweig sie sitzen. Gibt es einen Vogel, der ähnlich singt? Antworten sie sich gar?  Oder lausche am Bach der Wassermusik und versuche alle an dieser Sinfonie beteiligten Klänge herauszuhören: Es rauscht und gluckst und gurgelt in ganz verschiedenen Tonhöhen. Lasse dich ganz hineinsinken und tauche mit deinen Ohren in die Klänge des Wassers ein.  Wenn es regnet, kannst du dich darin vertiefen, wie die einzelnen Regentropfen auf die Blätter fallen, als dicke Tropfen herunterrennen und mit einem dumpfen Plopp auf dem weichen Boden landen. Tipp: Halte deine Hände wie Schalen hinter deine Ohren. Mit diesen vergrößerten Ohrmuscheln hast du beinahe so empfindliche Lauscher wie ein Reh.

Entdecken

Die Augen sind bei den meisten Menschen der am stärksten ausgeprägte Sinn. Wir nehmen in jeder Sekunde unzählige Impulse über die Augen wahr. Durch die Flut der Eindrücke leidet jedoch die Intensität der Wahrnehmung. Die Details gehen oft verloren. Betrachte einmal ganz genau die Form und Struktur eines Blattes: Wie sieht der Blattrand aus? Halte es gegen das Licht und betrachte das Muster der Blattnerven, die es durchziehen. Ist dir schon einmal aufgefallen, wie unterschiedlich die Rinde der Bäume aussieht? Wie viele verschiedene Grüntöne kannst du ausmachen? Was entdeckst du alles auf einem Quadratmeter Wiese? Besonders hinreißend sind Blüten mit ihren extravaganten Formen in leuchtenden Farben mit andersfarbigen Mustern und feinen Härchen … Lasse deinen Blick umherschweifen: Bewegt sich da ein silberner Spinnfaden im Wind und glitzert in der Sonne? Vielleicht kommt dich ein neugieriges Rotkehlchen besuchen oder ein Schmetterling landet auf dir. Beobachte den faszinierenden Tanz der Mücken nach ihrer ganz eigenen Choreographie. Regen- oder Tautropfen verzaubern jedes Blatt und jeden Halm in ein schillerndes Kunstwerk.  Tipp: Du wirst beim absichtslosen Betrachten viele kleine und große Wunder entdecken. Belasse es dabei und staune wie ein Kind statt zu analysieren und dem Moment dadurch den Zauber zu stehlen. 

Spüren

Die Haut ist unser größtes Organ. Wir berühren damit ununterbrochen unsere Umwelt. Als Babys sind die sinnlichen Erfahrungen über die Berührung enorm. Wir erkunden unsere Umwelt und tasten uns an alles heran.  Spürst du die Sonnenstrahlen auf deiner Haut, den Wind in deinen Haaren und den Boden unter deinen Füßen? Streichle das weiche Moos, ertaste mit deinen Fingerkuppen die Rinde eines Baumes oder die Form eines Tannenzapfens. Wie pieksig sind die Fichtennadeln oder die Schalen der Bucheckern? Tauche deine Hände in das kühle Nass eines Baches oder einer Quelle. Nimm einen Stein oder einen Ast in die Hand und umschließe ihn liebevoll mit all seinen Ecken und Rundungen.  Barfußlaufen ist ein sehr sinnliches Erlebnis! Wie zart doch die Laubblätter unter den Fußsohlen sind! Wie fühlt sich eine schattige, feuchte Stelle im Vergleich zu einem sonnenbeschienen Weg an? Probiere einmal aus, den zumeist harten Untergrund des Weges zu verlassen und vorsichtig durch das weiche Laub zu laufen. Lass dir Zeit, den Boden unter dir in aller Sorgfalt mit deinen nackten Füßen zu erkunden. Welch Genuss ist es, morgens barfuß durch eine taunasse Wiese zu gehen! Es ist zunächst sehr ungewohnt, aber schon bald werden sich deine Fußsohlen daran gewöhnen. Wenn du dann eine Pause machst und dich hinsetzt, wirst du spüren, wie wunderbar warm und lebendig sich deine sonst in engen Schuhen eingezwängten Füße anfühlen.

Tipp: Beim Barfußlaufen kräftigst du deine Muskulatur an den Füßen, was sich positiv auf deine ganze Aufrichtung auswirkt und so manche Knie-, Hüft- und Rückenbeschwerden verschwinden lässt. 

Schnuppern

Der Geruchssinn ist ganz speziell: Alle Düfte werden direkt im limbischen System zu Emotionen verarbeitet. Über den Geruch werden sofort Erinnerungen geweckt. Deswegen stimulieren natürliche Düfte wie z. B. Wald sofort positive Gefühle.   Besonders intensiv ist der mit ätherischen Ölen angereicherte Waldduft, vor allem nach einem Sommerregen. Aber auch der würzige Duft des Laubes im Herbst ist deutlich wahrnehmbar. Stell dir mal den Geruch nach frisch gemähtem Gras, duftendem Heu oder nach salziger Meerluft vor! Wie riecht ein reifes Getreidefeld und wie der Raps? Wenn du vor die Tür trittst, wie riecht es heute: trocken und warm oder feucht und kalt? Liegt ein Blütenduft in der Luft oder die Süße des Herbstes?  Wenn du in der Natur unterwegs bist, nimm dir ruhig auch Zeit für deinen Geruchssinn: Zerkrümele frische Erde in deiner Hand, hebe die verrotteten Blätter auf und rieche daran, oder streiche mit deiner Hand über ein Blatt, um seinen frischen Geruch noch besser wahrnehmen zu können. Vor allem Wildkräuter haben da einige Überraschungen parat!

Tipp: Du kannst deinen Geruchssinn trainieren. Wenn du dich öfter auf das Riechen konzentrierst, wirst du bald auch noch feinere Nuancen erschnuppern können. 

Schmecken

Beim Geschmackssinn solltest du sehr vorsichtig sein. Wenn du dich gut auskennst, kannst du von den essbaren Wildpflanzen kosten. Es ist ein großartiges Geschmackserlebnis, Gänseblümchen, Veilchen, Löwenzahn oder Giersch auf der Zunge zergehen zu lassen! Du kannst aber auch deinem mitgebrachten Picknick, einem Apfel, ein paar Nüssen oder einem Müsliriegel deine besondere Aufmerksamkeit schenken und bewusst mit allen Geschmacksfacetten genießen.

Bei allen Wahrnehmungen geht es nicht darum, zu analysieren und etwas mit dem Verstand zu erfassen, sondern darum zu staunen. Die Natur steckt voller großer und kleiner Wunder, die du beim absichtslosen Wahrnehmen entdecken kannst. Die kindliche Freude darin bringt dich in den gegenwärtigen Augenblick und schenkt dir Glücksmomente.

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