Catharina Rolandgepostet am: 09 de agosto de 2024

CAMPER-PARADIES UND DORFGEMEINSCHAFTSPROJEKT IN RENSTAD IN SCHWEDEN

Inspirationsprojekt für Dorfgemeinschaften

Vorzeigeprojekt

Überall auf der Welt sind tolle Lösungen zu finden.

Nachdem Tatjana und ich beim Ecstatica Festival in Ängsbacka im Sommer als Workshop Leader eingeladen gewesen waren, sind Roberto und ich mit dem Camper unterwegs durch das wunderschöne Värmland in Südschweden. Über 10 000 Seen laden hier zum Bewundern, schwimmen, meditieren oder Bootfahren ein.
Wir durchstreifen wunderschöne Wälder und werden immer wieder von Heidelbeeren, Preiselbeeren und Himbeeren zum Anhalten, still sein und Naschen verlockt. Wir sind begeistert von der Gastfreundschaft und Mentalität der Schweden, denen wir begegnen.
Wir lieben es, abseits der vielbefahrenen Wege unterwegs zu sein, um die Natur, so pur wie möglich zu genießen.
Jeden Tag sind wir auf der Suche nach den schönsten Stellplätzen der jeweiligen Gegend.

Hier im Ortsgebiet von Renstad im Schwedischen Värmland, nördlich von Karlstad erspähen wir einen Platz, der uns aus der Ferne lockt, obwohl er sich doch in der Nähe von Häusern befindet:
Ein ebener Kiesparkplatz am Ufer eines wunderschönen Sees, dessen Strand gerade von einem Schwarm von Wildgänsen besucht wird.
Beim Parken entdecken wir eine Reihe von Schildern, die mein Herz sofort höherschlagen lassen:
Dieser Platz wird von Bewohnern von Renstad betrieben und lädt Camper ein hier gratis und gerne gegen eine Spende zu übernachten und alles hier mit zu nutzen:
Eine Sauna, zwei Kanus, einen Grillplatz mit überdachter Terrasse und Sitzplatz, den Steg, zwei Plumpsklos, eine Badeinsel und den liebevoll gepflegten Strand.

Außer uns steht hier nur ein Zelt, das wenige Stunden zuvor von Rick aufgestellt worden war, einem jungen Polizisten aus Holland, der mit seine prächtigen Enduro auf der TET, dem Trans-European-Trail unterwegs ist, dem "Europe´s Dirt Road Motorcycle Adventure". Auf vielen der Schwedischen Camper Apps ist dieser Platz nicht zu finden. Rick hat ihn aber über die TET-Website ausfindig gemacht und freut sich auch über diese liebevoll gestaltete Übernachtungsmöglichkeit.

Als wir am Abend das kleine Häuschen betreten, ist die Sauna noch warm. In einer großen Kiste finden wir Holz zum nachlegen und Roberto heizt den Saunaofen wieder so richtig schön heiß auf.
Zum Abkühlen tauchen wir in den kühlen, dunklen See und genießen die Reflektionen der Abendsonne als Spiegelung auf der Wasserfläche, die sich nur durch unsere Bewegungen, glucksend in Ringe teilt.
Später am Abend kommt Peter mit seiner Tochter zum Schwimmen. Er ist hier aufgewachsen und kommt immer wieder gerne an diesen speziellen Platz zurück. Noch bis spät in die Nacht kommen immer wieder kleine Gruppen an Freunden aus der Gegend und gönnen sich einen gemeinsamen Saunagang und ein Bad im nächtlichen See.

Am nächsten Tag in der Früh begegne ich Ewy und Lars, die sich in dieser Woche liebevoll um das Gelände kümmern. Von ihnen lerne ich, dass dieser Platz von der Gemeinschaft der Einwohner von Renstad gemeinsam betrieben wird.
Einmal im Jahr Anfang Mai findet eine große Versammlung statt, in der festgelegt wird, welche Familie sich im nächsten Jahr worum kümmern wird: Die Hütte gehört instand gehalten, die Böden und die Sauna geputzt, die Latrinen entleert und Klopapier in die liebevoll gestalteten Plumpsklos gehängt. Holz für die Sauna muss geschnitten und nachgelegt, die Wiesenfläche will gemäht werden und so einiges mehr.
Vor 7 Jahren haben sie die Hütte gebaut, in der sich die Sauna befindet. Jedes Jahr wird von den Spenden, die die Camper gerne hier lassen, etwas renoviert oder dazu gebaut.
Im letzten Jahr wurde die Terrasse erweitert und die unten zu sehende Schwimminsel gebaut. Von dieser Insel aus wurden schon im letzten Winter die Löcher ins Eis gehackt, in denen sich die Saunabesucher dann im eisigen Wasser erfrischen können.
Seit vielen Jahren schon treffen sich die Familien regelmäßig am Samstag, um zu saunieren, sich auszutauschen, ihre Freundschaften zu vertiefen, ihr soziales Netzwerk zu verstärken.
Ich frage Lars, wie sie mit Meinungsverschiedenheiten umgehen!? Dann wird einfach abgestimmt, das akzeptiert hier jeder.

Da der Platz über keinen Wasserhahn verfügt, lädt Lars uns ein, später unsere Flaschen und gerne auch unseren Wassertank bei ihm zuhause mit frischem Trinkwasser zu füllen. "Es ist das weiße Haus dort rechts am Ufer." Wir werden ihn am Nachmittag besuchen.
Zuvor aber schnappen wir uns das Kanu und begeben uns auf eine Erkundungstour über den See. Wir landen auf einer der Inseln, von der wir über einen großen Stein ins Wasser gehen zu können, ohne im Uferschlamm zu versinken. Der duftende Waldboden lädt mich ein, hier Yoga zu machen und von hier im Anblick des wunderschönen Sees zu versinken.

Danach besuchen wir Lars, dessen Haus malerisch am Ufer über dem See liegt. Er erzählt uns, dass sein Sohn Lukas vor ein paar Jahren nach Taiwan ausgewandert ist. Nachdem ein Reiseberichtsvideo für seine Freunde von tausenden Menschen angesehen worden war, wurde er schließlich zu einem erfolgreichen Youtuber mit mittlerweile hunderttausenden Followern. Hier kannst Du Dir ein Video von ihm anschauen, in dem er sein schwedisches Zuhause in Renstad, portraitiert.

Lars erklärt uns auch das Wasserschutzprojekt, das hier gemeinsam durchgeführt wird. Die "Seekanne" ((Nymphoides peltata), ein Neophyt, in diesem Fall eine hier nicht-heimische Wasserschwimmpflanze, hat sich ausgebreitet und gefährdet den großen, wunderschönen See. Einmal in der Woche treffen sich hier die lokalen Umweltschützer und legen große Planen auf den See, die den Pflanzen das Licht nehmen und so ihre Verbreitung unterbinden. Lerne gerne hier oder hier (schwedische Seiten) mehr darüber.

Ein paar Tagen später, auf unserem Weg zurück nach Stockholm, kommen wir nochmals nach Renstad.
Wir lernen Linda kennen, die wieder hierher zurück zum Platz ihrer Kindheit gezogen ist. Während sie das Mittagessen grillt, spielt Ihre Tochter lachend mit einer Freundin aus dem Ort im See.
Am Abend lerne ich Claus und Andreas kennen. Sie kommen mehrmals pro Woche von ihrem 20km entfernten Haus hier her, um zu saunieren.
Claus ist begeistert von diesem Platz, der Möglichkeit auch seinen Freundeskreis zu erweitern, einander zu helfen und besser kennen zu lernen. Er fragt sich, wie die Erde aussehen würde, wenn jede Gemeinde so einen Platz
Diese Vorstellung begeistert auch mich.

Wie würden sich Ortsgemeinschaften verändern,
wenn es in jeder Gemeinde ein solches Projekt gäbe?
Das die Menschen dieses Platzes gemeinsam gestalten und erhalten?
Bei dem sich die Nachbarn wieder besser kennen lernen?
Kinder zusammen spielen?
Ich bin sicher, dass die örtliche Feuerwehr ein solches Projekt unterstützen würde.
Vielleicht auch die Förster oder Holzverarbeitenden Betriebe mit Brennholz?
Ein kleines Saunahäuschen oder ein "Saunafass" ist bestimmt kollektiv finanzierbar.
Vielleicht an einem Bach, einem örtlichen Teich oder See?
Oder ihr stellt ein einfaches Aufstellschwimmbecken auf, an das ihr einen Steg baut.
Vielleicht lässt sich sogar ein kleiner Schwimmteich anlegen,
ein neues Ökosystem auf Eurem Land, das nicht nur vielen pflanzlichen und tierischen Spezies
einen Lebensraum bietet, sondern eben auch den Menschen,
die sich hier finden können.

Schreibe gerne hier unten in die Kommentare, wenn Du noch weitere Ideen dazu hast, oder sogar Lust hast, ein solches Projekt umzusetzen.

Hier unten findest Du noch Fotos von den wunderschönen Wanderwegen rund um Renstad. Auf einem der kleinen "Berge" hat die Ortsgemeinde auch einen Feuerplatz, ein Plumpsklo und eine überdachte Sitzmöglichkeit gebaut. Auch hier treffen sich die Menschen regelmäßig, um gemeinsam zu wandern oder zu feiern.

Auf einem anderen wunderschönen und sehr empfehlenswerten geführten Waldcampingplatz habe ich folgende Zeltkonstruktion gefunden, die sich für einen Feuerplatz eignet, an dem man auch noch sitzen kann, wenn es zu regnen beginnt. Das Zeltdach über der Feuerstelle ist von Tortuga.

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