Foto: Sonja Haubenhofer

Sonja Haubenhofergepostet am: 17 de marzo de 2024

Selbst Saatgut gewinnen

Der Same steht am Anfang und am Ende

Inspirierendes Wissen

Zur Schaffung bunter Vielfalt in unserem NaturHerzGarten auf 850 m Seehöhe in Velden am Wörthersee (A) gehört dazu, dass wir unser Gemüse und unsere Blumen mittlerweile großteils aus eigenem Saatgut ziehen. Das hat den Vorteil, dass das Erbgut der Pflanzen sich bereits an unsere Höhenlage und die Witterung angepasst hat und die Vibes unseres Paradieses, das wir aus eigener Kraft und Vision geschaffen haben, in sich trägt. Durch die Selektion und jährliche stückweise Anpassung an unsere Umgebung fällt die Ernte besser aus und die Pflanzen werden resistenter und weniger anfällig für Krankheiten.
 
Durch die eigene Saatgutvermehrung haben wir den Pflanzenzyklus erst so richtig kennen- und schätzengelernt, angefangen uns mit dem Thema gesunder Boden (Humus) zu beschäftigen und durch unser kreuz und quer gärtnern in den Beeten auch Lebensraum für Vielzahl von Insekten und Kleingetier geschaffen.
 
Wir sind dankbar für:
… die übernommene Selbstverantwortung, die uns Kosten spart und Existenzängste mindert
… das Wissen über die Nährstoffe und Informationen, die in unserem Gemüse drinnen sind und
… das gute Gefühl aktiv etwas für unseren geringen ökologischen Fußabdruck beizutragen

Welches Saatgut nehmen?
Jenes von den schönsten und ausgereiften Früchten sortenreiner, gesunder & reichtragender Pflanzen, keine F1-Hybriden.
 
Wann Saatgut nehmen?
Das ist unter anderem abhängig von der Kulturdauer des Gemüses
 
Von einjährigem Gemüse kann das Saatgut bereits in der Anbausaison gewonnen werden (Salat, Bohnen, Tomaten, Paprika, Gurke, Melone, Basilikum, Gartenkresse, Spinat).


Zweijähriges wird im 1. Jahr beerntet, frostfrei überwintert und geht im 2. Jahr in die Blüte (Lauch, Karotte, Gemüsefenchel, Pastinake, Sellerie, Rote Bete, Mangold, Kohlrabi, Weißkohl).


Mehrjährige Nutzpflanzen sind oft vegetativ durch Wegteilen von der Mutterpflanze oder durch Stecklinge vermehrbar. Viele bilden Saison für Saison zusätzlich auch Saatgut aus (Schnittlauch, Schnittknoblauch, Spargel, Kräuter)
 
·       Die ideale Zeit ist der Spätsommer, Herbst und frühe Winter.
·       Die Samen müssen vollständig ausgereift, prall und hart sein.
·       Für das Ausreifen ist es gut, die Samen so lange wie möglich auf der Pflanze zu lassen.
 
 
Wie Saatgut nehmen, reinigen und trocknen?
Je nach Pflanzenart bilden sich Gemüsesamen in Früchten, Hülsen, Schoten oder frei auf dem Blütenstand. Die Gewinnung von Samen gestaltet sich dementsprechend unterschiedlich
 
Nachtschattengewächse
 
Ab August reifen Tomate, Paprika, Physalis, Melanzani und können geerntet werden. Für die Samengewinnung erntet man weiche, reife Früchte aus der Mitte der Saison.
 
 
Tomatensamen werden wegen ihrer gallertartigen Hülle zwei bis drei Tage in Wasser eingelegt und täglich gespült, bis die Samen befreit sind. Anschließend erfolgt die Trocknung auf Papier. Paprika-, Physalis- und Auberginensamen können direkt auf ein Papiertuch ausgestrichen und so getrocknet werden.
 
Tomatensamen gewinnen
 
Tomatensamen kann man direkt auf einer geeigneten Unterlage (Holzbrett, Küchenrolle) trocknen oder nassgärend gewinnen.  Bei der ersten Methode hat man die wenigste Arbeit mit dem Trocknungsvorgang und die Samen sind haltbarer. Sie behalten jedoch ihre keimhemmende Schicht und benötigen nach der Aussaat Zeit, um sie zu durchbrechen. Die Nassgärung ist etwas aufwendiger, hat allerdings den Vorteil, dass die Keimschutzschicht nach dem Gärprozess aufgelöst ist. Die Samen keimen schneller.
 
Nassgärung bei Tomaten:
Als Utensilien benötigt man vollreife Früchte, ein Küchen- oder Gärtnermesser, ein größeres Wasserglas, Frischhaltefolie, Küchensieb, saugfähiges Papier (Filter- oder Küchenpapier), Kunststoffdöschen oder Papiertütchen zur Samenaufbewahrung und einen wasserfesten Stift.
 
🍅Tomaten halbieren und die Samen samt anhaftendem Fruchtfleisch in ein Wasserglas löffeln.
🍅Die Samen mit Wasser und das Glas mit Frischhaltefolie bedecken. Es setzt nun eine Gärung ein, während deren sich die schleimige, keimhemmende Schicht, die den Samen umhüllt, löst. Die Samen sinken dann im Glas zu Boden; sie fühlen sich nicht mehr glitschig, sondern rauh an.
🍅Die Masse nach ca. 2 Tagen aus dem Glas in ein Sieb füllen und das übrige Fruchtfleisch mit klarem Wasser unter einem harten Strahl abspülen.
🍅Die Samen zum Trocknen auf einem Kaffeefilter oder Küchenpapier ausbreiten; es sollen keine Samenkörner an- oder übereinanderliegen, ca. 2-3 Wochen trocknen
🍅Die trockenen Samen in einer verschlossenen, lichtdichten Dose oder einem Papiertütchen an einem trockenen Ort aufbewahren.
 
Keimfähigkeit: Samen von Tomaten und Paprika sind fünf bis zehn Jahre keimfähig,


 
Paprikasamen gewinnen
 
Um das Saatgut aus Paprikaschoten zu gewinnen, wird am besten wie folgt vorgegangen:
 
🌶Paprikaschote längs aufschneiden
🌶Das Innere mit einem Messer oder Löffel vorsichtig entfernen
🌶Paprikasamen zum Trocknen auf ein Küchentuch geben
🌶3 bis 5 Tage an einem sonnigen Ort trocknen lassen
🌶Getrocknete Saatgut in einer Papiertüte frostfrei aufbewahren
 
 
Kürbisgewächse
Bei Kürbis, Zucchini, Melone, Gurke ist der Zeitpunkt für die Samengewinnung ganz einfach der Erntezeitpunkt im Herbst, bei Zucchini und Gurke dagegen wartet man etwas länger als gewöhnlich. Beide Früchte werden oft vor der vollkommenden Reife geerntet, da sie dann besser schmecken, noch zart sind und kaum Kerne enthalten. Man belässt die Früchte länger als gewöhnlich bis in den Herbst hinein an der Pflanze. Am besten lässt man am Ende der Saison Früchte für die Samengewinnung hängen, da die Pflanzen ansonsten insgesamt deutlich weniger Früchte produzieren.
 
Gurken -und Zucchinisamen gewinnen:
 
🥒Früchte aufschneiden
🥒Samen mit einem Löffel entnehmen und kräftig mit Wasser abspülen
🥒Hat sich alles Fruchtfleisch gelöst, legt man das Saatgut auf Papiertücher zum Trocknen.
🥒Nach einigen Tagen können die gewonnen Samen abgefüllt und gelagert werden.
 
Hinweis: Kürbisgewächse können von Bienen und Hummeln auch fremdbestäubt werden.  So entstehen in der nächsten Generation schnell Mischlinge aus Kürbis und Zucchini, wenn Pflanzen nahe beieinanderstehen.
Achtung: Durch Verkreuzungen in der nächsten Generation kann es zur Synthese von Bitterstoffen kommen, die sogenannten Cucurbitacine, die bei übermäßigem Konsum zu Krämpfen und Schlimmerem können. Wer selbst gesammelte Samen von Gurken, Kürbissen, Melonen und Zucchinis verwendet, der sollte bei den daraus entstehenden Früchten also unbedingt darauf achten, ob sie einen sehr bitteren Geschmack aufweisen – und sie im Zweifel lieber entsorgen.
 
Keimfähigkeit: Samen von Kürbis, Zucchini und Co. sind etwa vier bis fünf Jahre lang keimfähig.
 
 
Zwiebelgewächse
Die Zwiebelgewächse, wie Zwiebel und Lauch blühen gewöhnlich erst im zweiten Standjahr. Wenn man Samen gewinnen will, sollten diese also nicht geerntet werden. Im Sommer des zweiten Jahres bilden sich mehrere lange, unbeblätterte Blütenstiele mit kugeligen, weiß-grünen Blütenköpfen. Nach der Bestäubung durch Insekten entstehen dann schwarze, kantige Samen, die bei Reife schnell ausfallen. Daher erntet man den gesamten Blütenstand, wenn die Hüllblätter um die Samen herum trocken werden und lässt ihn etwa zehn Tage lang bei Raumtemperatur nachtrocknen und schüttelt die noch nicht ausgefallenen Samen aus.
 
Keimfähigkeit: Samen von Zwiebelgewächsen sind nur etwa ein Jahr lang gut keimfähig.
 
Wurzel- und Knollengemüse
Wurzel- und Knollengemüse aus der Familie der Doldenblütler, wie Karotte, Pastinake, Fenchel, Sellerie blühen meist im zweiten Standjahr, Karotten teils auch schon im ersten Jahr. Im Frühjahr des zweiten Jahres bilden sich langgestreckte, doldenförmige Blütenstände, die unauffällig grünlich oder weiß blühen. Insekten bestäuben die Blüten gern und schnell bilden sich Samen, die im Herbst ausreifen. Die sichelförmigen bis rundlichen Samen fallen bei Trockenheit rasch hinunter, deshalb werden die Dolden in den frühen Morgenstunden als Ganzes geschnitten und im Haus getrocknet.
 
Keimfähigkeit: Samen von Karotten, Pastinake und Co. sind etwa zwei Jahre lang keimfähig.
 
Korbblütler
Die weit verbreiteten Korbblütler, zu denen Schwarzwurzel und Chicorée, aber auch der Salat gehört, blühen teils im ersten, teils im zweiten Standjahr. Auch sie sind Fremdbestäuber, die sich innerhalb der Art zwischen verschiedenen Sorten verkreuzen können, wenn die Sorten auf etwa 3 km beieinanderstehen. Im Oktober reifen die bestäubten Blüten zu Achänenfrüchten aus, die wie die Schwarzwurzel eine Art Fallschirm, den Pappus, für die Windverbreitung besitzen. Hier sollten die Samen geerntet werden, sobald sich der weiße Pappus entfaltet, was zwischen September und Oktober geschieht. Auch diese Samen werden im Haus bei Raumtemperatur ein bis zwei Wochen lang nachgetrocknet. Bei der Aufbereitung der Samen entfernt man den Pappus übrigens, so kann man im nächsten Jahr leichter aussäen.
 
Keimfähigkeit: Die Korbblütler keimen etwa vier Jahre lang zuverlässig.
 
Kohlgewächse
Die beliebten Kohlgewächse, zu denen Rucola, aber auch Blattkohle wie Palmkohl gehören, blühen meist im zweiten Standjahr. Manche Arten wie Radieschen blühen teils bereits im ersten Jahr. Diese Kulturen müssen also ein weiteres Jahr stehen gelassen und dürfen nicht geerntet werden. Hier bilden sich zur Blütezeit strahlend gelbe, kreuzförmige Blüten, die Insekten Nektar bieten und daher gern besucht werden. Das bedeutet aber auch, dass alle genannten Pflanzenfamilien mit ihren Vertretern fremdbestäubt werden und die Sorten oftmals einer Veränderung durch sortenfremdes Erbgut derselben Art unterliegen. Bei den Kohlgewächsen bilden sich längliche Schoten mit runden, schwarzen Samen darin. Ab Mitte September können die Samenstände abgeschnitten und im Haus nachgetrocknet werden. Lösen Sie die Samen hierfür von den Schoten ab und lassen Sie sie an der Luft trocknen.

Keimfähigkeit: Kohlgewächse keimen bis zu vier Jahre nach der Ernte noch zuverlässig.
 
Hülsenfrüchte
Erbsen und Bohnen blühen und fruchten im selben Jahr der Aussaat. Hülsenfrüchte sind Selbstbestäuber, die jeweilige Sorte kann also immer sicher und ohne Verkreuzungen in der nächsten Generation erhalten werden. Nach der Blüte von Mai bis August bilden sich schnell kleine grüne Hülsen, die rasch größer, faserig und schließlich braun und trocken werden.
 
Man lässt die Hülsen so lange an der Pflanze, bis sie braun werden, vertrocknen und zu rascheln beginnen. Die Samen im Inneren werden bei zunehmender Reife gegen Spätsommer bis Spätherbst hart. Man wartet bestenfalls bis zum Ende der Saison damit, da die Bohnen- oder Erbsenpflanzen sonst weniger Ertrag für die Küche produzieren. Die trockenen Hülsen werden von den mittlerweile auch abgestorbenen Pflanzen entfernt und im Haus etwas nachgetrocknet. Im Winter können die mittlerweile trockenen Samen aus den Hülsen geholt, abgefüllt und gelagert werden

Keimfähigkeit: Erbsen, Bohnen und Co. sind etwa zwei bis vier Jahre lang keimfähig.

Wie Saatgut richtig lagern?
 
Dunkel, luftarm & mäusesicher: Je trockener die Saaten gelagert werden, desto besser.
Kühl: Zwischen 0 und 10 Grad sind optimal. Starke Temperaturschwankungen sind zu vermeiden. Ideal sind kleine, geschlossene Gefäße: Entweder in einem blinden Gefäß, wie Braunglas, Ü-Ei, Filmdose oder in einem Kaffeefilter oder kleinem, blickdichten Säckchen im Glas oder der Dose. Man kann auch aus gebrauchten A4-Zetteln selbst Saatguttütchen basteln (Anleitung: https://www.parzelle94.de/2022/01/samentueten-falten/)
 
Beschriftung nicht vergessen: Art & Sorte, Erntedatum und ev. Anbauort, Gärtnerin (das ist vor allem dann interessant, wenn Saatgut getauscht wird)
 
 
Empfehlung:
Die beste Voraussetzung für die Gewinnung von eigenem sortenreinem Saatgut ist, zuerst einmal sein Ausgangsgemüse aus solchem nachzuziehen. Hierfür habe ich für den NaturHerzGarten der Vielfaltsvisionäre das Saatgut bei einer verlässlichen Quelle, nämlich der Arche Noah (https://shop.arche-noah.at/) bestellt. Im Shop gibt es auch tolle Bücher rund um Selbstversorgung wie zum Beispiel „Handbuch Samengärtnerei“ von Andrea Heistinger.
 
Weitere Shops (D-A-CH), in denen Du sortenfestes Saatgut bekommst, findest Du auf der Webseite von Gabriele Nehls: https://anstattdessen.de/saatgut/ bzw. unter dieser Lösung auf der Living Earth: /de/loesungen/saatgutanbieter-von-reinen-samen

Foto: Sonja Haubenhofer
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Online-Quellen & weiterführende Links

https://shop.arche-noah.at/ https://anstattdessen.de/saatgut/

Literaturempfehlungen

"Handbuch Samengärtnerei" Andrea Heistinger - erhältlich im Arche Noah-Shop

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