Karin Neumeyergepostet am: 11 March 2023

Die Wechselatmung

Eine ausgleichende Atemübung für innere Kraft und Klarheit

Do it yourself

Die Wechselatmung heisst auf Sanskrit "Nadi Shodana". Wörtlich bedeutet Nadi Shodhana „Reinigung der Nadis“. Die Nadis, die Energie-Kanäle im feinstofflichen Körper, müssen frei von Unreinheiten und Blockaden sein - nur wenn sich die Energie, das Prana, frei durch diese Energiebahnen bewegen kann, können wir - befreit von Blockaden und Spannungen - Harmonie, Freude und Ausgeglichenheit erfahren.

Zur Durchführung von Nadi Shodhana müssen wir uns zuerst mit einer spezifischen Handhaltung, dem Vishnu Mudra, vertraut machen. Diese Handhaltung wird eingesetzt, um den Atemstrom zwischen dem rechten und dem linken Nasenloch zu regeln.
Vishnu Mudra wird im allgemeinen mit der rechten Hand durchgeführt, Linkshänder können auch die linke Hand verwenden.

1. Öffne die rechte Hand, beuge Zeige- und Mittelfinger und lege deren Fingerkuppen auf den Daumenballen.
2. Bringe den Daumen näher in Richtung Ringfinger; Ring- und kleiner Finger liegen eng aneinander.
3. Bei der Wechselatmung wird die rechte Hand so an die Nase gelegt, dass das Endglied des Daumens auf dem rechten Nasenflügel aufliegt und die Kuppe des Ringfingers auf dem linken. Abwechselnd wird so der Atemstrom auf einer Nasenseite freigegeben, während das andere Nasenloch mit geringstmöglichem Druck verschlossen wird.

Der Ablauf

Bei der folgenden Beschreibung wird vom Grundrhythmus der Wechselatmung, 3:12:6 ausgegangen, der in der nachfolgenden Übungstabelle unter Stufe 9 zu finden ist. Beginne, auf einer Stufe zu üben, die leicht und entspannt durchführbar ist, und schreite dann entsprechend der Tabelle fort. Eine Übungsstufe soll erst dann verlassen werden, wenn die nächstfolgende ohne Schwierigkeiten durchgeführt werden kann.

1. Nimm deine bevorzugte meditative Sitzstellung ein. Achte auf eine korrekte, aufrechte und gleichzeitig entspannte Haltung.
2. Atme ruhig und langsam ein und aus. Forme mit der rechten Hand das Vishnu-Mudra und schließe mit dem Daumen das rechte Nasenloch.
3. Atme langsam, gleichmäßig und vollständig durch das linke Nasenloch ein und zähle dabei bis 3. Achte dabei auf die volle Yoga-Atmung.
4. Schließe mit dem Ringfinger auch das linke Nasenloch und halte die Luft an, während du bis 12 zählst.Während des Anhaltens der Luft halten Ringfinger und Daumen die Nase verschlossen. Achte während des Luftanhaltens auf Entspanntheit vor allem im Schulterbereich.
5. Löse den Daumen vom rechten Nasenflügel und atme langsam und möglichst geräuschlos, bis 6 zählend, durch das rechte Nasenloch aus.
6. Atme wieder, bis 3 zählend, durch das rechte Nasenloch ein.
7. Halte die Luft an und zähle dabei bis 12.
8. Atme durch das linke Nasenloch aus und zähle dabei bis 6.

Die Zähleinheiten sind Sekunden oder Pulsschläge.

Dies ist eine Runde Nadi Shodhana, die also aus zwei Atemzügen und zwei Luftanhaltephasen besteht. Wiederhole die Schritte [3] bis [8] anfangs fünf bis zehn Mal, später steigere auf bis zu fünfzehn Runden. Beachte, dass die beschriebene Form der Wechselatmung bereits die Stufe 9 darstellt - wenn du Anfänger/in bist, ist es anzuraten, auf einer niedrigeren Stufe mit dem Üben zu beginnen.
Die Wechselatmung in einer einfacheren Variante ohne Atemanhaltephase heisst "Anuloma Viloma".

Der Übungsrhythmus und Variationen

Man kann die Wechselatmung in zahllosen verschiedenen Proportionen üben. Es wird aber generell der Basisrhythmus 1:4:2 (Einatmen : Luftanhalten : Aus-atmen) empfohlen (dies entspricht den Stufen 9, 12 und 15 in der Tabelle). Die obige Übungstabelle kann dir helfen, die Übung allmählich zu vertiefen und zu intensivieren. Gehe nicht zu schnell von einer Stufe zur nächsten - möglicherweise möchtest du einige Wochen auf einer bestimmten Stufe üben, um dich für die nächste wirklich bereit zu fühlen. Suche durch Ausprobieren von wenigstens fünf Runden (= zehn Atemzüge) aus, auf welcher Stufe du mühelos und entspannt üben kannst und beginne dann auf dieser oder auf der nächst niedrigeren Stufe mit dem Üben.

Wirkungen

● Die Nadis, die astralen Energiebahnen, werden gereinigt. Mit dem freieren Energiefluss fühlt man sich harmonischer, ausgeglichener und kann äußeren und inneren Widerständen gelassener begegnen. ● Ida und Pingala, die beiden Energiequalitäten im Menschen, werden ausbalanciert, was sich ebenfalls in einer ausgeglicheneren Haltung ausdrückt. ● Das tiefe und langsame Atmen, besonders wenn die Phase des Luftanhaltens hinzukommt, hat auf verschiedenen Ebenen des Menschen positive Wirkung - unter anderem verfügt man über mehr Energie, da Prana, die Lebensenergie bei langsamer Atmung und beim Luftanhalten besser aufgenommen werden kann. ● Für weitere bzw. allgemeine Wirkungen, die durch das Luftanhalten entstehen. ● Wenn die eigenen Grenzen respektiert werden, kann die Wechselatmung ohne Luftanhalten von jedem Menschen praktiziert werden. ● Wechselatmung mit Luftanhalten sollte nicht durchgeführt werden, wenn man einen inneren Widerstand gegen das Luftanhalten fühlt, weiters nicht von Schwangeren und von Kindern.

Online-Quellen & weiterführende Links

https://www.yogaakademieaustria.com/ https://www.yogaakademieaustria.com/bibliothek/yoga-b%C3%BCcher/yoga-f%C3%BCrs-leben/

Literaturempfehlungen

Arjuna P. Nathschläger: Yoga fürs Leben

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