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Samanda Zoblgepostet am: 12 March 2024

Die 12 Prinzipien der Permakultur

Die Prinzipien, die der Permakultur zugrunde liegen – mehr als nur Richtlinien für einen lebendigen Garten

Inspirierendes Wissen

Permakultur ist ein System, dass nicht nur einen Aspekt in seinem Wirken betrachtet, sondern immer mehrere Denkweisen in einer vereint, und so versucht, nachhaltige Entscheidungen zu treffen. Ein besonders schönes, da in den letzten Jahren immer bedeutungsvoller werdend, Wort, ist das Wort „enkeltauglich“. „Enkeltauglich steht für einen Entscheidungskomponente, die uns dazu auffordert, weiter zu denken - weiter als unsere Nasenspitze, weiter in die Zukunft und für das Wohl der Menschen - wir wollen Entscheidungen treffen, die für unsere Enkel noch wichtige und richtige Entscheidungen gewesen sein werden.

Einer der Begründer der Permakultur, David Holmgren, hat in der Betrachtung seiner Arbeit und der intensiven Auseinandersetzung mit seinem Lebenswerk 12 Prinzipen erkannt, die uns als Leitfaden dienen können, wenn wir beginnen, eine andere Denkweise in unser Leben zu integrieren.

Seine Prinzipien kannst du in seinem Buch nachlesen – du findest den Link gleich unten.

Seine Prinzipien sind wirklich lesenswert - denn wenn man genau hinsieht, dann kann man entdecken, dass jedes dieser Prinzipien auch auf das Leben zutrifft, und nicht nur auf den Garten – wenn man genau hinsieht, dann kann man erkennen, dass er in seinen Gärten Prinzipien der Natur entdeckt hat, die auf alles anzuwenden sind - auf den Garten, die Tiere, die Pflanzen, lebendige Systeme – Menschen.

Wir können sehr viel Weisheit aus diesen Prinzipien schließen - vielleicht fallen dir ja beim Lesen schon einige Bilder deines Lebens ein, wo sie zum Einsatz kommen?

Viel Spaß beim Eintauchen in diese weise Welt!

Der Text ist auf der Grundlage von Texten zu den Prinzipien von Ulrike Meißner entstanden.

Prinzip 1:

Beobachte und interagiere

Beobachten, beobachten, beobachten. Man könnte sagen, dass das der erste Schritt des Gestaltungsprozesses eines Gartens ist - man übersieht auf den ersten Blick viel, und durch aufmerksames Beobachten können hier eine Vielzahl von Möglichkeiten entstehen. Und hier beobachtet man nicht nur mit den Augen – hier beobachtet man mit allen Sinnen, man hört, man sieht, man riecht, man schmeckt, man fühlt.

Ein Beispiel hierfür ist die Kräuterspirale, die in einem kleinen Hof nahe der Küche gebaut worden ist – verschiedene Beobachtungen (wenig Platz, gleiche Klimabedingungen, der Wunsch Kräuter frisch zu ernten, verschiedene Kräuter brauchen verschiedene Bedingungen) haben zu einer genialen Lösung geführt.

Dieses Prinzip anzuwenden bedeutet, jeder Situation immer wieder neu und offen gegenüber zu stehen - offen und bereit dafür, was kommen mag.

Prinzip 2:

Sammle und speichere Energie 

Das Sammeln und speichern von Energie während die im Übermaß vorhanden ist, ist ein Prozess den wir in einer Vielzahl in der Natur beobachten können – und es ist außerdem ein Grundprinzip vieler chinesischer Gesundheitserhaltenden Praktiken, wie dem Taiji zum Beispiel. Im Rahmen der Permakultur spielt das Wechselspiel von Energiequelle und Energiespeicher eine Rolle – das Gras speichert zum Beispiel die Energie, die die Raupe zum Beispiel dann frisst und ebenfalls speichert, die Raupe frisst dann ein Vogel, ...

Aber auch im Rahmen der tatsächlichen Energie gedacht müssen wir denken -– die Speicherung und Erhaltung von Energie, die uns mit Strom versorgt, unser Wasser erhitzt, unser Essen kocht... all diese Elemente sind bedenkenswert, wenn wir danach streben, ein nachhaltigeres, lokal versorgtes und auf lange Sicht sogar autarkes Leben zu führen.

Ein Beispiel dafür, wenn man das direkt umsetzt, ist zum Beispiel das Strukturelement „Sonnenfalle“ – eine Bauweise, bei der die Ausrichtung nach Süden hilft, verschiedene Mikroklimate zu gestalten. In Südtirol am Esser-Hof wurde das so umgesetzt, dass das 3 Wohnungen in einer V-förmigen Form (ein weiteres Merkmal der „Sonnenfalle“), die nach Süden hin geöffnet ist, gebaut wurde. Durch die Öffnung in den Süden hin fällt so in den Monaten, in denen die Sonne tief steht, durch eine Glasfront Sonnenlicht & Wärme – die gegenüberliegende Seite ist mit Strohballen konstruiert, was eine Speicherung der Wärme ermöglicht.

Prinzip 3:

Erziele eine Ernte! 

Oder anders formuliert: „Stelle sicher, dass deine Arbeit wirklich nützliche Erträge hervorbringt.“

Um etwas lange am Laufen zu halten, damit es also nachhaltig ist, muss man mit seiner Arbeit nützliche Dinge hervorbringen. Mach Dinge von Wert, und Wert wird zu dir kommen.

Was für dich nützlich ist, oder wertvoll, ist natürlich völlig individuell. Im Rahmen der Permakultur könnte das zum Beispiel die Entwicklung vom abhängigen, fordernden Konsumenten zum verantwortlichen Produzenten sein. Für eine Privatperson kann der Anfang ein kleines Blumenkisterl mit frischen Kräutern sein – für einen Bauern ein erstes Feld, dass er nach Prinzipien der Permakultur bewirtschaftet.

Ein anderer Auslegungspunkt wäre zum Beispiel die Gestaltung der Grünflächen bei Spielplätzen – von „Luxusgrün“ zu sinnvollen Begrünungen. Also vom Kirschlorbeer zum Johannisbeerstrauch – hier geht es darum, einen Nutzen aus den Dingen zu ziehen, die man tut, denn dadurch werden sie länger Bestand haben.

Prinzip 4:

Nutze Selbstregulierung und akzeptiere Feedback

In der Beobachtung der Natur können wir überall natürliche Mechanismen der Regulierung entdecken. Eine effektive Selbstregulierung ist aber nur dann möglich, wenn eine möglichst große Vielfalt an Arten gegeben ist – je größer die Vielfalt an Tieren und Pflanzen, desto resilienter ist die Umgebung. Man kann es sich wie ein Fangnetz vorstellen – je enger die Löcher gestrickt sind, je größer kann der Aufprall sein, den das Netz halten kann.

Ein Beispiel für die Sinnhaftigkeit der Vielfalt ist die Geschichte des Walters Mergesins - er ist ein Südtiroler Apfelbauer, der die Wirtschaft von seinen Eltern geerbt hatte. Gleich zu Beginn seiner Bewirtschaftung als Monokultur hat er begonnen, sich nach weiteren Pflanzen umzusehen, die zu seinen Apfelbäumen passen würden – und hat in Folge Erdbeeren, Feigen, Pfirsiche, Himbeeren und anders angebaut. So konnte er einer Baumkrankheit entgehen, deren einziges Gegenmittel sonst nur die Rodung der Bäume ist – seine Artenvielfalt hatte ihn und seine Bäume vor dem Aus bewahrt.

Über Feedback sagt David Holmgren, dass es wichtig ist, es anzunehmen. In manchen Kulturen sagt man, dass man die Entscheidungen der Väter noch sieben Generationen nachher zu sehen sind – daher sollten wir jetzt die richtigen Entscheidungen treffen, mit bestem Wissen und Gewissen.

Prinzip 5:

Nutze & Schätze erneuerbare Energien und Dienstleistungen

Erneuerbare Energien sind nach Holmgren diejenigen Ressourcen, die durch natürliche Prozesse in absehbaren Zeiträumen erneuert oder ersetzt werden können. Das heißt, Rohstoffe von Pflanzen, Tieren, lebendigem Boden und Wasser werden verwendet - nicht, wie im aktuellen allgemeinen Tenor der Anbau von Pflanzen in riesigen Monokulturen, die dann zu „erneuerbaren Rohstoffen“ verarbeitet werden.

Angewendet auf den Kontext der Permakultur wäre ein Beispiel die Verwendung von Sträuchern oder Bäumen als Sonnenschutz – im Gegensatz zu einem Sonnenschirm, der aus viel Plastik hergestellt wird.

Eine Daumenregel um festzustellen ob eine Ressource wirklich nachhaltig ist, ist folgende Frage: „Wird die Funktion oder das Produkt mindestens so lange halten, wie die eingesetzte Ressource braucht, um sich zu erneuern?“

Das ist nicht nur grundsätzlich eine gute Daumenregel, sie hilft auch dabei, Ressourcen einzuschätzen, wenn man neue hinzunehmen möchte. Wasser und Wind, Sonne und Wärme sind Faktoren, die sich täglich erneuern – aber was ist zum Beispiel schon mit Ressourcen wie Holz? Holz wächst langsamer, als man es fällt. Überlegungen dazu, wie man mit diesem Rohstoff umgeht, muss man auch saisonale und regionale Faktoren miteinbeziehen – je nachdem, wo man sich befindet, sind die klimatischen Bedingungen anders, und verschiedene Hölzer können verschieden gut wachsen.

Wenn man davon ausgeht, dass man seine Ressourcen schätzt, dann kommt einem noch ein anderer Aspekt in den Sinn – man versucht, das vorhandene Material möglichst gut zu verwenden. Wenn wir uns also an den Baum erinnern, der gefällt werden soll, dann geht es darum, möglichst viel von dem Baum zu verwenden – wir wollen nicht nur schöne Bretter schneiden, und aus den Resten Brennholz machen, wir können aus langen & dünnen Ästen vielleicht einen Zaun oder eine Beetabtrennung machen, oder wir verwenden die Späne als Schichten in unseren Beeten.

So, wie unsere Großeltern früher alle Teile eines Tieres verwendet haben, dass sie geschlachtet haben, so sollten wir diesen respektvollen Umgang mit unseren Ressourcen wieder einführen – egal, um wen oder was es geht.

Prinzip 6:

Produziere keinen Abfall! 

“Produziere nur Dinge, die dir nicht zu einem Versorgungsproblem werden.“

Das ist ein weiterer wichtiger Grundsatz, den David Holmgren in seinem Buch statuiert – man könnte sogar sagen, dass jeder Abfall eine ungenutzte Ressource darstellt. In der englischen Permakultur-Kultur gibt es ein Motto – „Refuse, reduce, reuse, repair, recycle!“

Wenn man jeden dieser Punkte weiter ausführt kommt man zu einem guten Leitfaden, wie man Abfall vermeiden kann – und genau deswegen gehen wir jetzt näher auf sie ein.

Refuse“ – Das erste Prinzip ist es, „Nein“ sagen zu lernen - das abzulehnen, was man nicht wirklich braucht. Wenn man „Nein“ sagen kann, dann wird es mit der Zeit bestimmte Dinge nicht mehr geben - manche Konsumgüter zum Beispiel. Mode ist hier ein ganz prominenter Punkt - dieses Prinzip eignet sich ganz wunderbar, um genau das in Frage zu stellen. Aber auch metaphorisch lässt sich diese Einstellung übertragen - wenn man lernt, „Nein“ zu sagen, zu bestimmten Verhaltensweisen zum Beispiel, dann werden diese nach einer Umstellungsphase schlussendlich nicht mehr da sein.

Reduce“ – Hier ist die Frage nach dem wirklich nötigen prominent. Es geht natürlich nicht darum, in einen Mangel hineinzugehen, viel mehr geht es darum, herauszufinden, in welchen Dingen sich vielleicht ein doppelter Nutzen versteckt - oder dreifach, vierfach.. einer der schönsten Wege, das herauszufinden, ist ganz bestimmt nur mit einem Rucksack auf Reisen zu gehen - je länger man unterwegs ist, desto mehr wird man merken, was man wirklich braucht, was mehrere Zwecke erfüllt, und, besonders wichtig, was man einfach gar nicht braucht.

Reuse“ – Dinge, die man wiederverwenden kann, sollte man auch wiederverwenden - entweder zum selben Zweck, oder zu einem besseren. Inzwischen gibt es schon unendlich viele Anleitungen, wie man vermeintlichen Müll wiederverwenden kann - von Eierkartons bis hin zu Plastikflaschen, die Menschen sind sehr kreativ, und viel davon kommt unserer Erde zu gute.

Repair“ – Wenn etwas kaputt wird, dann repariere es. Das verlängert die Lebenszeit von verschiedenen Objekten um ein Vielfaches, und hat sich schon seit immer bewährt - wir müssen uns nur wieder erinnern. Dabei sollte man bedenken, dass es viel einfacher ist, Dinge zeitnah zu reparieren, gleich wenn sie kaputt werden - das Loch in einer Socke wird zum Beispiel immer größer, je öfter man sie noch anzieht, nachdem man das Loch entdeckt hat.

Recycle“ – „Schaffe Kreisläufe anstelle von Abflüssen“. Dieses Prinzip erinnert uns daran, dass wir beginnen sollten, unser Denken umzuändern - von der linearen Wegwerfgesellschaft hin zu Kreisläufen. Ein ganz klassisches Beispiel ist der Kompost, den man im Garten hat: Man baut das Gemüse an, erntet es, verarbeitet es, und die Reste landen auf dem Kompost - jeder Schritt in diesem Kreislauf nährt eine Station dieses Kreislaufes, und nichts bleibt als Abfall über. Wir können unser Leben zyklisch gestalten, anstatt linear - wenn wir das als unser Ziel setzen, dann können wir eine gemeinsam eine Erde mitgestalten, die uns alle nährt, und in der kein Abfall entsteht.

Prinzip 7:

Gestalte erst Muster, dann die Details. 

Das siebte Prinzip der Permakultur spricht davon, dass wir das große Ganze im Auge behalten, während wir uns den Details widmen. Es spricht von den Mustern, die wir in der Natur finden – und wie wir sie in die Planung unseres Gartens einbauen können - dabei geht es auch viel darum, was wir in unserer unmittelbaren Natur finden. Wenn wir unseren Garten der Klimazone anpassen, dann ist er gesünder, resilienter – natürlicher.

Ein nützliches Tool für die Planung unseres Gartens ist eine Planung nach Zonen und Sektoren. Zonen sind in der Permakultur um ein Zentrum angeordnet – „Zone Null“ ist meist das Wohnhaus. Die Zonierung bildet sich nach der Nutzungsintensität – je näher eine Zone zur Zone Null ist, desto intensiver wird sie genutzt. Bei dieser Analyse werden wie beim ersten Prinzip „Beobachte und interagiere“ das Grundstück ganz genau beobachtet – wie kann welche Fläche optimal genutzt werden? Welche Böden gibt es, die wie genutzt werden können? Wo muss man vielleicht auf besondere Umstände aufpassen wie starke Feuchtigkeit, oder wo kommt besonders viel Sonne hin?

Das Wohnhaus ist Zone Null, in Zone Eins sind wässerungsintensive Zonen wie Gemüsebeete oder zum Beispiel das Gewächshaus. In der Zone Zwei zum Beispiel der Hühnerstall oder Beerensträucher, in Zone 3 Teiche, und so weiter.

Bei der Sektoranalyse kann man auch immer aus der Vogelperspektive die Wechselwirkungen der einzelnen Sektoren beobachten, und sehr viel über sein Grundstück lernen.

Prinzip 8:

Integriere eher, als zu trennen

Bei diesem Prinzip geht es darum, Elemente zu integrieren, als sie zu trennen, um Beziehungen entstehen zu lassen, in denen sich die Elemente gegenseitig tragen.

Denn wenn die richtigen Dinge an dem richtigen Ort sind, dann können Beziehungen entstehen. Durch das Prinzip „Zur richtigen Zeit am richtigen Ort“ können sie sich bilden, aber nicht nur das, auch Wechselwirkungen können so zustande kommen.

Es scheint in der Natur so zu seim, dass Symbiosen und Kooperationen Lebenssysteme anpassungsfähiger machen - daher versucht die Permakultur Situationen zu erschaffen, in denen Kooperation passieren kann. Denn das führt uns zur Natur zurück - auf der anderen Seite scheint Anpassungsfähigkeit immer wichtiger zu werden, angesichts der Veränderungen in der Welt, die uns bevorstehen.

David Holmgren hat dabei zwei Merksätze formuliert:

„Jedes Element erfüllt weitere Funktionen“

“Jede wichtige Funktion wird von mehreren Elementen abgedeckt“

Wenn man so denkt, dann merkt man ganz intuitiv, dass ein Lebenssystem unweigerlich sehr resilient, und dadurch sehr natürlich ist. Das ist ein erklärtes Ziel der Permakultur.

Und um solche Situationen bewusst zu erschaffen kann es helfen, eine konkrete Input-Output-Analyse zu machen. Dabei sieht man sich an – was braucht ein bestimmtes System? Und was erzeugt es?

Ein Beispiel sind wandernde Hühnerkäfige – die Hühner wollen zum Leben Wasser, Futter und Wetterschutz. Sie produzieren Mist, Wärme und Federn, und sie können picken und kratzen. Wenn man das alles genau weiß, kann man es auch gezielt einsetzten – durch den wandernden Käfig kann man die Hühner auf abgeerntete Felder stellen, auf denen die dann Parasiten abpicken und düngen.

Prinzip 9:

Nutze kleine und langsame Lösungen

Kleine Schritte sind besser abzuschätzen - deswegen lohnt es sich oft, in kleinen Schritten anzufangen. Ein vorgehen in kleinen Schritten gibt uns die Möglichkeit, unsere langfristigen Folgen abzuschätzen. Die Permakultur möchte langfristig und nachhaltig denken, und das geht leichter, wenn man die Folgen besser abschätzen kann.

„Eine gegebene Menge Energie kann eine große Masse langsam bewegen oder eine kleine Masse schnell, aber nicht beides.“ sagt Holmgren dazu. Beim Aufbau von Projekten heißt das, dass man schon von Anfang an die Erhaltung der Projekte berücksichtigt, und nur Ressourcen verwendet, die man auch wirklich zur Verfügung hat.

Beispiele für einfache und langsame Lösungen bietet der Lebensort von David Holmgren:

  • Bauholz wird von kleinen lokalen Sägewerken zerschnitten - dadurch kann man das beste aus den Baumstämmen herausholen
  • Selbstproduziertes Essen, ergänzt von gelegentlichen Großeinkäufen, reduzieren die Transportwege, und dadurch, die Energie, die verbraucht wird
  • Langsam angesparte Rücklagen werden genutzt, um eine graduelle Entwicklung zu finanzieren, statt mit geliehenem Geld schnelles Wachstum zu ermöglichen

Prinzip 10:

Nutze und schätze die Vielfalt! 

Die Vielfalt von Systemen macht diese widerstandsfähiger – wie schon bei der Selbstregulierung, die auch auf der Vielfalt fußt. In diesem Prinzip wird aber nochmal deren Wichtigkeit unterstrichen im Zusammenhang mit der natürlichen Entwicklung von Ökosystemen. Bei der Bildung von Ökosystemen ist nicht unbedingt die Anzahl der Lebewesen wichtig – sondern die Beziehungen, die sie untereinander haben.

Auch um Systeme langfristig gesund zu halten ist es wichtig, die möglichst vielfältig zu halten – und was zu beginn vielleicht wie eine riesige Denksportaufgabe wirkt, ist in Wahrheit recht einfach – so können Schafe und Rinder sich zum Beispiel leicht eine Weide teilen, denn sie bevorzugen unterschiedliche Längen der Grashalme. Wenn man in das Leben von uns Menschen schaut, dann könnte man zum Beispiel sagen, dass es genauso gut ist, sich nicht nur auf ein „finanzielles Pferd“ zu setzen – je breiter man aufgestellt ist, desto besser ist man für die Stürme des Lebens gerüstet.

Prinzip 11:

Nutze die Randzonen, schätze das Marginale!

Wir haben schon gelernt, dass Orte, an denen Symbiosen entstehen können, besonders erstrebenswert sind – und genau das sind die Randzonen, die Zone, in denen verschiedene Teile des Gartens aufeinander treffen. Diese sind besonders produktiv und vielseitig. In der Natur ist das zum Beispiel der Übergang von Wasser auf Land – dort treffen Welten aufeinander, und das Leben ist besonders vielfältig und intensiv. In unserem Garten kommt es besonders auf einen lebendigen Boden an – ein gut durchlüfteter und durchlässiger Boden ist die große Schnittstelle, die Pflanzenleben in den Randzonen unterstützt.

Auf unserem Planeten ist die Randzone übrigens die mit Humus bedeckte Erdschicht – die Randzone zwischen der Erdatmosphäre und dem mineralischem Untergrund. Unser Leben hängt von dieser Randzone ab – wenn wir es so betrachten, dann können wir die Randzonen in unserem Garten vielleicht auch noch einmal mehr schätzen.

Wenn man die Produktivität eines Gartens erhöhen will, ohne noch mehr Fläche dazu zu nehmen, dann kann man einfach die Randzonen erhöhen – und dort den Boden unterstützen durch allerlei Bodengesundheitsmethoden, wie zum Beispiel dem Mulchen.

Prinzip 12:

Nutze Veränderung & Begegne ihr mit Einfallsreichtum 

“Wir können unvermeidliche Veränderungen positiv beeinflussen, wenn wir sie sorgfältig beobachten und zum richtigen Zeitpunkt eingreifen.“

Alles kann uns zum Vorteil gereichen – wir müssen nur unseren Blickwinkel dahingehend ändern. Ein Bereich, wo wir dieses Prinzip anwenden könnten ist unser Kot – im Moment vermischen wir ihn mit Trinkwasser (einem Lebensmittel!) und senden diese menschengemachte Mischung in Anlagen, wo sie erst recht wieder getrennt werden, und die Reste davon werden dann häufig verbrannt. Das 12. Prinzip in Anwendung würde in dem Fall so aussehen, dass wir unseren Kot in Komposttoiletten sammeln – dort kann es auf natürliche Weise abgebaut werden, ohne dass es unser Trinkwasser verschmutzt. Auch eventuelle Rückstände von Krankheitserregern oder Arzneimitteln können von der Natur besser abgebaut werden als in Kläranlagen.

Grundsätzlich sollten wir immer gründlich überlegen, bevor in ein natürliches System eingreifen. Kleine, wohlüberlegte Veränderungen können wertvoller sein, als ständige, große.

Das alles sind Anregungen – und natürlich ergänzen, vervollständigen oder wechseln sich diese Prozesse ab - sie können auch nacheinander auftreten.

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Kommentare (1)

Hannelore Olbrich24/03/2024
Könntet ihr den Link zu dem Buch noch schreiben? Vielen lieben Dank für die Impulse. Herzliche Grüsse Hanna Maria

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