Foto: Franz Knittelfelder
Outdoor - Trenntoilette
Vom Plumpsklo-Image zum Gold-Status
Vorzeigeprojekt
Die Scham und der Ekel vor unseren Ausscheidungen wurden uns in die Wiege gelegt, diese abzulegen ist ein Prozess
(Lösung von VielfaltsVisionär Franz Knittelfelder)Nachdem Sonja und ich ein sommerbewohntes Ferienhaus zum Eigenheim upgecycelt und die verwilderte Böschung in einen Selbstversorgergarten umgestaltet hatten, ploppte ein weiteres Projekt auf: Eine Komposttoilette für den Naturkreislauf
Diese hat für uns eine Mehrfachnutzen:
1) Wir müssen nicht in Arbeitskleidung und dreckigen Schuhen durchs Haus und hinterlassen Spuren
2) Wir haben ein „Anschauungsmodell“ für unsere Vielfaltstage-TeilnehmerInnen zum Benutzen und Nachbauen.
3) Wir sparen Trinkwasser und gleichzeitig Wasser- und Kanalgebühren
4) Wir nutzen vorhandene Ressourcen als Streumaterial
5) Wir produzieren „braunes“ und „gelbes“ Gold, sprich unseren eigenen Kompost und Flüssigdünger
Die PRO-Argumente wandeln unser Umfeld
Für die Unterbringung unserer neuen Outdoor-Toilette wählten wir einen uneinsichtigen Bereich in unserer selbst gezimmerten Gartenhütte aus regionalem Holz. Einige Zeit verheimlichten wir Besuchern, was sich hinter der Tür des kleinsten Raumes verbirgt, dann öffneten wir verschämt die Tür. „Was, ihr habt ein Plumpsklo?“, „Wuah, das stinkt ja sicher voll!“ und „Muss ich das jetzt auch benutzen?“ waren zwar die ersten Reaktionen. Doch als wir unsere PRO-Argumente vorbrachten, waren wir überrascht, wie schnell sich die Meinung der Menschen aus unserem Umfeld zum Positiven wandelte. Mittlerweile haben sich zwei Freundinnen auch eine Trenntoilette für die Benutzung im Haus aufgestellt.
Seit dem Image-Upgrade von „Plumpsklo“ auf „Goldproduktion“ thematisiere auch ich die Trenntoilette mit Stolz als Beitrag zum Aufbau von gesundem Boden in meinen Humus-Events.
Unsere Erfahrungen aus der Praxis auf Basis Hausverstand
Lüftung: Das Einbauen der mitgelieferten Lüftung ergibt doch einen Sinn: Vor allem im Sommer schwitzt auch die Trockentoilette und im Holzbehälter, wo Kübel und Kanister stehen, legt sich Schimmel an. Eine offene Klobrille hilft zwar auch, zieht aber im Sommer auch Fliegen an
Po-Sit(z)ion: Als fast 2 m großer Mann ist es kein Thema, dass mein Po beim Hinsetzen die Klobrille so benutzt, dass „gelbes“ und „braunes Gold“ in den richtigen Kanister treffen. Sonja durfte lernen, dass halbherziges Draufsitzen zu Treff-Unsicherheiten führen kann.
Verwendung „gelbes Gold“: Wir mischen unseren Urin 1:10 mit Wasser aus unserem Regentank und düngen damit unsere Pflanzen. In unserem ersten Winter, als unser Grund gefroren und schneebedeckt war und wir keinen großen Sammelbehälter hatten, entsorgten wir überschüssige Mengen über die Klospülung in den Abwasserkanal. Besser wäre gewesen, damit in den Wald zu gehen, aber wir lernen noch dazu.
Verwendung „braunes Gold“: Wir kompostieren unseren Kot samt organischen Streumaterial ca. 1 bis 2 Jahre, bevor wir ihn als Ersatz für Kuhdung oder Pferdemist in unserem Garten verwenden.
Erfrischender Morgenstart: Unsere Outdoortoilette bietet einen erfrischenden Start in den Tag, vor allem wenn der Gang barfuß und spärlich gekleidet durch den Schnee erfolgt.
Ausstattung unseres Trenntoilettenhäuschens:
Gebrauchsanweisung: Eine befreundete Grafikerin hat uns eine „Gebrauchsanweisung“ mit unserem Logo und unseren Logofarben entworfen (Individualisierungs-Aufträge werden gerne von ihr angenommen)
Mistkübel für Toilettenpapier, Feuchttücher, Hygieneartikel (Sonja vermeidet während einer Blutung jedoch die Benutzung der Trenntoilette)
Toilettenpapier und entsprechende Halterung (Entsorgung im Mistkübel)
Sprühflasche mit Effektiven Mikroorganismen (EM) zum Nachsprühen in den Urineinsatz (Sagt uns das Bauchgefühl)
DIY-Raumspray aus ätherischen Ölen (In eine upgecycelte 100 ml Sprühflasche 80 ml eines geruchlosen Alkohols - ca. 70% Volumenalkohol oder Ethanol - und 10 ml Wasser füllen und 60 Tropfen ätherisches Öl nach Wahl dazugeben).
Feuchttücher (für Reinigung von Po und Toilettenbestandteilen)
Komposttierbare Sackerl für den „Braunes-Gold“-Kübel (Wir kompostieren dennoch ohne Sackerl und entsorgen dieses im Restmüll)
Behältnis und kleine Schaufel für Streumaterial (Wir verwenden Sägespäne, die beim Brennholzschneiden anfallen, trockene Fichtennadeln, Obststreu, Rindenmulch, Holzasche, trockene Erde oder was uns halt an verrottbaren Ressourcen geeignet erscheint)
Ein oder mehrere Ersatzkanister „Gelbes Gold“ (Je nach Familiengröße ist ein 10 l – Kanister bald mal voll, deshalb vor Toilettengang immer Fassungsvermögen kontrollieren, um ungewolltes Überlaufen zu verhindern.)
Gegebenenfalls Ersatzkübel für „Braunes Gold“ (Aufgrund von Unkenntnis der Ernährungsgewohnheiten, Gesundheitszustand und Medikamentenrückständen bei Besuchern haben wir uns entschieden, Gästeausscheidungen künftig separat in einem Waldgrundstück zu verdüngen.)