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Franz-Josef U.gepostet am: 20. März 2024

Masanobu Fukuoka

Japanischer Permakultur-Pionier (1913 – 2008)

Do it yourself

Lange bevor die Australier Bill Mollison und David Holmgren den Begriff Permakultur in den 1970er Jahren einführten entwickelte Masanobu Fukuoka seine Philosophie von einer naturnahen Landwirtschaft, die er auf seinem Anwesen erfolgreich umsetzte.

 

Für ihn war die Natur vollkommen. Deshalb war es für ihn das Wichtigste, eine sich selbst überlassene Natur zu beobachten, um die ursprünglichen Gesetze und Prinzipien zu entdecken. Für ihn war die ursprüngliche, vom Menschen unberührte Natur Gott. Sein Ziel war es, diesem ursprünglichen Zustand wieder nahe zu kommen. Siehe: Die sieben Stufen des Landbaus nach Masanobu Fukuoka:

https://vivoterra.com/7-stufen-des-landbaus/

 

Ich glaube, dass am ehesten Indigene wie z.B. die in Kolumbien beheimateten Kogis solch eine Landwirtschaft im Einklang mit der Natur praktizieren (siehe Éric Julien „Der Weg der neun Welten, Die Kogi und ihr Urwissen vom Leben im Einklang mit Himmel und Erde“, Seite 303). Sie berücksichtigen z.B. das Tag- und Nachtverhalten der Tiere, den Zyklus der Pflanzen, den Sonnen- und Mondzyklus, die regionalen Besonderheiten, Regen, Wind, Temperatur und auch astronomische Konstellationen. Bei ungünstigen Verhältnissen wird die Saat um ein paar Tage verschoben.

 

"Wie wäre es, dies nicht zu tun? Warum jenes nicht unterlassen?"

Das war die Art, wie Masanobu Fukooka dachte.

 

Daraus entwickelt er seine Nichts-Tun-Landwirtschaft.

Das bedeutet aber nicht, dass für seine Art der Landwirtschaft keine Arbeit notwendig ist. Er hat jedoch auf überflüssige oder sogar schädliche Praktiken verzichtet, was gut für Mensch und Boden ist.

 

Er hat seine Äcker und Obstplantagen nie gepflügt, keinen chemischen Dünger verwendet, Unkraut wurde nicht gejätet und nicht mit Herbiziden und Schädlinge nicht mit Pestiziden bekämpft. Er benutzte keine Maschinen. Ernteabfälle wurden wieder aufs Feld zurückgebracht. Bäume wurden nicht beschnitten, auch nicht die Wurzeln. Das Resultat war ein überaus fruchtbarer Boden mit viel Humus und hervorragenden Ernten mit hohen Nährstoffgehalten und viel Geschmack. Ganz nebenbei ergaben sich auch positive Effekte für Klima, Artenvielfalt, Wasserqualität und Gesundheit.

 

Keine Bodenbearbeitung, nicht pflügen:

 

Durch Bodenbearbeitung wird das Bodenleben gestört und die Fruchtbarkeit des Bodens zerstört. Masanobu Fukuoka überließ es z.B. den Mikroorganismen, den Regenwürmern, den Wurzeln und Maulwürfen, den Boden zu bearbeiten.

Die Vorteile der Landwirtschaft ohne Bodenbearbeitung sind weltweit anerkannt, Deutschland ist jedoch unter den Schlusslichtern in der Ausbreitung.

https://soilify.org/magazin/zukunftsfaehiger-ackerbau-ohne-bodenerosion/

  

Direktsaat:

 

Masanobu Fukuoka hat seine Reis- und Weizenfelder in Direktsaat bewirtschaftet. Den Samen hat er breitwürfig ausgestreut, nicht in Reihen und nicht mit Erde bedeckt. Damit Vögel und Nager die Samen nicht fressen, hat er die Samen mit Ton, Erde und Wasser vermischt und daraus Seed Pelletts / Seed Balls (auch als Samenbomben bekannt) hergestellt. Außerdem hat die Strohmulch die Vögel abgehalten.

https://f-masanobu.jp/en/nendodango/

https://de.wikipedia.org/wiki/Samenbombe

 

Mittlerweile wird auch in Deutschland von einigen Landwirten die Direktsaat ohne Bodenbearbeitung (No-till) praktiziert. Jedoch werden hier Saatmaschinen genutzt, die die Erde lediglich aufschlitzen, die Samen in den Schlitz legen und anschließend den Schlitz wieder zudrücken.

https://soilify.org/magazin/direktsaat-no-till-umstellung/

https://www.pfluglos.de/beitraege/articles/no-till-einfuehrung

 

 

Kein chemischer Dünger:

 

Masanobu Fukuoka ist davon ausgegangen, dass der Boden nicht gedüngt werden muss. Und seine Äcker und Gärten geben ihm recht. Bäume im Wald wachsen auch ohne Dünger. Wichtig ist, dass der Boden immer bedeckt ist. Die Gründüngung (Weißklee), Geflügelmist und Stroh (Reisstroh beim Getreideanbau, Getreidestroh beim Reisanbau, um Pflanzenkrankheiten zu vermeiden) waren ausreichend für einen gesunden Boden. Das Stroh hat er nicht gekürzt und nicht gleichmäßig nebeneinander verteilt. Er hat ganze Halme kreuz und quer aufs Feld gegeben. Es dauert allerdings ein paar Jahre bis ein ehemals karges Feld die gewünschte Fruchtbarkeit erreicht. 

 

 

Unkraut nicht jäten oder mit Herbiziden bekämpfen:

 

Die Unterdrückung des Unkrauts erreichte Masanobu Fukuoka durch Strohmulch, eine Bodenbedeckung aus Weißem Klee und zeitweiliges bis max. 10 Tage dauerndes Überfluten der Felder (in der Regenzeit) um das Unkraut zu schwächen und den Getreidepflanzen einen Wachstumsvorsprung zu schaffen. In den Obsthainen wurde einmal im Jahr das Unkraut mit der Sense gemäht.

 

Leider ist es so, dass Experten für Direktsaat immer noch Herbizide empfehlen und Landwirte diese auch in der Direktsaat benutzen.

 

 

Schädlinge und Krankheiten nicht mit Pestiziden bekämpfen:

 

Der beste Weg, um die Ernte vor Insekten und Krankheiten zu bewahren, sind kräftige Pflanzen in einer gesunden Umwelt mit großer Artenvielfalt. Wenn die natürlichen Fressfeinde nicht ausgerottet werden, halten sich die Ernteschäden durch Insekten etc. in Grenzen. Die Natur sorgt immer für ein Gleichgewicht.

 

 

Tierhaltung:

 

Masanobu Fukuoka lehnte Massentierhaltung ab und bevorzugte freies Grasen in der Natur. Hühner und Gänse durften in seinen Gärten herumlaufen.

Sie halfen die Schädlinge zu begrenzen und sorgten mit ihrem Kot für eine natürliche Düngung des Bodens.

 

 

Bewässerung:

 

Masanobu Fukuoka brauchte seine Felder kaum zusätzlich zu bewässern.

Der nicht bearbeitete Boden kann das Wasser sehr gut speichern, die ständige Mulchschicht verhindert die Verdunstung und hält den Boden feucht.

Nur in den Monaten Juli und August musste er seine Äcker einmal wöchentlich wässern.

 

Um in unseren Breitengraden in den immer trockener werdenden Sommern genügend Wasser für die Landwirtschaft zu Verfügung zu haben, empfiehlt es sich, dass Landwirte (oder auch Gemeinden) Teiche anlegen oder Wasser in Zisternen sammeln. Dadurch kann auch das Grundwasser geschont und Konflikte um Trinkwasser vermieden werden.

 

 

Umstellung:

 

Um die Landwirtschaft auf eine naturnahe, nachhaltige Landwirtschaft umzustellen, muss es bei den Bauern klick machen. Es ist Kopfsache diesen Paradigmen-wechsel zu erreichen.

 

Aber es muss auch der politische Wille vorhanden sein. Die Bauern müssen bei einer Umstellung ihrer Höfe die ersten ca. 10 Jahre staatliche Unterstützung erhalten, da die degradierten Böden erst langsam wieder ihre Fruchtbarkeit zurück erhalten und die Ernten in dieser Anfangszeit geringer ausfallen.

Außerdem dürfen Lebensmittel aus naturnaher Landwirtschaft nicht teurer sein als Lebensmittel aus der industriellen Landwirtschaft. Fukuokas Methode spart viel Arbeit, Kunstdünger, Pestizide und Agrardiesel. Daher sind Lebensmittel, die nach seiner Methode angebaut werden, konkurrenzfähig – und gesünder.

 

In Sikkim (indischer Bundesstaat) hat das mit dem politischen Willen und der Umstellung anscheinend funktioniert - Der erste Bio-Staat der Welt:

https://www.sonnenseite.com/de/zukunft/der-erste-bio-staat-der-welt-sikkim/

https://www.indienaktuell.de/umwelt/sikkim-weltweit-erster-oeko-staat-690790

 

In Sri Lanka hingegen führte das Verbot von Pestiziden und künstlichem Dünger ohne entsprechende staatliche Begleitmaßnahmen zu wirtschaftlichen Schäden und Hunger:

https://www.trendsderzukunft.de/schlecht-vorbereitet-sri-lankas-zwang-zur-oekologischen-landwirtschaft-endet-im-desaster/

 

Masanobu Fukuoka hat seine Methode in Japan und an die dortigen Verhältnisse entwickelt. Daher sind sie nicht eins zu eins auf alle Länder und Gebiete übertragbar, da überall die Natur anders ist. Aber die Prinzipien können überall beachtet werden. Es lohnt sich daher, sich eingehender mit seiner Philosophie zu beschäftigen.

 

 

Bücher von Masanobu Fukuoka:

 

Der große Weg hat kein Tor

Die Suche nach dem verlorenen Paradies

Rückkehr zur Natur

In Harmonie mit der Natur

https://pala-verlag.de/?s=fukuoka&post_type=product

 

Heute wird seine Arbeit von seinem Sohn Fukuoka Masato fortgesetzt:

https://www.japandigest.de/kulturerbe/geschichte/kunsthandwerk/fukuoka-masanobu/

Die Website der Masanobu-Fukuoka-Farm:

https://f-masanobu.jp/en/

Passende Angebote

Der Große Weg hat kein Tor

Grundlagenwerk der alternativen Ernährungsbewegung

Die Suche nach dem verlorenen Paradies

Rückbesinnung auf natürliche Landwirtschaftsmethoden

Rückkehr zur Natur

Die Philosophie des natürlichen Anbaus

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