Foto: https://unsplash.com/de/@fakurian

Anita Maasgepostet am: 31. März 2023

Epigenetik

Wie Gedanken deine Gene regulieren - mit Visualisierungsübung

Inspirierendes Wissen

»Vertraue ins Leben, alles wird gut«

– wie oft hören wir diesen Spruch. Und wie gerne würden wir daran glauben. Im Jugendalter und als junger Erwachsener konnte ich mein Vertrauen

in mich und mein Leben mit der Lupe suchen. Wenn wir nicht vertrauen, dann herrschen unsere Ängste vor. Ich bremste mich stets selbst aus, versteckte mein Inneres vor anderen Menschen und traute mir nur wenig zu. Doch wer kennt es nicht?

Erst wenn der Leidensdruck zu groß wird, sehen wir ein, etwas verändern zu müssen. Und so begann ich, mir Hilfe zu holen, meine eigene Lebensgeschichte aufzuarbeiten, unterdrückte Gefühle zu befreien und destruktive Glaubensätze nachhaltig zu verändern. Mein Schutzpanzer wich Herzlichkeit und Verletzlichkeit, meine Angst zu versagen verwandelte sich mehr und mehr in Zuversicht, Selbstvertrauen und Tatendrang. Mein  Bedürfnis nach Sicherheit verwandelte sich in Risikofreude und die Sehnsucht, neue Gewässer zu erforschen ob privat oder beruflich. Erst wenn wir vertrauen, können wir lebendig und mit Leichtigkeit leben.

Doch nicht nur mein geistiger Zustand veränderte sich durch meine Persönlichkeitsentwicklung nachhaltig, auch körperlich ging es mir deutlich

besser. Ich wollte die Verbundenheit von Geist und Körper verstehen. Damals ahnte ich nicht, dass mein neu gewonnenes Vertrauen ins Leben

sogar meine Gen-Expression positiv beeinflusst. Doch als ich das erste Mal in Kontakt mit der revolutionären Wissenschaft der Epigenetik kam,

wusste ich, ich folge der richtigen Spur.

Die Epigenetik: Eine neue Perspektive

Doch woher kommt diese noch teils unbekannte Wissenschaft, die uns die Verantwortung für unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden zurück

in unsere eigenen Hände legt? Die Silbe »Epi« bedeutet übersetzt so viel wie »darüber hinaus«.

Also ein Mechanismus über der Genetik. Den Begriff gibt es schon seit fast 80 Jahren. Doch noch vor 1980 hatten sich nur wenige Zell- und Molekularbiologen mit der Epigenetik auseinandergesetzt, gar von ihr gehört. Ihren Aufschwung hat sie besonders nach der Entschlüsselung des menschlichen Genoms im Jahre 2002 erlangt, als deutlich wurde, dass über die Genetik nur ein Bruchteil der komplexen Vorgänge im Körper

erklärt werden kann.

Folgendes Beispiel versinnbildlicht den Unterschied von Genetik und Epigenetik. Die Genetik hält den Bauplan für unsere Zellen und somit unseres Körpers bereit. Sie kann im übertragenen Sinne verglichen werden mit der Hardware eines Computers. Die Epigenetik hingegen entscheidet, wie die Gene abgelesen werden, und ist in unserem

Beispiel die Software des Computers. Sie hat also die Macht darüber zu entscheiden, welche Gene in deinem Körper aktiviert werden und wirken können oder welche Gene stummgeschaltet werden. Gene können für uns förderlich sein oder destruktiv auf uns wirken. Und jetzt die großartige Erkenntnis: Unsere Gedanken, Glaubenssätze und Gefühle nehmen Einfluss auf unsere Epigenetik und können so unsere Gene regulieren.

Foto: https://unsplash.com/de/@moritz_photography
Foto: https://unsplash.com/de/@sammywilliams
Foto: https://unsplash.com/de/fotos/vnpTRdmtQ30

Vom Gedanken bis zur Genaktivität

Doch wie funktioniert dieser Mechanismus? Gedanken und Glaubenssätze lösen in dir die Ausschüttung von Botenstoffen aus. Diese nimmst du als Gefühl oder Emotion wahr. Sie docken an deine Zellen an und lösen eine Signalkaskade aus, die bis in den Zellkern auf deine epigenetische Genregulierung wirken.

So führt die regelmäßige Ausschüttung von Stresshormonen durch angstgeprägte Glaubenssätze und Gedanken dazu, dass unsere Zellen in den Überlebensmodus wechseln, da sie Gefahr signalisiert bekommen. Das bedeutet, sie schotten sich ab, die Kommunikation zwischen den Zellen verschlechtert sich, das Immunsystem wird geschwächt und unser Blut wird weg von unseren Organen hin zu unseren Extremitäten verlagert.

Vor vielen Jahrhunderten war dieses alte Stresssystem für uns überlebensnotwendig. Wenn uns ein wildes Tier bedrohte, benötigten wir in diesem Moment unsere Arme und Beine, um zu fliehen oder zu kämpfen, unser Immunsystem war dabei zweitrangig. In unserer sicheren Welt heutzutage halten wir unser altes Stresssystem durch stressauslösende Gedanken und Glaubenssätze aktiv.

Sind wir hingegen im Vertrauen und überwiegend schöpferischen Gedanken und Gefühlen ausgesetzt, werden Wachstumshormone ausgeschüttet, unsere Zellen wechseln in den Wachstumsmodus, unsere Gene werden besser reguliert, die Selbstheilung wird aktiviert, das Immunsystem arbeitet besser für uns, wir werden vitaler.

Untersuchungen von Dr. Joe Dispenza haben die Wirkung unserer Gedanken und Gefühle auf unsere Gen-Expression und unser Immunsystem 
nachgewiesen. Probanden haben über vier Tage hinweg 15 Minuten am Tag in Gefühlen wie Dankbarkeit, Liebe und Vertrauen meditiert. Sie wurden 
vorher und nachher untersucht. In einer Gruppe wurde die epigenetische Gen-Expression betrachtet. Hier konnte festgestellt werden, dass für uns 
positive Gene, wie Gene des Immunsystems oder Tumorsuppressorgene, die Krebszellen unterdrücken, deutlich aktiver wurden.

In der anderen Gruppe wurde der Stresshormonspiegel gemessen, sowie der Immunglobulin A-Wert des Immunsystems. Das Stresslevel ist nach 
den vier Tagen um 16% gesunken und der Immunglobulin A-Wert ist um fast 50% gestiegen, d.h. das Immunsystem hat doppelt so gut gearbeitet.
Es ist im wahrsten Sinn des Wortes unglaublich, welche Wirkung unser Glaube auf unseren Körper nimmt.

Das Vertrauen zurück ins Leben holen

Es sind einschneidende Erfahrungen und Traumata aus unserer Vergangenheit oder weitergegebene Glaubenssätze unserer Eltern, die unser Vertrauen ins Leben sabotieren und Ängste aktivieren. Besonders dann, wenn wir wieder ähnlichen Triggerfaktoren ausgesetzt sind. Diese Erlebnisse haben bereits früh unseren Glauben geprägt und unsere gesamte Biochemie im Körper beeinflusst. Und wer kennt sie nicht, unbewusst ablaufende Sätze entstanden durch vergangene Erfahrungen wie
 »Ich bin nicht liebenswert«,
»Ich bin nicht wichtig, die anderen zuerst« oder
»Ich schaffe das nicht«. 

Doch wenn wir diese Glaubenssätze noch heute wieder und wieder innerlich abspielen, setzen wir wieder und wieder die gleichen biochemischen 
Prozesse in Gang. Das bedeutet, nicht nur unser Geist lebt in der Vergangenheit, sondern unser gesamter Körper.

Doch was hilft dir aus diesen Glaubens- und Gefühlsmustern heraus?

Um unser Sein nach unseren Wünschen auszurichten, benötigen wir nicht nur unseren Verstand, sondern auch unser Unterbewusstsein und unseren Körper. Die reine rationale Entscheidung, »positiv« zu denken, hat noch nie gegriffen. Denn unsere Zellen im Körper schreien nach den ihnen bekannten Botenstoffen und Stresshormonen. Um unser Sein zu verändern, müssen wir unseren Geist und Körper zusammenarbeiten lassen. Und hier hilft uns eine mächtige Methode. Das Erlebbarmachen von unserem Wunschzustand in Form von Gedanken, Gefühlen und unserem Verhalten 
durch Visualisierung.

Wenn du deinen Wunschzustand mit geschlossenen Augen meditativ visualisierst, die damit verbundenen Gedanken und Gefühle wahrnimmst, macht dein Körper durch die entsprechenden Botenstoffe, sowie dein Geist, der diese Botenstoffausschüttung in Gang setzt, eine konsistente Erfahrung im Hier und Jetzt. Schöpferische Glaubensätze sind geprägt durch Vertrauen und Selbstliebe wie:

»Ich bin liebenswert«,
»Das Leben meint es gut mit mir« oder
»Ich bin kraftvoll und habe mein Schicksal selbst in der Hand«.

In diesem Moment verändert sich deine gesamte Biochemie. Und wenn du diese Visualisierung über einen langen Zeitraum einmal am Tag durchführst, wirst du beobachten, dass sich dieser Zustand mehr und mehr in deiner Gegenwart manifestiert. Deine Zellen gewöhnen sich an die heilenden Botenstoffe, dein Unterbewusstsein speichert neue Gewohnheiten ab, dein

Geist etabliert neue Glaubenssätze.

Wie funktioniert die Visualisierung?

Schreibe dir auf, welche Gefühle, Emotionen und Gedanken du in deinem Leben etablieren möchtest. Gefühle wie z.B. Dankbarkeit, Liebe, Vertrauen oder Freude oder Gedanken und Glaubenssätze wie

»Ich bin dankbar für meine Freunde und Familie«,

»Ich bin liebenswert« oder

»Ich meistere mein Leben mit Leichtigkeit«.

Bevor du dann in die Visualisierungsübung eintauchst, mache dir nochmals deine aufgeschriebenen Worte ganz bewusst. Ich empfehle dir, die Übung möglichst morgens durchzuführen. Nimm dir dafür 15 ungestörte Minuten Zeit. Schaue davor nicht auf dein Smartphone oder in deine E-Mails, schotte dich von allen Umwelteinflüssen ab. Setze dich z. B. auf ein Meditationskissen, schließe deine Augen und atme vorerst gleichmäßig tief ein und aus. Lasse all den Alltagsstress über deinen Atem aus deinem Körper strömen und spüre den tragenden Boden unter dir.

Atme ein paar Minuten in folgendem Rhythmus:

6 Sekunden tief in den Bauch ein,
halte den Atem für ca. 8 Sekunden,
lass die Luft für 6 Sekunden aus deinem Körper strömen,
halte die Luft für 8 Sekunden und beginne von vorne.

Nach ca. 5 Minuten beginnst du mit der Visualisierung deiner Gefühle, Gedanken und deinem Verhalten. Male dir deinen Wunschzustand intensiv mit geschlossenen Augen aktiv aus und spüre es. Stell dir vor, wie du in deinem Wunschzustand agierst, wie du dich verhältst. Nimm intensiv die Gefühle wahr, die diesen Zustand prägen. Spiele die Glaubenssätze ab, die du etablieren möchtest.

Visualisiere intensiv für ca. 10 Minuten. Daraufhin komme in deinem Tempo wieder im Hier und Jetzt an, spüre die Luft um dich herum. Nimm die Verbindung zur Erde wahr. Und wenn du bereit bist, öffne wieder deine Augen.

Wenn du diese Visualisierungsübung regelmäßig morgens durchführst, wirst du nach und nach eine Veränderung in deinem Seinszustand hin zu deinem Wunschzustand wahrnehmen können. Dein Leben wird sich verändern, hin zu mehr Vertrauen, Leichtigkeit und Lebendigkeit. Stell dir vor, welche Auswirkungen dies auf deine Gedanken, deine Zellen, deine Gefühle und somit auf die mögliche Veränderung deines Lebens hat.

Die Epigenetik macht uns zu Schöpfer*innen

Die Wissenschaft der Epigenetik hat für meinen Verstand greifbar gemacht, was ich schon lange in mir gespürt habe. Noch wenige Jahre und die 
therapeutische Arbeit mit unserem Geist wird biologisch messbar sein. Doch nicht nur unser Geist beeinflusst unsere Gene. Die Epigenetik erforscht verschiedene Lebensbereiche, über die wir Einfluss auf unsere Genregulierung nehmen können.

Dazu zählt neben der Psycho-Epigenetik: 

  • die Nutri-Epigenetik – unsere Ernährung 
  • die Physio-Epigenetik – unsere Bewegung 
  • die Sozio-Epigenetik – die Wirkung unseres sozialen Umfeldes
  •  die transgenerationale Epigenetik –  die Weitergabe von Umweltanpassungen durch unsere Vorfahren

»Da kannst du nichts machen. Das hast du von deinem Vater oder deiner Mutter geerbt. Das liegt an deinen Genen.«

Sätze wie dieser gehören endlich der Geschichte an. Lass uns unser eigenes Schöpfertum entdecken und mit unserem Lebensstil unseren Geist und Körper formen.

Dieser Artikel ist Teil des Maas Magazins No. 23 VERTRAUEN - Vertraue in Leben, komme, was mag!
Nachhaltig gedruckt oder als ePaper erhältlich: https://maas-mag.de/produkt/no-23-vertrauen/

Der Autor:
Timo Janisch ist Gründer von deine Mindbase, das erste Epigenetik-Coaching-Ausbildungsinstitut in Deutschland.
www.deine-mindbase.de

Online-Quellen & weiterführende Links

www.deine-mindbase.de https://maas-mag.de/produkt/no-23-vertrauen/

Sponsor:innen dieser Lösung

Werde die/der Erste, die/der diese Lösung sponsert und so die Arbeit dahinter wertschätzt.

Kommentare (0)

Noch keine Kommentare – sei die/der Erste!

Das könnte Dich auch interessieren

Living Earth

CO2 und der geniale und Lebens-wichtige Prozess der Photosynthese

Warum CO2 überlebenswichtig für uns ist

Inspirierendes Wissen
Living Earth

Getoastetes Vielfaltsbrot mit sonnenwarmen Paradeisern

Eine gesunde sommerliche Aromen-Explosion für Paradeisergärtner

Do it yourself
Living Earth

Die fantastische Welt der Pilze und Mykorrhizen im Boden

Das Wood Wide Web - unterirdischer Informations- und Nährstoffaustausch

Inspirierendes Wissen
Shanaya Zeviar

Speisepilze selbst züchten

Frische Pilze das ganze Jahr – nachhaltig, einfach und mit wenig Platz

Inspirierendes Wissen