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Anita Maasgepostet am: 06. April 2023

Es gibt keinen Tod!

Die Erkenntnis der Begründerin der Sterbeforschung

Inspirierendes Wissen

Diese provokative These stellte die als Begründerin der Sterbeforschung bekannte Elisabeth Kübler-Ross († 2004) auf und wurde dafür stark kritisiert. Mehr als die Hälfte ihres Lebens hat sie mit Sterbenden verbracht und selbst eigene Nahtoderfahrungen gemacht, die sie in ihrer Auffassung bestärkten.

Mit 23 Ehrendoktortiteln und über 70 nationalen und internationalen Auszeichnungen von Universitäten weltweit ist sie die wahrscheinlich am häufigsten ausgezeichnete Wissenschaftlerin. Ihre Studien zum Tod und dem Umgang mit Sterbenden, mit Trauer und Trauerarbeit sowie mit Nahtoderfahrungen gelten heute als Grundfeste der Palliativmedizin und der Hospizbewegung. Entgegen dem damals üblichen Umgang mit sterbenden Menschen ging sie diesen während ihrer Arbeit nicht aus dem Weg, sondern führte mit ihnen eingehende Gespräche über ihre Gedanken und Ängste.

Ihr daraus resultierendes Buch „Interviews mit Sterbenden“, („On Death and Dying“, 1969), für das sie mit mehr als 200 Sterbenden gesprochen hat, verschaffte ihr weltweite Anerkennung und sorgte dafür, dass Todkranke nicht mehr in leere Zimmer abgeschoben werden, bis es vorüber ist.

Die Frau, die eines der letzten Tabus unserer Zeit gebrochen hat, vertrat unter anderem die These, dass es überhaupt keinen Tod gäbe. In einem ihrer späten Werke „Über den Tod und das Leben danach“ („On Life After Death“, 1984) schreibt Elisabeth Kübler-Ross:

„Meine wirkliche Aufgabe ist es, den Menschen zu sagen, dass der Tod nicht existiert.“ 

Die „Königin des Todes“, wie sie von ihren Bewunderern genannt wurde, hielt weltweit Vorträge und Workshops, sie gründete Sterbehilfegruppen und Sterbehospize und initiierte eine weltweite Sterbebewegung. In einem Interview sagte sie, dass ihre wichtige Leistung sei,

„dass ich den Tod und das Sterben aus der Toilette herausgeholt habe. Allein in den USA war ich für 2000 Sterbehospize verantwortlich. Heute können die Sterbenden wählen, ob sie zu Hause, im Krankenhaus oder im Hospiz auf die andere Seite gehen können.“

Auf die andere Seite?

„Ja, ich bleibe dabei. Es gibt keinen Tod. 

Das Leben ist viel schwerer als der Tod. Die Angst vor dem Tod ist unbegründet.“ 

Sie rief mit ihren Aussagen eine zunehmende Skepsis bei Fachkollegen und Ärzten in aller Welt hervor, verteidigte ihre Erkenntnisse über die Zeit nach dem Tod jedoch vehement:

„Ich hatte selbst mehrere Nahtod-Erlebnisse. Das heißt, ich war auf der anderen Seite. Ich weiß also, wovon ich spreche. Nach dem Tod lernen wir erst die bedingungslose Liebe kennen. Es gibt dort keine Begrenzungen mehr. Das lässt sich erforschen. Viele Sterbende haben mir das erzählt.

Das sind keine Hirngespinste. 

Aber die Ärzte haben Angst vor dieser Wahrheit.

Für die ist der Tod ein Feind. Das ist ihr Grundirrtum.“

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"Der Tod ist nur ein Übergang in eine andere Frequenz und ein wunderbares Erlebnis."

Elisabeths Ziel war es vor allem, von den Sterbenden zu lernen, wie man mit ihnen umgehen soll und welche Hilfe sie sich erhoffen. Dazu sprach sie mit unheilbar kranken Menschen über ihre Gefühle und Gedanken zu Tod und Sterben. Diese zuerst scharf kritisierte Arbeit gab Ärzten, Pflegekräften, Sozialarbeitern und Seelsorgern entscheidende Impulse zum Umgang mit sterbenden und trauernden Menschen.

Ihre Kernbotschaft ist, dass die Helfenden zuerst ihre eigenen Ängste und Lebensprobleme, sogenannte „unerledigte Geschäfte“, zu klären versuchen sollten, ehe sie sich den Menschen am Lebensende hilfreich zuwenden können. Auf ihre Initiative hin wurden in den USA und später auch international die ersten Hospize eingerichtet, in denen Sterbenskranke bis zu ihrem Lebensende liebevoll und vor allem emotional betreut und gepflegt werden. Die Definition der fünf Phasen des Übergangs hat viel zum Verständnis der Sterbenden beigetragen und den Umgang mit Menschen, die ihrem Lebensende entgegensehen, revolutioniert.

„Der Moment des Todes ist ein befreiendes, schönes Erlebnis. Man löst sich von seinem Körper. Man beobachtet ihn von oben ohne Angst und ohne Schmerzen und ohne Heimweh. Sterbende haben Glücksgefühle. Der Glückszustand der Transformation vom körperlichen zum körperlosen Zustand ist unbeschreiblich schön.“ 

Dass die Menschen heute Angst vor dem Sterben haben, führt die Sterbeforscherin auf die weitverbreitete Angst vor dem Leben zurück. Urvölker oder alte Bauern würden zum Beispiel am Ende ihres Lebens auf ihr Land oder ihre Arbeit schauen und wüssten, dass sie wirklich intensiv gelebt haben. Mit diesem Wissen habe man keine Angst vor dem Tod. Auch wer in Harmonie mit der Natur lebe, kenne den Tod als Übergang in ein anderes Leben.

In den letzten Jahren ihres Lebens hat die 78jährige nach mehreren Schlaganfällen selbst ihr eigenes Ende herbeigesehnt. Die Angst vor dem Tod war der Sterbeforscherin bis zum Schluss fremd. Einmal sagte sie:

„Sterben - das ist, als würde man in die Ferien fahren. Ich freue mich schon unheimlich!“

In einem Interview blickt Elisabeth Kübler-Ross auf ihr Leben zurück. Die Frage, ob sie etwas anders machen würde, beantwortet die gebürtige Schweizerin mit den Worten:

„Genießt mehr das Leben, tanzt mehr, esst Schweizer Schokolade und arbeitet nicht nur. In der Schweiz wurde ich nach dem Grundsatz erzogen: arbeiten, arbeiten, arbeiten.

Du bist nur ein wertvoller Mensch, wenn du viel arbeitest.

Dies ist grundfalsch. Halb arbeiten, halb tanzen: Das ist die richtige Mischung!

Ich selbst habe zu wenig getanzt und zu wenig gespielt.“

Text von Anita Maas erschienen im Maas Magazin No. 3 -LEBEN & STERBEN.

Elisabeth Kübler-Ross hat u. a. folgende Bücher geschrieben: Interviews mit Sterbenden, Das Rad des Lebens (Autobiografie), Kinder und Tod, Über den Tod und das Leben danach, Sterben und leben lernen

Online-Quellen & weiterführende Links

https://maas-mag.de/produkt/epaper-no-3-leben-und-sterben/

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