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Leben in der Jurte
Kleine, transportable Wohnräume aus natürlichen Materialien
Inspirierendes Wissen
Jurten erfüllen nicht nur das Bedürfnis nach Einfachheit und Minimalismus, sondern auch das Verlangen nach einem Leben im Einklang mit der Natur. Es sind jedoch nicht nur junge Menschen, die nach Alternativen zum überfüllten Stadtleben suchen. Immer mehr Menschen interessieren sich für die Idee eines bescheideneren Lebens auf kleinem Raum.
Laut Christian Schinke von www.transportable-raeume.de, der mit seiner Frau und zwei kleinen Söhnen auf 20 Quadratmetern lebt, ist es in einem Zirkuswagen oder einer Jurte leichter, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, da der begrenzte Platz von selbst dazu zwingt. Zusammen mit seinem Geschäftspartner Michael Herzog baut und renoviert er bewohnbare Zirkuswägen und Jurten. Ihr Grundstück wird von mehreren Familien bewohnt und die Jurte dient als Gemeinschaftsraum.
Die kuppelförmige Struktur der Jurten vermittelt eine heimelige und fast domartige Atmosphäre, die den Betrachter auf unerklärliche Weise ergreift. Aufgrund der Bauweise ist es schwieriger, Jurten einzurichten. Es erfordert eine gewisse Anpassung an das offene Wohnen, da es nicht so einfach ist, Räume abzuteilen.
In Österreich sind Menschen, die in einer Jurte als vollständig autarke Wohneinheit leben, immer noch eine seltene Spezies, wie Claudius Kern, der sich seit langem mit dem Thema beschäftigt und regelmäßig Jurtenbau-Workshops abhält, berichtet. Die meisten Jurten werden als Seminarraum, Wald- und Alternativschule oder sogar als Gästezimmer genutzt, wie bereits erwähnt, auch für touristische Beherbergung.
Anpassung an unser Klima
Um Jurten für die Gegebenheiten in unseren Breitengraden anzupassen, sind einige Änderungen notwendig. Die importierten Jurten aus Ländern wie der Mongolei oder Kirgisistan sind nicht für unser Klima geeignet und neigen dazu, nach drei Jahren zu schimmeln. Der in den Herkunftsländern verwendete Filz ist ein schlechter Dämmstoff, da es dort nichts anderes als Tierhaare, Seile und Holzstangen gibt. Obwohl der Grundgedanke beibehalten werden kann, hat Claudius Kern im Laufe der Jahre seine Bauweise verfeinert und verwendet nun andere Materialien, um den Bedürfnissen unserer Breitengrade gerecht zu werden. Anstelle der traditionellen Scherengitter verwendet er jetzt Hartfaserplatten oder Sperrholz als Wände und bevorzugt eine Mischung aus Jurte und Dom, die er "Jom" nennt. Diese Bauweise entspricht am ehesten seiner Philosophie für die Alchemie des Bauens und Wohnens und berücksichtigt auch verbesserte Technologien und unseren Lebensstandard.Stroh als Isolierung
Der einzige Nachteil ist, dass Jurten in Bezug auf die Schalldämmung schwach sind. Doch Jurtenbauer Gerd Kerschbaumer (www.rundesleben.at) ist überzeugt, dass Stroh nicht nur billig ist, sondern auch den besten Schallschutz bietet.Mit einem Excel-Programm lässt sich jede sinnvolle Kuppel- oder Jurtengröße auf Knopfdruck in der gewünschten Stärke planen. Eine hochmobile Wohnjurte ist genauso gut isoliert und beheizbar wie eine robustere, stationäre Jurte. Weitere Themen der Jurtenbau-Workshops sind Wasserautarkie (direktes Wasserrecycling durch Innenraumbegrünung), innen nutzbare "Terra-Preta-Toiletten", Energieautarkie (z.B. durch Solarenergie), Alternativen zum Heizen, Kochen und zur dezentralen, autarken Stromversorgung sowie die Holzkohleproduktion für Terra-Preta (Achtung: besonders fruchtbarer Boden).
Ab 150 Euro pro Quadratmeter
Für eine Jurte mit einem Durchmesser von sieben Metern veranschlagt Schinke Kosten von rund 24.000 Euro. Die Herstellung ist laut Kern einfach und auch für Laien möglich. Wer mehr selbst macht, kann den Preis auf 150 bis 200 Euro pro Quadratmeter senken. Der erstmalige Selbstbau dauert bei einem Durchmesser von fünf bis acht Metern etwa einen Monat (mit Hilfe von Helfern).Die Fläche kann ringförmig erweitert werden, wenn der Platzbedarf steigt. Theoretisch könnte eine Wohnjurte mit einer Fläche von 250 Quadratmetern entstehen: eine zentrale Fläche von zweimal acht Metern Durchmesser übereinander, umgeben von einem vier Meter breiten Außenring. Wenn man gut baut, ist eine Jurte sehr langlebig. Lediglich die Außenhaut (wasserdichter Markisenstoff) muss alle 20 bis 30 Jahre erneuert werden, wobei Kerschbaumer atmungsaktives Goretex verwendet.
Das autarke Wohnen im Grünen ist in unseren Breitengraden nicht ideal. Doch als Wohnzimmer im Grünen, Gartenstudio, Therapie- oder Seminarraum und vieles mehr, kann man viele Wunder im Bauch der Jurte erleben.
Online-Quellen & weiterführende Links
https://jurtenbau.at/ https://www.rundesleben.at/ www.transportable-raeume.de http://jurten.heimat.eu/