Foto: Chantal Bacioglu
Natur als Raum für Erkenntnis
Mit "Nature Journaling" zu dir selbst finden
Do it yourself
Unter freiem Himmel
Draußen in der Natur ist die Welt noch in Ordnung. Jedes Tier und jede Pflanze ist dem natürlichen Rhythmus der Sonne unterworfen. Sie geht auf und unter, die Tage werden länger und kürzer und wieder länger. Damit gibt die Sonne den Takt an und alles folgt. Stell dir einmal vor, wie groß dieses Orchester ist, wie viele mitspielen und wie harmonisch das klingt! Jedes noch so kleine Lebewesen bis hin zu den riesigen Bergen und weiten Ozeanen hat seinen Platz darin. Manchmal sind die Töne laut wie ein Donnerschlag, manchmal leise wie das Trippeln der Ameisen auf trockenem Laub. Zwischendurch gibt es Pausen, in denen alles still ist, wie in der Nacht oder wenn frischer Schnee gefallen ist. Jeder ist an seinem Platz und übernimmt seinen Beitrag zur Weltmusik. Alle nehmen Rücksicht und lauschen aufeinander, wie man es in einem Orchester oder Chor auch macht. Wenn das ganze Gefüge stimmt, klingt es göttlich. Diese Harmonie kannst du spüren, wenn du dich ganz still und achtsam an einen Baum, auf einen Berg oder an einen Fluss setzt. Alles ist mit allem im Einklang. Du bist mittendrin und empfindest tiefen Frieden. Nachdem du dich eine Weile mit dieser unendlichen Energie aufgeladen hast, kehrst du erfrischt und beseelt in deinen Alltag zurück. Du wirst es bald nicht mehr missen wollen. Je öfter du in diese reine Energie eintauchst, desto schneller kannst du dich aufladen und entspannen. Für diesen Moment gibt es nichts zu tun. Laute Impulse vom Straßenverkehr, Menschen oder schnell wechselnde Bilder um dich herum sind verschwunden. Hier bist nur du allein umgeben von einem entspannten und harmonischen Feld. Die Gedanken kommen zur Ruhe. Alles, was nicht zu dir gehört, fällt von dir ab. Zum Vorschein kommt dein wahrer Kern. Es fühlt sich gut an, nicht zu denken und nur zu beobachten: wie das Sonnenlicht durch die Blätter scheint und sich die Zweige bei einer Brise leicht heben und senken als winkten sie dir zu. Du spürst, was es bedeutet, ganz im Hier und Jetzt anzukommen. Nichts von all dem da draußen hat Bedeutung. Zwischen dich und deinen Alltag schiebt sich eine watteweiche, grüne Schicht Natur, die alles von dir abhält. Wohltuende Leere macht sich in deinem Kopf breit. Je weniger du denkst, desto mehr öffnet sich dein Herz. Es spricht ohne Worte zu dir. Vielleicht steigt ein Gefühl auf. Es geht nicht darum, es zu benennen, sondern es einfach zuzulassen, mehr und mehr, bis es sich ganz weit ausgebreitet hat. Die Schutzhülle um dich herum, die dich vor allzu vielen Eindrücken bewahrt und sich bei Stress immer mehr verdichtet, wird aufgeweicht. Du dehnst dich immer weiter aus, bis dich ein wonniges Gefühl ganz ausfüllt. Du spürst dich wieder und kommst zu dir nach Hause, in deinen inneren Kern. Ohne es zu forcieren und Druck aufzubauen, steigt eine Botschaft aus deinem Herzen auf in Form von Worten, Bildern oder auch einem Gefühl. Du erhältst Impulse aus deinem Inneren, die dir helfen, deinen ureigenen Weg zu gehen. Vielleicht bekommst du Antworten zu großen Lebensthemen, Ideen für deinen Lebensweg oder mehr Klarheit für eine anstehende Entscheidung.Halte den Moment fest
Diese Eingebungen aus dem Kontakt mit deinem Innersten sind oft sehr zart und verflüchtigen sich schnell, wenn du wieder in der Stadt bist, umgeben von Menschen, Mauern und vielen Aufgaben, die dir von überall zu gerufen werden. Es ist wie mit einem Traum, den man wieder vergisst, sobald der Tag angebrochen ist. Schreibe dir deswegen auf, was du fühlst, welche Inspirationen zu dir kommen, welche Sehnsucht in dir aufsteigt, wenn du ganz mit dir verbunden bist. In der Natur gibt es nichts und niemanden, der etwas bewertet oder gar verurteilt. Alles darf so sein, wie es ist, dann ist es perfekt. Die Zweifel sind weit weg, alles ist möglich. Nutze diesen völlig urteilsfreien Raum für deine Träume und Erkenntnisse. Die Antworten für viele Fragen sind schon in dir.Finde deinen Platz in der Natur
Wo zieht es dich heute hin? Der Platz, an dem du dich niederlässt, beeinflusst deinen Prozess. Deswegen gibt es ein paar Dinge zu beachten, wenn du unterwegs bist auf der Suche nach einem Ort, an dem du ungestört bist und dich auf alles einlassen kannst, was zu dir kommt.
Über die Schwelle gehen
Am besten gehst du von deinem Startpunkt aus ein paar Hundert Meter munter drauf los. Das hilft dir, den Tag und das, wo du herkommst, zurückzulassen. Die Bewegung tut gut und du merkst vielleicht, wie du nach einer Weile ruhiger wirst. Bist du schon weit genug weg von dem Straßenlärm, den letzten Häusern und Rasenmähern? Verlasse ruhig auch mal die breiten Wege, suche dir schmale Pfade oder laufe querfeldein über eine Wiese oder durch den Wald. Schlendern ist angesagt, nicht wandern. Suche dir nun eine Schwelle, die du ganz bewusst überquerst. Vielleicht findest du einen quer liegenden Baumstamm, legst dir selbst einen Ast über den Weg oder gehst über eine Brücke, springst über einen Bach oder was immer sich dir als Schwelle anbietet. Nimm nun bewusst Abstand von deinem Alltag und betrete einen anderen Raum. Vielleicht magst du dir eine Zauberwelt vorstellen, in der du mit den Wesen der Natur kommunizieren kannst, oder du betrittst einen geschützten Raum, in dem du mit neuen Augen und Ohren unterwegs bist. Deine Schritte werden langsamer und dein Blick schweift absichtslos umher.Der Intuition folgen
Schau dich um: Was zieht dich heute an? Ist es ein Baum, an den du dich lehnen möchtest? Oder legst du dich lieber ins weiche Moos? Vielleicht bietet sich ein umgefallener Baumstamm als Sitzplatz an oder ein flacher Stein lädt dich ein, auf ihm Platz zu nehmen. Das findest du am besten heraus, indem du es ausprobierst. Es kann gut sein, dass sich der erste Platz, an dem du dich niedergelassen hast, nicht stimmig anfühlt und du noch ein bisschen weitersuchst. Die Suche und Wahl des für dich jetzt passenden Platzes kann auch schon sehr aufschlussreich sein. Wie gut führt dich deine Intuition heute? Oder bist du unentschlossen? Wo fühlst du dich wohl? Wenn du an einem Baum sitzen möchtest, dann achte darauf, dass er dir einen bequemen Platz anbietet. Manche Bäume haben ihre Wurzeln so geformt, dass du wie in einem Sessel darin Platz nehmen kannst und deine Arme auf den dicken, bemoosten Wurzeln ruhen können. Achte darauf, dass nicht gerade eine Ameisenstraße oder ein Wespennest in deiner Nähe ist. Schau auch mal nach oben, ob dort ein dicker Ast lose in der Krone hängt, der bei einem Windstoß herunterfallen könnte. Es ist gut, wenn du nicht direkt auf einem Präsentierteller sitzt und jeder vorbeikommende Jogger und Hundespaziergänger dich beäugt. Selbst wenn sie freundlich grüßen, bedeutet das für dich eine Ablenkung. Vermeide alles, was deine Aufmerksamkeit stören könnte. So sollte dein Platz sein:- ruhig
- sichtgeschützt
- bequem
- sicher
Wie dich die Landschaft inspiriert
Jede Landschaft hat ihre eigene Qualität, die natürlich auch auf dich ausstrahlt. Du kannst deinen Platz ganz gezielt in verschiedenen Landschaften aussuchen. Experimentiere doch selbst einmal mit verschiedenen Plätzen und beobachte, wie die Landschaft dein Erleben prägt.Am Wasser
Ein Platz mit einem Blick auf einen See strahlt Ruhe aus. Du kannst weit schauen, dein Auge bleibt nicht in unmittelbarer Nähe an ganz vielen verschiedenen Details hängen, sondern das Auge kann sich auf der weiten Wasseroberfläche ausruhen. Verstärkt wird das Gefühl noch, wenn der See glatt ist. In der Meditation stellen wir uns gerne eine spiegelglatte Oberfläche eines Sees vor, um unsere Gedanken zu beruhigen. Manchmal schaust du durch den Spiegel bis auf den Grund. Aber auch die Spiegelung des Himmels oder der Bäume am anderen Ufer lassen dich ganz andere Dinge erkennen als der direkte Blick. Spiele einmal damit: schaue in den Himmel und dann auf die Wasserfläche. Du wirst überrascht sein!
Die Druiden nutzten für diese Art des Sehens extra im weichen Stein geformte Druidenbecken, in denen sich das Regenwasser sammelt. Es braucht ein bisschen Übung, um die Kunst des Schauens zu erlernen, aber dann lässt dich das spielerische Wechseln der Ebenen tief blicken.
Ein Platz an einem See ist ideal, wenn du klar sehen möchtest. Dein Stirnchakra wird gestärkt.
An einem Bach oder Fluss fließt das Wasser unaufhörlich. Ein unsichtbarer Energiestrom breitet sich über dem Wasser und über die Ufer aus. Diese Energie reinigt dich und deine Aura. Der Blick auf das strömende Wasser bringt auch dich in Bewegung. Nichts bleibt, wie es ist. Du steigst nicht zweimal in den gleichen Fluss. Wenn du also aus der Trägheit in Fluss kommen möchtest, dann ist ein Platz am Fluss für dich genau richtig. Das fließende Wasser hilft dir, aus der Stagnation zu kommen. Es bringt auch festgehaltene, eingefrorene Gefühle wieder ins Fließen, Verkrustetes löst sich. Am Ufer eines Flusses oder auch auf einer Brücke kannst du perfekt etwas loslassen, das dir nicht mehr dient und dich bereit machen zum Aufbruch in etwas Neues.
Springendes, klingendes, rauschendes und plätscherndes Wasser belebt dich. Wenn du dich nach Ruhe sehnst, ist ein stark rauschender Fluss zu aufwühlend.
Ein Fluss ist ideal, wenn du etwas loslassen oder deine Gefühle wieder in Fluss bringen möchtest. Dein Herzchakra wird gestärkt.
Im Wald
Ein Platz im Wald spendet Kraft und Vertrauen. Du erdest dich gut, indem du dich an einen Baum lehnst und den starken Stamm in deinem Rücken spürst. Mache dir bewusst, wie viele Jahre der Baum schon dort steht und die Stellung hält. Ein Baum gibt dir Verlässlichkeit und Beständigkeit. Du kannst das Gefühl noch verstärken und verinnerlichen, wenn du mit jedem Ausatmen aus deinem Steißbein (wenn du sitzt) oder aus deinen Füßen (wenn du stehst) Wurzeln wachsen lässt, die sich tief in der Erde mit denen des Baumes verbinden. Beim Einatmen stelle dir vor, wie du die Energie aus der Erde in dich aufnimmst. Lasse deinen Atem immer größer werden, bis du beim Ausatmen tief in die Erde eintauchst und beim Einatmen deinen Atem am Stamm entlang bis hoch hinauf in die Krone schickst. Du verschmilzt mit dem Baum und erhältst Stabilität.
Vielleicht magst du es dir auch in einer mit weichem Laub ausgepolsterten Mulde gemütlich machen. So fühlst du dich mit deinem ganzen Körper getragen und findest Halt. Der erdige Geruch bringt dich zurück auf den Boden. Du fühlst dich geborgen und gehalten.
Ein Platz im Wald ist ideal, wenn du Ängste abgeben und Zuversicht nähren möchtest. Dein Wurzelchakra wird gestärkt.
Auf der Höhe
Ein Platz auf einem Berg oder einer Anhöhe, von wo du einen weiten Blick hast, beflügelt dich. Du überblickst von hier oben das ganze Tal und kannst den Blick in die Ferne schweifen lassen. Es fällt dir leicht, das große Ganze zu erkennen. Du bekommst einen guten Überblick und siehst klar. Wenn du also den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr siehst, suche dir eine Stelle mit Weitblick: Schau, die Welt liegt dir zu Füßen! Deine Kreativität wird angefacht - alles ist möglich.
Auf einem Gipfel bist du dem Himmel so nah wie irgend möglich. Um dich herum ist es still. Kaum eine Pflanze oder ein Tier lenken deine Aufmerksamkeit auf sich. Über dir wölbt sich ein gigantischer Himmel. Es gibt nur dich und Gott. Und wenn du ganz genau hinhörst, flüstert er dir etwas zu….
Ein Berg ist ideal, wenn du dich mit dem Höchsten verbinden möchtest und Eingebungen oder neuartige Ideen suchst. Dein Kronenchakra wird gestärkt.
In dem Naturtagebuch kannst du alle Erlebnisse und Erkenntnisse in der Natur festhalten.