Was bedeutet Permakultur?
Eine kurze Einführung in die Welt der Permakultur
Inspirierendes Wissen
Permakultur ist ein Prinzip, das ich auf der ganzen Welt in großflächiger oder minikleiner Ausführung auf Balkonen oder in kleinen Stadtgärten erlebt habe. Immer wachsen hier Pflanzen in vielfältiger bunter und lebensförderlicher Gemeinschaft. Schmetterlinge flattern von Blüte zu Blüte, Bienen bestäuben und finden Nektar, oftmals laufen Hühner frei durchs Gelände oder ich höre Erzählungen von Schweinen, die den Boden urbar (zur weiteren Nutzung bereit) gemacht haben.
Immer locken Gemüse, Früchte, Nüsse, Beeren oder Kräuter genascht zu werden.
Die Prinzipien der Permakultur haben mich so sehr inspiriert, dass ich sogar eine Ausbildung zur Permakulturdesignerin absolviert habe und dabei so viel von der Natur für mein Leben gelernt habe, dass die Natur bis heute meine wichtigste Lehrerin ist.
Permakultur ist ein wundervolles und wirkkräftiges Prinzip, um sein persönliches Umfeld, einen Garten, ein Dorf, eine Stadt, Landwirtschaften, Gemeinschaften und alle möglichen Lebensräume zu gestalten.
Es ist eine ganzheitliche und wahrhaft nachhaltige Herangehensweise, die die ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Aspekte berücksichtigt und uns dabei unterstützt, verantwortungsbewusste Entscheidungen zu treffen, die zu dem höchsten Wohle allen Lebens dienen.
Wer die Permakultur für sich entdeckt hat, wird zu einem andächtigen Beobachter der Natur, denn die Natur hat in ihrer Weisheit für alle Herausforderungen eine Lösung für uns bereit. Sie selbst ist ein perfekt abgestimmtes lebendiges und vielfältiges Ökosystem, in dem alle Mikroben, Pflanzen, Tiere, Erden, Elemente und auch wir Menschen symbiontisch miteinander verbunden sind. Nichts ist hier ein „Zufall“ – alles wirkt auf- und miteinander. Es gilt, die vielfältigen Gestaltungsmuster von Mutter Natur verstehen zu lernen, die allen ökologischen Vorgängen zu Grunde liegen.
So können wir zum Beispiel von der Natur lernen, wie Wasser in der Region gehalten wird:
Ein Bodenökosystem, das nicht von Menschenhand, schweren Geräten oder chemisch hergestellten Düngern aus der Balance gebracht wurde, ist humusreich, lebendig und immer mit Pflanzen bedeckt. Ein solcher Boden nimmt selbst bei Starkregenereignissen das Wasser auf und füllt damit auch den Grundwasserspeicher. Da das Wasser in einem humosen Boden gehalten wird, können sich die Pflanzen auch in Trockenphasen mit Wasser versorgen. Der Pflanzenbewuchs kann durch Taubildung zusätzlich Wasser generieren und die Verdunstung von Wasser durch die verminderte Aufheizung des Bodens verhindern. Die wachsenden Pflanzen sorgen mit Ihren Wurzelausscheidungen außerdem für den weiteren Aufbau des Humus im Boden.
Wenn wir dies verstanden haben, werden wir unsere Böden so bewirtschaften, dass diese nicht kahl bzw. unbepflanzt sind.
Oder wir lassen uns von der Natur vom Aufbaue eines natürlichen Waldgebietes zum Anlegen eines "Essbaren Waldgartens" inspirieren. Die Besonderheit besteht im speziellen Aufbau. Hier werden keine Beete oder Felder angelegt, sondern es wird mit den verschiedenen Wuchshöhen gearbeitet.
In einem Essbare Waldgarten werden Fruchtbäume gepflanzt, die Schatten spenden und uns mit Früchten, Nüssen und Holz beschenken.
Beerensträucher- und stauden füllen den Raum zwischen den Bäumen aus und bieten Rückzugsorte und Nistplätze für eine Vielzahl von Tieren. Ihre Blüten und Beeren ziehen Vögel und Insekten an, die wiederum zur Bestäubung der Pflanzen beitragen.
Die krautigen Pflanzen, die den Boden bedecken, dienen als natürlicher Mulch und unterdrücken das Unkrautwachstum, während sie gleichzeitig den Boden vor Erosion schützen und Feuchtigkeit speichern.
Wir können in solchen Essbaren Waldgärten auch Pflanzen setzen, die für andere Pflanzen Stickstoff im Boden fixieren oder andere, von denen wir wissen, dass sie die natürliche Fressfeinde von Schädlingen anlocken. Durch diese Pflanzenvielfalt bildet sich ein resilientes und produktives lebendiges Ökosystem ober und unterhalb der Bodenoberfläche mit Nutzen für alle Lebewesen.
Statt also jährlich ein Feld neu zu bestellen, lenken wir lediglich Prozesse mit möglichst geringem Pflegeaufwand.
In der Permakultur lernen wir, wie wichtig Pflanzengemeinschaften sind, um Krankheiten vorzubeugen und Schädlinge garnicht erst anzulocken.
Es gibt viele Permakulturdesignelemente, die Du in anderen Lösungen auf der LIVING EARTH finden wirst.
Schaue Dir gerne folgendes Video an, dass eine wunderschöne Umsetzung eines Waldgartens zeigt und damit auch die Permakultur in Aktion und lasse Dich vielleicht selbst dazu inspirieren, irgendwann in Deinem Leben selbst einen anzulegen.
Gleich zu Beginn sagt der Protagonist und Gärtner dieses wunderschönen Waldgartens:
So wie auch die Natur selbst, ist Permakultur auf allen Ebenen Ressourcenschonend und effektiv. Sie fördert die Biodiversität und damit die Gesundheit der Ökosysteme. Pflanzen und Tiere werden in ihren diversen symbiontischen Beziehungen untereinander erkannt und diese symbiontischen Verbindungen werden gefördert.
DIE WURZELN DER PERMAKULTUR
Das Wort Permakultur wurde von Bill Mollison und David Holmgren geprägt, die in den 1970er Jahren in Australien nach Ansätzen für eine zukunftsfähige Landwirtschaft suchten.
Bill Mollison war ein australischer Wissenschaftler, Autor und Umweltschützer. Er war von den Auswirkungen der industriellen Landwirtschaft und der Umweltzerstörung besorgt. Er erkannte, dass viele moderne landwirtschaftliche Praktiken nicht nachhaltig waren und zu Bodenerosion, Wasserverschmutzung und dem Verlust der Artenvielfalt führten. Mollison war davon überzeugt, dass es möglich sein müsse, eine nachhaltigere und regenerativere Art der Landnutzung zu entwickeln.
David Holmgren, ein australischer Umweltwissenschaftler und Autor, war einer von Mollisons Studenten. Er teilte Mollisons Besorgnis über die Auswirkungen der modernen Landwirtschaft und die Notwendigkeit einer nachhaltigeren Lebensweise.
Holmgren und Mollison beobachteten und analysierten weltweit Landnutzungsformen, die im Einklang mit der Natur leben, die Bodenfruchtbarkeit schonen oder aufbauen, kaum Abfall erzeugen und die Artenvielfalt erhöhen. Wie zum Beispiel die Aborigines in Australien, die seit 40 000 Jahren in Harmonie mit der Natur leben.
Gemeinsam begannen Mollison und Holmgren, ein neues Konzept zu entwickeln, das auf der Idee der "permanenten Landwirtschaft" basierte, also einer Landwirtschaft, die langfristig nachhaltig ist und dauerhaft Bestand hat.
Sie nannten dieses Konzept Permakultur, eine Kombination aus den Wörtern "permanent" und "Kultur".
Die „Permakultur“ hat ihren Siegeszug um die Welt angetreten und es zeigt sich allerorts, dass damit auch langfristig höhere Ernten erzielt werden können, die Bodengesundheit wieder zunimmt und Humus aufgebaut wird.
Folgende drei Grundsätze stehen nun im Zentrum jedes permakulturellen Wirkens:
DIE DREI ETHISCHEN GRUNDPRINZIPIEN DER PERMAKULTUR
Earth Care – Sorge für die Erde
People Care – Sorge für die Menschen
Fair Share – Begrenze Konsum und Wachstum, verteile Überschüsse
SORGE FÜR DIE ERDE
Die Erde ist ein lebendiges Wesen.
Der Humus ist die Grundlage fast allen physischen Lebens und ist selbst ein vielfältiges, höchst lebendiges Ökosystem, das mit der Pflanzen- und Tierwelt symbiontisch verbunden ist. Die Gewässer sind die Lebensadern der Erde, die Leben erst möglich machen.
Die Bäume, Algen und Wälder sind die Lungen der Erde, ohne die auch wir Menschen keine Luft zum atmen hätten.
Dieses erste Prinzip der Permakultur fordert uns auf zu achtsamen Hütern des fragilen Ökosystems Erde zu werden.
SORGE FÜR DIE MENSCHEN
Um gut für uns selbst, einander und vor allem auch für die Erde sorgen zu können, ist es wichtig, dass wir Menschen gut für uns selbst und einander sorgen,
uns gesund ernähren, wieder richtig atmen, bewegen, ausgiebig schlafen und in Harmonie mit der Natur kommen.
BEGRENZE KONSUM UND WACHSTUM UND VERTEILE ÜBERSCHÜSSE
In der Natur gibt es kein Lebewesen, das mehr hortet, als es zum Überleben braucht. Statt unbegrenztem Wirtschaftswachstum fokussieren wir uns darauf, was uns wirklich glücklich macht. Wir verteilen unsere Überschüsse an jene Wesen, die diese gerade gut brauchen können.
Schaue Dir gerne folgendes sehr praktisch inspirierendes Gespräch zwischen Elias und seinem Vater Heinz Leppe an:
